Die beste Straße hält nicht für immer

Straßenbauamtsleiter Stefan Hein: Wachsende Verkehrsbelastung und Umwelteinflüsse setzen jeder Fahrbahn zu

Wasser ist der Feind jedes Bauwerks – auch von Straßen. Dringt Nass in die Fahrbahn ein, kann es enormen Schaden anrichten. Denn im Winter, bei Frost, gefriert es, dehnt sich aus, entfaltet Sprengwirkung und schädigt Deck- und Tragschichten. „Wasser ist dünn und schnell“, warnt Stefan Hein, Straßenbauamtsleiter im Landratsamt.

Ausbau der K1900 in Käsbach: Straßenbauamtschef Stefan Hein zeigt, dass Trag- und Deckschichten nur zwölf Zentimeter stark sind. Nach der Sanierung werden es etwa 22 Zentimeter sein. Der Graben am Fahrbahnrand ist vorbereitet, um Entwässerungsrohre aufzunehmen. Foto: A. Fechter

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN/MURRHARDT. Sobald sich die ersten Schadensbilder zeigten, sollte man rangehen, die Fahrbahn abfräsen und eine neue Deckschicht auftragen, weiß der Amtsleiter. Aber: „In der Realität kommt man nicht hinterher.“ Unvermeidliche Folge: Die Schäden werden größer.

An der jüngst eingerichteten Kreisstraßenbaustelle zwischen Vorderwestermurr und Käsbach macht Stefan Hein deutlich, um was es geht und wie eine Straße eigentlich aufgebaut ist: Zuunterst befindet sich eine Schicht aus steinigem Material, sie soll dem Straßenkörper eine Grundfestigkeit verleihen und ihn gegen den natürlichen Boden abschotten. Darüber werden verschiedene bituminöse Schichten aufgetragen. Ganz oben befindet sich die einzige sichtbare Lage, die Deckschicht, die dem Verschleiß preisgegeben ist. Sie besteht aus erdölbasiertem Bitumen, das die vielen kleinen Steinchen in dieser obersten Lage zusammenhält. Bitumen ist jedoch anfällig für Umwelteinflüsse, erläutert Hein: Das Material wird mit der Zeit mürbe und bildet Risse, die meist netzförmige Gestalt annehmen. Die Fachleute sagen: Die Fahrbahn magert aus.

Von diesen Anfangsschäden bemerkt der eilige Autofahrer nichts. Ihm fällt allenfalls ein etwas lauteres Rollgeräusch auf, das davon herrührt, dass das Bitumen die zahllosen Steinchen nicht mehr umschließt. „Ein probates Mittel“, um solche leichten Schäden günstig und schnell zu beheben, sieht Karsten Klein, Leiter Planung und Bau, in einer „Oberflächenbehandlung“. Dabei wird eine etwa zwei Zentimeter starke Schicht aus Bitumen aufgebracht. Dieses Bindemittel wird dann mit einer Gesteinskörnung – Splitt – abgestreut, sodass die Oberfläche wieder griffiger wird. „Geteert“, wehrt sich Stefan Hein gleichzeitig gegen eine landläufig verbreitete Wortwahl, „wird heute gar nichts mehr.“ Teer sei hochgiftig und dürfe deshalb im Straßenbau nicht mehr eingesetzt werden.

Doch nicht nur das Ausmagern einer Fahrbahn zwingt die Straßenbauer zum Handeln. Probleme macht auch die Tatsache, dass die Kreisstraßen in aller Regel historisch gewachsen sind. Anfangs gab es da bloß einen Feldweg für Pferdefuhrwerke. Später wurden die staubigen Pisten dann ausgebaut und oftmals nach und nach auch verbreitert. Dadurch haben die Straßen heute in der Mitte meist einen ziemlich festen Grund, brechen an den Rändern aber ab – zumal durch die Belastung mit schweren Fahrzeugen, wie sie heutzutage unterwegs sind. Oder aber die Fahrbahn gibt in Teilbereichen nach und formt Spurrinnen aus. Auf steilen Strecken kommt hinzu, dass an manchen Stellen – vor Kurven, an Einmündungen, an Kreuzungen – stark gebremst wird. Dabei wirken, besonders durch den Lastverkehr, starke Kräfte auf die Fahrbahn. Die Oberfläche wird quasi angeschoben, es bilden sich Wellen und Hügel.

Nach den Erfahrungen der Straßenbauer hält eine Deckschicht 10 bis 15 Jahre – je nach Verkehrsbelastung. Das bedeutet, dass die Oberflächen auf den viel befahrenen Strecken im Remstal schneller wieder gerichtet werden müssen als die im ländlichen Raum. Da liegen dann aber oftmals noch andere Punkte im Argen. So müssen die Pisten vielerorts überhaupt erst auf eine Regelbreite von fünfeinhalb Metern gebracht werden, wie dies derzeit entlang der K1900 zwischen Vorderwestermurr und Käsbach der Fall ist. Auch die Fahrbahnränder müssen vielfach erst definiert werden. Innerorts geschieht dies durch Randsteine. „Das macht den Ort schicker“, verdeutlicht Hein den Effekt, der sich fürs Auge einstellt. In diesem Sinne sei der Landkreis nicht nur der Bauherr, sondern auch Partner der Anlieger: „Es ist ein Geben und Nehmen.“ Zudem ist häufig, so auch an der K1900, die Entwässerung zu erneuern oder überhaupt erst herzustellen: Rohre müssen gelegt und Einlaufschächte gebaut werden. Besonders wichtig ist dies dort, wo eine Straße ein Wasserschutzgebiet berührt.

Das Kreisstraßennetz hat eine Gesamtlänge von 383 Kilometern. Das Erhaltungsmanagement hat seit 2014 einen grundlegenden Wandel erfahren. Eine regelmäßige standardisierte Zustandserfassung und -bewertung aller Strecken hat das frühere Augenmaß ersetzt und liefert wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse. Diese fließen in die Prioritätenliste des Kreisstraßenmaßnahmenplans für 2018 bis 2021 ein, den der Kreistag beschlossen hat. Das Volumen beträgt über 30 Millionen Euro.