In den Bussen steht die Luft

Hohe Sommertemperaturen sorgen für Unmut bei Fahrgästen, die oft die Innenstadtlinien des OVR benutzen

Temperaturen, die knapp an der 40-Grad-Grenze kratzen, schwüle Hitze, kein Luftzug: Der Sommer in diesem Jahr war heiß. Vor allem Busfahrgäste in den Stadtlinien hatten mit den Konsequenzen zu kämpfen, denn dort setzte sich die Hitze erst so richtig fest.

Vor allem die Fahrer, die sich lange Zeit in den Bussen aufhalten, hatten mit der prallen Hitze am Steuer zu kämpfen. Foto: Fotolia

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Viel zu warm, kein Luftzug, keine Klimaanlage: Fahrgäste von OVR-Bussen beklagten sich während der heißen Temperaturen über zu stickige und nicht klimatisierte Omnibusse. „Der Schweiß läuft einfach“, sagt eine Frau, die immer mit denselben Linien (360 und 361) fährt. Das sei einerseits eine Zumutung für jeden Fahrgast, der jedes Jahr mit steigenden Abo-Preisen des VVS konfrontiert wird. Jedoch denkt sie dann noch mehr an die Fahrer, die diese Hitze mehrere Stunden aushalten müssten. „Da geht es auch um die Sicherheit. Bei 37 Grad Außentemperatur herrschen im Bus deutlich höhere Temperaturen. Da kann ein Fahrer auch mal einen Schwächeanfall bekommen.“

Die Frau habe sich bereits beim OVR beschwert, habe bislang aber keine befriedigende Antwort bekommen, wie sie sagt. „Es hieß nur, dass die Klimaanlagen störanfällig seien.“

Ständiges Öffnen der Türen

sorgt für erhitzte Gemüter

Doch Horst Windeisen, Geschäftsführer des Busunternehmens Omnibus-Verkehr Ruoff mit Sitz in Waiblingen, hat dafür eine ganz andere, einfache Erklärung: „Gerade bei den beiden Linien, die 360 und 361, handelt es sich um die Stadtlinien.“ Die Abstände zwischen den Haltestellen sind hier einfach sehr gering. „Und jetzt stellen sie sich vor, sie haben da einen Solobus, der alle etwa 400 Meter vorne und hinten jeweils zwei Türen öffnet, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen.“ Da könnte der Fahrgast das Gefühl bekommen, dass die Klimaanlage nicht eingeschaltet oder gar defekt ist. Über zwei Meter hoch, gut 1,60 Meter breit sind die Türen, die alle zwei Minuten geöffnet werden müssen. Da strömt bei so drückender Hitze, wie sie diesen Sommer herrschte, die Wärme sofort herein. „Bis das dann wieder durch die Klimaanlage reguliert wird, gehen die Türen schon bald wieder auf.“

Der Geschäftsführer versichert, ganz im Gegensatz zu den Vorwürfen, die die Frau dem Busunternehmen macht: „Selbstverständlich werden unsere Klimaanlagen gewartet.“ Sie würden in regelmäßigen Abständen überprüft, einmal im Jahr finde eine Grundwartung statt, auch Kühlmittel werde in regelmäßigen Abständen aufgefüllt. Zweimal im Jahr erneuert das Unternehmen auch die Filter: „Sonst könnten die zur Bakterienschleuder werden.“

Zusätzlich kommt jedes der Fahrzeuge alle drei Monate in die zentrale Werkstatt nach Waiblingen, wo immer Klimaanlage und Standheizung überprüft würden. „Und sollte während der drei Monate irgendwas am Fahrzeug sein, dann holt es der Werkstattmeister lieber rein, als dass man den Bus so weiterfahren lässt.“ Da seien ja auch die Fahrer dahinter, so Windeisen weiter, dass das Fahrzeug klimatisiert ist. Denn die verbringen ja einen Großteil der Zeit hinter den Glasfronten, auf die oftmals die Sonne knallt.

Trotzdem können die Fahrer die Klimaanlage nicht eigenhändig bedienen: Sie können sie weder an- noch ausschalten, noch die Temperatur nach eigenem Gusto regulieren. „Wir haben eine Grundeinstellung von 23,5 Grad“, erklärt Windeisen. Die Klimaanlage funktioniert vollautomatisch. Das bedeutet, ist es wärmer oder kälter, schaltet sich die Anlage ein und heizt oder kühlt die Temperatur auf 23,5 Grad. Dafür sorgt ein eingebauter Temperaturfühler.

Auch die Fenster sind seit einigen Jahren nicht mehr zu öffnen, sondern bleiben stets geschlossen. „Das wäre ja auch kontraproduktiv, da kommt zusätzlich Wärme rein.“ Es gibt deshalb nur eine Temperatur von 23,5 Grad und keine Fenster, die sich öffnen lassen, damit in jedem Bus ein gleichmäßiges Klima herrscht, und nicht der eine kälter und der andere wärmer ist. Das könnte auch zu Diskussionen unter den Fahrgästen oder den Gästen und Busfahrern führen. So ist die Raumtemperatur von vorneherein geregelt. Oft sei es auch in den S-Bahnen so kühl, dass der Temperaturunterschied zum Bus noch mehr auffiele.

Bei kühleren Temperaturen entspannt sich die Lage

Bislang sei das Thema Klimaanlagen im Betrieb des OVR noch nicht brisant gewesen. Dass es zu solchen Schwierigkeiten kommen kann, wie sie die Frau bei ihrer Beschwerde schilderte, schließt Windeisen jedoch nicht aus. Doch die Temperaturen gingen in den vergangenen Tagen deutlich nach unten. Das hat hoffentlich zu einer Verbesserung der Lage in den Bussen und auch zwischen Busunternehmen und Fahrgästen geführt.