Zerrweck zieht es ins Mekka der Musketiere

Nachwuchsfechterin aus Backnang wechselt von Heidelberg nach Tauberbischofsheim und will sich in Ruhe weiterentwickeln

Lina Zerrweck plant den nächsten Entwicklungsschritt. Die 14-Jährige, die den Degen bei der TSG Backnang zum ersten Mal in die Hand nahm und beim Fechtverein Heidelberg zur deutschen B-Jugend-Meisterin heranreifte, zieht nach Tauberbischofsheim weiter. Das Mekka der Musketiere mag von seinem einstigen Glanz etwas eingebüßt haben, gilt aber nach wie vor als eine Topadresse.

Lina Zerrweck (links) erkennt die Lücke und stößt im richtigen Moment zu. Foto: T. Sellmaier

Von Steffen Grün

Mit einem Blatt Papier fing alles an. „Ich sah in der Grundschule einen Flyer für einen Anfängerkurs und bin mit zwei Klassenkameraden hingegangen“, erinnert sich Lina Zerrweck: „Mir hat es Spaß gemacht, deshalb bin ich dabeigeblieben.“ Eine gute Idee, denn schnell zeigte sich ihr Talent und es stellten sich die ersten Erfolge ein.

„Es ist spannend, weil jedes Gefecht anders läuft und man flexibel auf den Gegner reagieren muss“, beschreibt Zerrweck den Reiz: „Man muss die Lücke erkennen und im richtigen Moment zustoßen, ohne in den Konter zu laufen.“ Diese Qualitäten verfeinert die Maubacherin seit über zwei Jahren in Heidelberg. „Wir waren dort auf einem Turnier, die Trainerin sprach mich an.“ Weil es in Backnang an Rivalinnen mangelte und kein Training in den Sommerferien angeboten wurde, wechselte sie in die Unistadt und kreuzte seither auch samstags und in den Ferien die Klingen.

Wertvolle Tipps bekam Lina Zerrweck von Trainerin Ursel Wirth-Brunner, die eine spannende Sportlerbiografie hat. Die 77-Jährige war erfolgreiche Schwimmerin, feierte 27 deutsche Meisterschaften, stellte 99 deutsche Rekorde auf und holte 1960 in Rom zwei olympische Bronzemedaillen. Wegen ihres Sohnes kam sie zum Fechten und gründete 2009 den Verein, für den bislang auch Zerrweck aktiv war. Jetzt hört Wirth-Brunner auf, zudem gibt’s nun eine Kooperation mit einem Mannheimer Klub, was die Fahrzeit für Familie Zerrweck wegen der stauträchtigen A6 erhöht hätte.

Entspannter geht es auf der A81 nach Tauberbischofsheim zu, dort fängt die Degenfechterin nach den Ferien an. „Sie haben mich gerne genommen, es gab auch andere Interessenten wie Heidenheim“, berichtet die künftige Neuntklässlerin am Max-Born-Gymnasium. Dass einige Klubs um das Talent buhlten, lag sicher auch am bislang größten Erfolg: Im Mai 2018 wurde Lina Zerrweck im Feld mit insgesamt 49 Mädels deutsche B-Jugend-Meisterin.

Für den Fechtclub Tauberbischofsheim, dessen Stars wie Anja Fichtel, Alexander Pusch oder Thomas Bach unter Trainer Emil Beck unzählige Olympia- und WM-Medaillen eroberten, sprach der nach wie vor gute Ruf, obwohl aus einem Olympia- ein Bundesstützpunkt geworden ist. Wichtiger ist aber, dass Zerrweck dort auf den Junioren-Bundestrainer trifft, zu dem sie einen guten Draht hat. Wohl zweimal pro Woche wird sie sich auf den Weg machen, dazu kommen Lehrgänge. Dass sie eine Einheit pro Woche in Backnang absolviert und es dieses Jahr auch ein Ferientraining mit Michael Flegler gab, zeigt ihr gutes Verhältnis zu ihrem Heimatverein.

„Ich will zur deutschen A-Jugend-Meisterschaft und dort gut abschneiden“, nennt die Schülerin ihr Ziel für 2019. Schon dieses Jahr hätte sie dabei sein dürfen, musste aber verletzt passen. Der Triumph bei den B-Juniorinnen, den sie nach ihrem verletzungsbedingten Aus 2017 anvisiert hatte, entschädigte dafür. Von Träumereien hält Zerrweck wenig. „Ich will Schritt für Schritt vorgehen.“ Ab der A-Jugend gibt es eine EM, ein Qualifikationsturnier steigt im September in Genf. Bei Olympischen Spielen „würde ich gerne mal mitmachen, aber ob ich es schaffe, ist eine andere Frage“. Imke Duplitzer hat es geschafft, fünfmal sogar. Zerrweck findet die 43-Jährige „wirklich gut, gegen sie habe ich in Mannheim schon gefochten und 3:5 verloren“. Gegen eine von Duplitzer trainierte Fechterin gewann sie, nun will sie die nächste Entwicklungsstufe erklimmen. Aber klar ist: „Ein Fechtinternat ist kein Thema, mir gefällt es am Max-Born-Gymnasium.“