Optimales Wetter sorgt für frühe Lese

Viel Sonne und genug Regen: Schon Anfang August startet die Ernte – Reben hängen so voll, dass Winzer ausdünnen müssen

Die Bedingungen sind ideal: Kein Hagel, kein Frost und keine lang anhaltende Hitzeperiode, der Regen kommt alle paar Tage und bleibt nicht lange – das Weinjahr 2018 verläuft bislang ausgezeichnet. Günther Ferber, Vorsitzender der Weingärtnergenossenschaft Aspach, ist sehr zufrieden, auch wenn die gute Ausgangslage für die Winzer mehr Arbeit bedeutet.

Schmerzt dem Winzer in der Seele, ist aber notwendig: Unreif abgeschnittene Trauben am Boden. Dank des guten Wetters gibt es zu viele Trauben, die Pflanzen sind überfordert. Fotos: A. Becher

Von Silke Latzel

ASPACH. „Wir werden die ersten Sorten schon Anfang bis Mitte August ernten. So lange ich mich erinnern kann, haben wir mit der Lese noch nie so früh begonnen, immer erst Anfang September.“ Günther Ferber ist selbst beeindruckt vom Verlauf des diesjährigen Weinjahres. „Wir sind der Zeit quasi drei Wochen voraus. Manche unserer Mitglieder haben deshalb schon ihren Urlaub verschoben.“ Denn die ersten Trauben in den Weinbergen rund um Kleinaspach bekommen dieser Tage schon Farbe. „Die haben jetzt etwa 40 bis 50 Öchsle, so weit sind sie sonst erst Ende Juli.“

Die Stöcke hängen voll, die Trauben sind schon größer als sonst zu dieser Zeit – und sie werden noch praller. Das klingt zuerst einmal gut und freut die Winzer auch. Allerdings bedeutet es auch mehr Arbeit. Denn den Weinpflanzen geht die Kraft aus, sie sind überfordert. Deshalb muss der Mensch eingreifen – „auch wenn das manchen älteren Winzern in der Seele wehtut“, so Ferber. Denn dieser Eingriff bedeutet nichts anders als das: Schere raus und ausdünnen. Die Trauben werden, grün und unreif, wie die meisten derzeit noch sind, abgeschnitten. Sie landen auf dem Boden und vertrocknen. „Das ist unbedingt nötig, um eine hohe Qualität zu erzielen“, erklärt Ferber. Zwar gebe es auch Möglichkeiten, schon vorab die Zahl der Trauben zu kontrollieren, aber erst jetzt habe man die Gewissheit, dass eigentlich nicht mehr viel passieren kann und die Ernte eine wirklich gute und reichliche wird. „Wir hatten eine schnelle und optimale Blütezeit, April, Mai und Juni waren schön warm, aber nicht zu heiß. Und dass es zwar immer mal ein paar Tage regnet, aber nie über einen längeren Zeitraum, ist ideal. Die Pflanzen bekommen viel Wasser, die Blätter trocknen aber nach den Schauern schnell wieder.“ Das sei auch der Grund, wieso man in diesem Jahr von Pilzkrankheiten wie Peronospora und Mehltau verschont geblieben sei, sagt der Vorsitzende der Weingärtnergenossenschaft.

Auch von einem der größten Feinde der Trauben sind die Winzer in diesem Jahr verschont geblieben: Die Kirschessigfliege ist bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Ferber ist guter Dinge, dass das auch so bleibt: „Die Obstbauern hatten in diesem Jahr keine Probleme, also werden wir vermutlich auch keine bekommen.“ Dafür sorgt auch das gute Wetter: „Damit die Trauben genug Sonne abbekommen, schneiden wir ab einem gewissen Zeitpunkt die Blätter zurück. Und die Kirschessigfliege sitzt einfach nicht gerne in der prallen Sonne.“ Wie bei den meisten Arbeiten im Weinbau ist allerdings auch hier Fingerspitzengefühl gefragt: Werden zu viele Blätter entfernt oder der Zeitpunkt stimmt nicht, bekommen die Trauben Sonnenbrand und verderben.

Die 75 Mitglieder der Genossenschaft bewirtschaften insgesamt rund 26 Hektar. „Wir setzen hier auf Qualität und nicht auf Massenproduktion. Und da die Menge an Trauben, die wir abführen dürfen, sowieso auf 140 Kilogramm pro Ar festgelegt ist, dünnen wir jetzt lieber aus und haben dann weniger Trauben, als der Weinstock produzieren könnte. Diese werden dann aber größer und qualitativ besser.“ Das Ausdünnen wird in Aspach, wie alle anderen Arbeiten im Weinberg auch, per Hand betrieben. Das bedeutet: „Jeden Abend geht es noch für drei oder vier Stunden raus. Und das auch am Wochenende.“ Ende Juni und Anfang Juli seien die Pflanzen regelrecht explodiert, die Winzer waren teilweise Tag und Nacht in den Weinbergen und haben die Rebstöcke beschnitten. Ferber lacht: „Manche unserer Mitglieder, die jetzt schon im Urlaub waren, kamen zurück und haben einen regelrechten Urwald vorgefunden, weil die Pflanzen in den vergangenen Tagen und Wochen so stark und schnell gewachsen sind.“ Das sei aber auch das Spannende am Weinbau, so Ferber, der wie alle Mitglieder der Genossenschaft kein Vollerwerbswinzer ist. „Es ist ein bisschen wie Pokern, man muss frühzeitig Entscheidungen treffen, weiß dann aber nicht, ob sie richtig waren, und muss dann gegebenenfalls einfach nacharbeiten.“

Entscheidend, ob die Ernte gut wird oder nicht, sind die letzten acht Wochen vor der Lese. Sonne und Wasser brauchen die Weinstöcke. Und beides haben sie in diesem Jahr bislang zur Genüge bekommen. Nur bei den jungen Stöcken, die erst zwei oder drei Jahre alt sind und noch keine tiefen Wurzeln haben, mussten die Aspacher Winzer teilweise nachwässern. „Wenn die Blätter gelb werden, ist es schon fast zu spät“, so Ferber. „Aber noch ist alles im grünen Bereich. Bewässern ist halt einfach aufwendig und kostet viel Zeit.“

Schon kommende Woche sollte das Ausdünnen der Trauben nach Möglichkeit beendet sein, denn dann beginnen die Früchte zu reifen. „Und wenn die Trauben erst einmal reif sind, sollte man sie besser nicht mehr abschneiden und auf dem Boden liegen lassen“, erklärt Ferber. „Sie werden dann zu Essig und ziehen Mücken an.“