Sie winkt einem Musiker auf dem Musikfest zu

Ehepaar Karin und Heinz Sanwald aus Backnang feiert goldene Hochzeit – Feier nach den Ferien mit Kindern und Enkeln

Sind seit 50 Jahren verheiratet: Heinz und Karin Sanwald aus Backnang. Foto: A. Becher

Von Hans-Christoph Werner

BACKNANG. Sie war gerade zarte 15 Jahre alt. Zusammen mit ihrer Mutter besuchte Karin Neumann das Siedlerfest in Sachsenweiler. Mit beschwingten Melodien unterhielt der Musikverein Oberbrüden die Festgäste. Da fiel Karin Neumann einer der Musiker auf. Es gelang ihr, ohne dass das die Mutter merkte, den Baritonhornisten auf sich aufmerksam zu machen. Der, Heinz Sanwald mit Namen, erwies sich als Kavalier und begleitete die junge Frau samt Mutter nach Hause. So haben sie sich kennengelernt, Karin und Heinz Sanwald.

Drei Jahre später wurde geheiratet. Allerdings fiel der Ehestart in eine unruhige Zeit. Am 1. Juli des Hochzeitsjahres trat Heinz Sanwald seinen Wehrdienst an. Zwei Tage nach der Trauung in der St.-Johannes-Kirche wurde eine Truppenübung wegen des damals schwelenden Ost-West-Konflikts um den „Prager Frühling“ in der Tschechoslowakei anberaumt. Für die jungen Rekruten wurde Ausgangssperre verhängt. Somit fiel die Hochzeitsreise der Sanwalds aus.

Das tat der Ehe aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, ohne einen Ton der Enttäuschung erzählen das die Eheleute heute. Im Januar 1970 war dann der Wehrdienst abgeleistet und das Ehepaar wieder auf Dauer zusammen. Heinz Sanwald arbeitete mit Eifer an seinem beruflichen Fortkommen. Neben der Arbeit besuchte er den Meisterkurs und konnte 1973 mit Bravour die Prüfung ablegen. Im Jahr 1976 kam dem Ehepaar die Idee, das, was Heinz Sanwald bei seinem Arbeitgeber in Winnenden machte, selbst ins Werk zu setzen. Sprich: sich im Metallbau- und Schlosserhandwerk selbstständig zu machen. Ein geeignetes Gebäude ward über Beziehungen in der Friedrichstraße gefunden, das Startkapitel nach mehreren Anläufen aufgetrieben. Schon zwei Jahre später wurde das Grundstück in der Gaildorfer Straße erworben, auf dem zwei Jahre später sowohl Wohnhaus wie auch Werkstatt neu errichtet wurden.

Auch die Familie war mittlerweile gewachsen. Die Söhne Dirk, Mark und Kai wurden den Sanwalds geschenkt. Karin Sanwald hatte reichlich zu tun. Tagsüber die Familie versorgen, in den Feierabendstunden die Arbeit im Büro der Firma erledigen. „Sie hat mir den Rücken frei gehalten“, sagt Heinz Sanwald über seine Frau. Aber auch Heinz Sanwald hatte gut zu tun. „Wir haben es für unsere Kunden immer so gemacht, wie wir es für uns selbst gemacht hätten“, sagt er. Und das überzeugte. 1992 wurde der Betrieb nochmals erweitert. Heinz Sanwald stieg zum Obermeister der Metall-Innung Backnang und zum stellvertretenden Kreishandwerksmeister auf. Das alles erzählt der gelernte Bau- und Kunstschlosser mit großer Dankbarkeit und Leichtigkeit. Sein Beruf hat ihm Spaß gemacht. Und tut es noch heute.

2015 wurde der Betrieb an den ältesten Sohn übergeben. Der Vater steht noch immer mit Rat und Tat gern zur Seite. Sicherlich stand der Beruf beziehungsweise der eigene Betrieb immer an erster Stelle. Aber dann kam die Familie. Gemeinsam verstanden es die Sanwalds gut, trotz ihres fordernden Berufsalltags immer wieder Kraft zu schöpfen. Da war das Gartengrundstück in Rietenau. Da waren aber auch viele sportliche Aktivitäten. Vom Skilanglauf über Surfen bis zum Radfahren.

Für ihren Zusammenhalt ist den Sanwalds Vertrauen, Liebe und Respekt wichtig. Und das Zusammenhalten in schweren Tagen. Man müsse auch, so sagt das Ehepaar, in den familiären Zusammenhalt investieren. So haben die Sanwalds die Interessen ihrer Kinder begleitet und gefördert. Und praktizieren das heute auch mit den Enkeln Tim, Alina, Niklas und Luca. Eine tiefe Lebenszufriedenheit spricht aus dem, was Karin Sanwald sagt: Stünde sie noch einmal vor den Entscheidungen ihres Lebens, sie würde alles wieder genauso machen. Und so wundert es nicht, wenn die Sanwalds ihren Hochzeitstag nach den Ferien zusammen mit der Familie feiern.