Kein Kinderspiel – Curvy Yoga hat’s in sich

Mehr Beweglichkeit, Vitalität und Kraft, eine bessere Körperhaltung und vor allem ein besseres Körpergefühl – das alles verspricht Yoga. Katrin Erwerle bietet „Curvy Yoga“ an, das sich an etwas fülligere Teilnehmer richtet und speziell auf kurvigere Figuren ausgerichtet ist.

Yoga bringt Körper, Geist und Seele in Einklang: Beim Curvy Yoga werden die Übungen speziell auf rundliche Menschen zugeschnitten. Foto: Fotolia/Africa Studio

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Es sind zehn Frauen, zwischen 20 und 60 Jahren etwa, die sich zur ersten Auflage von Katrin Erwerles „Curvy Yoga“ wöchentlich im Untergeschoss des Backnanger Bildungshauses treffen. Ihnen gemeinsam ist die etwas fülligere Figur, nicht aber die den Beleibteren gern unterstellte Trägheit. Im Gegenteil: Was die neun Teilnehmerinnen an den Freitagabenden unter Anleitung ihrer Dozentin leisten, kann sich sehen lassen und dürfte auch für gertenschlanke Frauen (und Männer) eine Herausforderung darstellen.

Katrin Erwerle meint sogar, dass das Körpergefühl von eher rundlichen Menschen oft besser ausgeprägt sei als das von schlanken. Beweglichkeit habe nichts mit der Figur zu tun, allerdings sei es so, dass viele Korpulentere sich nichts zutrauen oder in Gegenwart vermeintlich perfekter oder „normaler“ Körper gehemmt sind. Den Kurs, der inzwischen aufs Semesterende zusteuert, begann sie deshalb auf einem relativ leicht zu bewältigenden Niveau und war überrascht, dass die Teilnehmerinnen es bald anspruchsvoller wollten. „Eine ganz tolle Truppe“ hat sich da zusammengefunden, die Teilnehmerinnen – hoch motiviert, aber nicht verbissen – kennen einander inzwischen gut und lachen auch mal. Ihre einzigen Zeugen sind die Kursleiterin und der große Spiegel, der leider nicht ganz bis zum Boden reicht. Das führt dazu, dass die Yogis auf ihren Matten in der ersten Reihe sich nicht sehen können und also scherzen: „Wir sind doch schlank, wir wissen es nur nicht!“

Krokodil, Hund oder Kobra:

Erwerle schont die Teilnehmer nicht

Was folgt, ist ausgelassenes Gelächter, aber dann geht’s gleich wieder zur Sache. Krokodilübungen und sinnvolle Alternativen zu den berühmten Sit-ups als Bauchmuskeltraining, der ambitionierte Unterarmstand und die Schulterbrücke, schließlich der Sonnengruß mit Kobra und Herabschauendem Hund sowie vor der wohlverdienten Endentspannungsphase auch der Krieger – Katrin Erwerle schont ihre Teilnehmerinnen nicht, geht aber ganz individuell auf jede ein, denn sie weiß, dass Abwandlungen der Asanas (Yogastellungen) unerlässlich sind und sehr verschieden ausfallen können.

Die Damen bestätigen dies und sind genau dafür dankbar. So findet Gunda Strohmaier, die dem Yoga „anfangs skeptisch“ gegenüberstand, dass man wieder beweglicher wird und es lernt, sich „auf den Punkt“ zu entspannen. „Es macht Spaß und bringt was“, meint die Frau mittleren Alters, die zuvor eine Rückenschule und weitere Gesundheitskurse besuchte.

Eine andere Teilnehmerin ist über einen Schnupperkurs zum Yoga gekommen und bereut es ebenfalls nicht. Vom ersten Mal an war sie hellauf begeistert. Spaß mache es „vor allem, wenn’s funktioniert“ und sich nach langem Training die Erfolgserlebnisse einstellen. Sie, die auch anderweitig sportlich aktiv ist, bezeichnet sich selbst als Molly und gibt zu bedenken, dass viele Übungen umso schwieriger werden, je dicker man ist. „Klar“, bestätigt die Dozentin, „wir haben ja auch mehr Gewicht zu stemmen!“

Und das klingt anerkennend. Sie ist im Brotberuf Diplom-Betriebswirtschaftlerin, den alternativen Heilmethoden und dem Yoga jedoch gehört ihr Herzblut. Seit 30 Jahren arbeitet Katrin Erwerle in dieser Richtung. Sie hat eine Yogalehrerausbildung absolviert und ist seit 1995 Heilpraktikerin und Ayurvedatherapeutin. Was die Dozentin am Yoga fasziniert, ist vor allem auch das therapeutische und spirituelle Potenzial.

Ursprünglich kommt sie vom integralen (also ganzheitlichen) Yoga her, bei dem die Körperübungen nur ein Teil sind. Für die kurvigen Frauen stellt sie die abstrakte Ebene ein wenig zurück, verzichtet auf die Sanskritbenennung der Asanas und weitgehend auch auf das Singen von Mantras. Ihr Anliegen ist, „dass die Frauen sich bewegen und selbstbewusster werden“. Denn Yoga ist der Gesundheit und inneren Ausgeglichenheit zuträglich. Es führt zu mehr Beweglichkeit, Vitalität und Kraft, es verbessert die Körperhaltung, es kann Verspannungen und Schmerzen abbauen, Altersbeschwerden verzögern oder lindern, mehr Selbstvertrauen und Sicherheit vermitteln und hat viele andere Vorzüge.

  Der Anschlusskurs findet ab Donnerstag,
27. September, wöchentlich zwischen
18.30 und 20 Uhr im Bildungszentrum
in Unterweissach statt und ist über die Volkshochschule buchbar. Und übrigens: Auch Männer sind willkommen.