Mit Elan und einem Lied auf den Lippen

Die Rudersbergerin Sabrina Hausmann ist Busfahrerin des Jahres – Im Nahverkehr wird händeringend nach Nachwuchs gesucht

Busfahrer ist ein Mangelberuf geworden, sagt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Und anspruchsvoll sei er obendrein. Da aber der ÖPNV in der Region Stuttgart seit vielen Jahren wachse, werden auch in Zukunft mehr Mitarbeiter gebraucht. Dass der Job Spaß macht, zeigt das Beispiel von Sabrina Hausmann. Sie wurde zur Busfahrerin des Jahres im Rems-Murr-Kreis gewählt.

Den Fahrgästen mit Witz und Charme zu begegnen ist Sabrina Hausmanns Credo. Foto: Landratsamt Rems-Murr

Von Lorena Greppo

WAIBLINGEN. Sabrina Hausmann kann einen ungewöhnlichen Werdegang aufzeigen. Nach 15 Jahren in der Pharmaindustrie hat sich die gelernte Arzthelferin gesagt: „Das kann doch nicht alles gewesen sein.“ Sie habe immer einen Beruf gewollt, in dem sie viel Umgang mit anderen Menschen hat, erzählt die 38-Jährige. Kurzerhand hat sie also umgesattelt und ist Busfahrerin geworden. Vorerfahrung habe sie nicht mitgebracht, nur Elan und Motivation. Nachdem sie den Busführerschein gemacht hatte, begann Hausmann im November 2016 als Busfahrerin zu arbeiten. Seit Juni des vergangenen Jahres ist sie für das Unternehmen Dannemann im Rems-Murr-Kreis unterwegs – im und rund um den Welzheimer Wald. Von den Fahrgästen kam viel Lob, etwa darüber, dass sie „vorbildlich Auskunft über das komplexe Tarifsystem im Grenzgebiet“ gibt, wie ein Alfdorfer mitteilte. Zudem wurde Hausmanns Freundlichkeit gelobt. Ihre Taktik im Alltagsstress sei ganz einfach: „Den Fahrgästen mit Witz und Charme begegnen, das hilft bei jeder Altersklasse.“ Mit Kindern stimme sie auch mal ein Lied an oder mache ein Späßle. Aber auch Ortskenntnis ist für die Rudersbergerin wichtig.

Einige Verbesserungen im ÖPNV für das kommende Jahr geplant

Ob auf der Linie 263 von Schorndorf nach Althütte oder auf der Linie 266 von Schwäbisch Gmünd nach Welzheim – „sie hat sich unheimlich schnell eingearbeitet und macht das perfekt“, befindet Sabrina Hausmanns Chef Markus Dannemann. Und dass zum zweiten Mal innerhalb von 15 Jahren eine Frau zum „Busfahrer des Jahres“ gewählt wurde, loben sowohl Landrat Richard Sigel als auch VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Da müsse man wohl den Wettbewerb umbenennen, sagt Stammler lachend, macht aber auch klar: „Wir haben immer noch zu wenige Frauen in diesem Beruf.“ Busfahrer sei zu einem Mangelberuf geworden. „Wir suchen händeringend Nachwuchs.“ Stammler ist klar, dass der Beruf einige Herausforderungen mit sich bringt: Eine Fahrt durch das Stadtgewimmel mit Fahrgästen, die sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben, am Abend möglicherweise auch angeheitert sind – alles in allem gar nicht so einfach. Für Sabrina Hausmann ist es dennoch ihr Traumberuf. „Ich stehe jeden Tag glücklich auf“, sagt sie.

Zufrieden zeigt sich auch Landrat Richard Sigel: „Die vielen guten Busfahrer sorgen dafür, dass bei uns nur wenige Beschwerden ankommen“, erklärt er. Der ÖPNV sei im Landkreis eines der Schlüsselthemen. „Wir leiden unter Verkehrsstau“, macht der Landrat klar. Demnach sei es nur gut und richtig, dass sich der Landkreis den öffentlichen Nahverkehr auch ordentlich etwas kosten lässt. Im laufenden Jahr würden etwa 25 Millionen Euro investiert. Sigel sieht die Kreisverwaltung in der Verantwortung, gegen den Klimawandel vorzugehen. „Wir müssen dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen das Angebot auch nutzen“, sagt er. Denn der Verkehr sei nach wie vor einer der größten CO2-Emittenten. Bus und Bahn fahren sei also auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Dass aber nicht alle Strecken im Rems-Murr-Kreis mit dem ÖPNV zu bewältigen sind, ist auch dem Landrat klar: „Wir sind ein Flächenlandkreis. Trotz der stetigen Verbesserung im ÖPNV wird man manche Strecken noch mit dem Auto zurücklegen müssen.“ Beispielsweise werde es aber im kommenden Jahr einige Verbesserungen bezüglich der Fahrpläne geben. So soll beispielsweise die Taktung von S- und U-Bahnen enger werden, außerdem gibt es eine Frühanbindung zum Flughafen mit Ankunft um 4.57 Uhr.

Für Verärgerung beim Landrat sorge derzeit die Remsbahn. Für den Juni 2019 steht hier ein Betreiberwechsel an, von dem sich Sigel viel erhofft. Bis dahin müsse man eine Durststrecke aushalten. „Wir hatten die Hoffnung, dass die Bahn sich bis zum Schluss bemüht, einen guten Job zu machen.“ Es habe aber viele Beschwerden gegeben. „Es macht nicht zufrieden, wenn Pendler in der Ferienzeit sagen: Wir haben die Schnauze voll und steigen aufs Auto um“, sagt Sigel. Ab Mitte des kommenden Jahres sind dann die Züge des Eisenbahnunternehmens GoAhead auf dieser Strecke unterwegs.

Gutes hatte der Landrat aber in puncto Radverkehr zu verkünden: Dieser werde weiter verstärkt. Es sei der Wunsch der Kreisverwaltung, dass die Fahrradmitnahme auch im Linienverkehr gut möglich sei. Er gibt zu: „Manchmal fahren die Fahrradträger noch leer durch die Landschaft.“ Gleichzeitig sei er aber sicher, dass die Nachfrage noch steigen werde. „Vielleicht sind wir der Entwicklung da schon etwas voraus“, das sei aber nichts Schlechtes. Verkehrsdezernent Peter Zaar berichtet: „Mit Fahrrad2Go haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Ende des Jahres werde man das Pilotprojekt auswerten. Die Nutzung der Freizeitbusse hänge immer stark vom Wetter ab, doch auch diese seien gut ausgelastet. Etwas Nachbesserungsbedarf sieht Landrat Sigel noch bei den Expressbussen. Hier werde der Fahrplantakt auf dem Streckenabschnitt Waiblingen–Stetten verdoppelt. Schon jetzt werde auch dieses Angebot gut angenommen.