Shakespeare trifft auf Funke und Frisch

Die 4. Backnanger Theaterschultage finden heute und morgen im Bandhaus Theater statt – Vorstellungen sind öffentlich

Wenn sich heute um 9.30 Uhr der Vorhang im Theater im Bandhaus öffnet, wird Andri ermordet und die Andorraner leugnen ihre Schuld. Die 4. Schultheatertage beginnen mit der Parabel „Andorra“ von Max Frisch. Vier Theater-AGs aus Backnang und Umgebung zeigen, was sie können – für sich, aber auch für alle externen Theaterliebhaber.

Paulina Renz (vorne links) und Noemi Mathe (vorne rechts) sind Schülerinnen am Gymnasium in der Taus und spielen mit ihrer Theater-AG das Stück „Andorra“ von Max Frisch. Foto: T. Sellmaier

Von Silke Latzel

BACKNANG. Von Anspannung kann bei den Schülern des Gymnasiums in der Taus einen Tag vor der Aufführung keine Rede sein. Kein Wunder, mit „Andorra“ beschäftigen sie sich bereits seit Oktober 2016 – im Unterricht, wie in der Theater-AG. Die Texte sitzen, gefeilt wird noch am Licht und den Einsätzen.

Die 17-jährige Paulina Renz und die 18-jährige Noemi Mathe spielen im Stück den Tischler und die Wirtin. Beide sind schon seit mehreren Jahren in der Theater-AG ihrer Schule dabei und freuen sich sehr auf die Schultheatertage. Sie sind sich einig: „Es ist für uns etwas ganz Besonderes, es macht total Spaß zu sehen, was die anderen Schulen aufführen, welche unterschiedlichen Stilmittel sie einsetzen. Und die Workshops sind auch jedes Mal total interessant, wir lernen sehr viel dabei.“

Heute und morgen werden die AGs des Backnanger Gymnasiums in der Taus, der Freien Walddorfschule Backnang, der Max-Eyth-Realschule Backnang und des Bildungszentrums Weissacher Tal ihre ganz eigenen Theaterproduktionen auf die Bühne bringen. Und zwischen den Aufführungen der Stücke von William Shakespeare, Cornelia Funke oder Max Frisch, besuchen sie Workshops, die sich alle um das Thema Theater drehen. Diese werden von Theaterpädogen aus ganz Deutschland geleitet und sind bei den Schülern äußerst beliebt. „Meine AG hat in diesem Jahr nur wenig Zeit für den Aufbau und ich habe meine Schüler gefragt, ob ich sie vom Workshop vor der Aufführung freistellen soll, aber alle haben abgelehnt“, sagt Juliane Putzmann lachend. Die Theaterpädagogin leitet gemeinsam mit Jasmin Meindl das Theater im Bandhaus und betreut gleichzeitig auch die Theater-AG des Bildungszentrums Weissacher Tal. Sie und Meindl brachten die Idee der Schultheatertage nach Backnang. „In jeder Großstadt gibt es das Konzept schon seit vielen Jahren, auf dem ,Land‘ ist es bisher noch nicht wirklich ankommen, das wollten wir ändern.“

Junge Theaterschauspieler aus vier Schulen, dazu die Lehrer, Theaterpädagogen und viele Helfer: Rund 75 Menschen sind heute und morgen im Bandhaus Theater aktiv. Spielen dürfen die AGs was sie möchten, Vorgaben gibt es keine. „Ich finde es schön, dass wir eine bunte Mischung haben, Klassiker aber auch moderne Stücke“, so Putzmann. Gerne hätte sie, dass in Zukunft auch einmal verschiedene Stücke zu einem gemeinsamen Thema aufgeführt werden, „aber das braucht einfach viel Vorlauf und bedarf Absprachen“.

Die Schüler spielen ihre Stücke meistens „nur“ vor den anderen AGs, manchmal kommen noch die Eltern oder Großeltern. „Dabei steht die Tür für alle Theaterfreunde offen“, sagt Putzmann. „Wir haben immer Platz.“ Die Stimmung sei trotzdem immer großartig, denn die Schüler jubeln sich gegenseitig zu, bestärken sich in ihrer Leistung und wissen diese auch zu schätzen, denn sie kennen das Gefühl auf der Bühne zu stehen.

Nach den Aufführungen gibt es immer eine Feedback-Runde, in der die Theaterpädagogen Tipps geben und die Stücke Revue passieren lassen. „Das ist auch wichtig und wird von den Schülern immer gut angenommen“, so die Leiterin des Theaters.

Für Noemi und Paulina ist die Theater-AG mehr als ein Schulprojekt. „Klar, es ist eine Abwechslung, aber es macht einfach auch Spaß. Und wir kommen mit neuen Leuten in Kontakt“. Paulina wird kommendes Jahr vermutlich noch einmal dabei sein, Noemi hat gerade ihr Abitur in der Tasche, für sie sind es die letzten Schultheatertage. „Man wird automatisch viel selbstbewusster, wenn man auf die Bühne steht, das zeigt sich dann auch im Leben abseits der Bühne“, sagt die 18-Jährige. „Und auch der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe ist toll, die Atmosphäre stimmt einfach.“