Sterneschummeleien auch im Kreis

Dehoga kontrolliert Internetauftritte: Ein Gasthof und zwei Hotels im Kreis hatten falsche Sterneangaben gemacht

Wer mit Sternen werben will, muss diverse Kriterien erfüllen. Die Standards werden vor Ort im Hotel oder Gasthaus von Fachleuten überprüft und erst dann wird eine Bewertung vergeben. Sterne sind also ein Zeichen von Qualität und lassen sich in bare Münze umwandeln. Kein Wunder, dass manches Haus zu schummeln versucht – und das auch im Rems-Murr-Kreis.

Die Sterne versprechen den Himmel im Hotel – manchmal aber wird hier kräftig geschummelt. Foto: Pixabay

Von Pia Eckstein

WAIBLINGEN. Sterne weisen auf Besonderes hin, nicht umsonst sind die Namen der Hollywood-Berühmtheiten auf dem Walk of Fame in Los Angeles in Sternen verewigt. Bei Hotels und Gaststätten heißt es: je mehr Sterne, desto besser. Und besser bedeutet mehr Renommee, mehr Gäste, mehr Geld. Kein Wunder, dass manches Haus zu betrügen versucht. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) durchsucht inzwischen deshalb das Internet auf der Suche nach Schummlern, die auf ihren Homepages ohne gültige Zertifizierung mit Sternen werben. Derzeit werden die Ergebnisse des dritten Screenings ausgewertet.

Doch auch schon bei den ersten zwei Screenings, die seit Herbst 2016 durchgeführt wurden, ist der Dehoga fündig geworden. Und zwar auch im Rems-Murr-Kreis. „Insgesamt fünf Hotels beziehungsweise Gasthöfe“ seien auffällig geworden.

Hotelsterne werden nach langen Kriterienkatalogen vergeben. Es geht um Sauberkeit, um die Kompetenz der Mitarbeiter, um die Reinigung der Gästewäsche, den Gepäckservice, die Barrierefreiheit, um Schuhputz- oder Nähservice, Zeitungen auf dem Zimmer, um den Safe, ein Leselicht, um den Swimmingpool und die Kleinkindbetreuung. Bei insgesamt 270 Punkten kann gepunktet werden, die höchste Kategorie hat fünf Sterne und den Zusatz „Superior“. Gasthöfe, Gasthäuser und Pensionen werden nach einem vergleichbaren Kriterienkatalog bewertet, der aber ein kleines bisschen kürzer ausfällt.

Sterne sind kein Muss,

sondern für die Betriebe freiwillig

Man sei, heißt es vom Dehoga, um größtmögliche Vergleichbarkeit in Europa bemüht. Seit 2009 gibt es deshalb eine Union mit einem vergleichbaren Kriterienkatalog in 16 europäischen Ländern. Belgien ist neben Deutschland mit dabei, außerdem Dänemark, Estland, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Schweden, die Schweiz, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Die Teilnahme an der Klassifizierung ist für die Häuser freiwillig. Wer mit Sternen werben will, wird üblicherweise von Vertretern der heimischen Tourismusverbände und von einem Dehoga-Mitarbeiter besucht. Im Rems-Murr-Kreis haben 15 Hotels und ein Gasthaus diese Prozedur mitgemacht. Über die höchste hier vergebene Kategorie mit vier Sternen freuen sich drei Hotels.

Von den fünf Häusern, die ins Visier der Dehoga-Sternefahnder kamen, habe ein Gasthof auf den Hinweis des Hotelverbands hin seine Sterneangaben korrigiert. Bei zwei Häusern habe die Nachprüfung ergeben, dass vor Gericht vermutlich keine Chance bestanden hätte, erfolgreich gegen die Werbung vorzugehen.

Bei zwei Hotels allerdings hat der Dehoga die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eingeschaltet. Eines der Häuser habe inzwischen eine „strafbewehrte Unterlassungserklärung“ abgegeben. Das heißt: Sollte dieses Hotel nochmals mit nicht verdienten Sternen werben, wird es zahlen müssen. Beim zweiten Hotel steht die Entscheidung der Wettbewerbszentrale noch aus.

Wer die Sterneschummler im Kreis waren, will der Dehoga „aus rechtlichen Gründen“ nicht mitteilen.