Aspach macht es spannender als nötig

Viel Pech, aber auch Unvermögen: Der Fußball-Drittligist gewinnt beim Oberligisten Neckarsulm erst nach Verlängerung mit 5:2

Im WFV-Pokal lieben Großaspachs Drittliga-Fußballer das Drama, das zeigte sich im Drittrundenduell am gestrigen Abend in Neckarsulm auf ein Neues. Der Favorit benötigte 120 Minuten, um sich beim Oberligisten am Ende doch noch deutlich mit 5:2 durchzusetzen. In der regulären Spielzeit hatte die SG Sonnenhof zuerst 1:0 geführt, lag später 1:2 hinten, rettete sich mit einem Elfmeter in die Verlängerung und traf dann dreimal.

Ein hartes Stück Arbeit, aber Dominik Pelivan (rechts) kam mit Aspach weiter.Foto: M. Berger

Von Steffen Grün

Schon mit seiner Startelf signalisierte Sascha Hildmann, wie ernst der Verein aus dem Fautenhau die Partie beim Oberligisten nahm. Der Trainer warf die Rotationsmaschine nach dem 0:0 gegen Uerdingen am vergangenen Freitag nur auf niedrigster Stufe an. Wie üblich stand im Pokal nicht Kevin Broll im Kasten, sondern Maximilian Reule, ansonsten kamen Joel Gerezgiher, Jonas Meiser und Timo Röttger für Marco Hingerl, Shqiprim Binakaj und Stéphane Mvibudulu. Das war’s schon.

Anfangs schien es auch so, als würde es eine klare Sache für den Drittligisten. Die SG hatte schon nach 180 Sekunden ihre erste dicke Torchance. Den Röttger-Kopfball nach der Ecke von Gerezgiher köpfte der auf der Linie stehende Neckarsulmer Steven Neupert an die Latte, auch in einem zweiten Versuch brachten die Gäste die Kugel nicht im Tor unter. In der neunten Minute war es schon wieder das Aluminium, das Aspachs Führung verhinderte. Meisers 20-Meter-Schuss klatschte an die Latte. Torwart Marcel Susser, neben dem spät eingewechselten Sebastian Kappes der zweite Ex-Aspacher bei den Einheimischen, wäre machtlos gewesen.

Das 1:0 für den Sonnenhof in der 16. Minute war überfällig. Makana Baku legte für Röttger auf, der mit einem trockenen Schuss ins lange Eck abschloss. Nicht einmal 60 Sekunden später bettelte der Oberligist, der zuletzt gegen Bahlingen mit 0:5 untergegangen war, um die nächste Bude. Susser vertändelte gegen Röttger den Ball, doch der Winkel war etwas spitz und der Routinier verfehlte das verwaiste Tor. Neckarsulms Volkan Demir hatte in der 21. Minute zwar zu viel Platz, drosch die Kugel aber deutlich am Kasten der Aspacher vorbei, die kurz darauf selbst wieder gefährlich wurden. Sebastian Bösel spielte in den Lauf von Baku, der an Susser scheiterte. Danach verflachte die Partie ein wenig, ohne dass Aspach die Kontrolle verlor. Das 1:0 zur Pause spiegelte die Überlegenheit nur unzureichend wider. Sascha Hildmann fand die erste Halbzeit sogar „überragend“ und begründete dies mit dem Positionsspiel, der Passquote und den „glasklaren Torchancen. Da müssen wir dieses Spiel eigentlich für uns entscheiden“.

Das taten die Aspacher aber nicht, und dabei blieb es auch in der zweiten Hälfte. In der 49. Minute war es Röttger, der das 2:0 auf dem Fuß hatte, aus elf Metern aber knapp links vorbei zielte. Stattdessen kamen die Hausherren aus heiterem Himmel zum 1:1 (57.). Ein Freistoß von Ouadie Barini segelte aus über 25 Metern in den rechten Torwinkel, hierbei machte Reule alles andere als eine glückliche Figur. Nach einer Stunde war klar, dass die Aspacher an diesem Abend das Pech gepachtet hatten. Baku probierte es aus 16 Metern, erneut stand die Latte einem Treffer im Weg. Und so nahm der Pokalkrimi seinen Lauf, nach 68 Minuten führte plötzlich der Oberligist mit 2:1. Die Linksflanke von Maximilian Gebert erreichte Barini, der den Ball am langen Pfosten volley ins Netz beförderte. „Da habe ich schon ans Schlimmste gedacht“, räumte Hildmann später ein und meinte damit ein abermaliges frühes Aus, „aber ich habe mir auch gesagt: Wenn es einen Fußballgott gibt, müssen wir gewinnen, weil es mehr als verdient ist“.

Doch erst einmal gab’s weitere Schrecksekunden zu überstehen. In der 70. Minute brannte es bei einer Doppelchance lichterloh in Aspachs Strafraum, dann war nach drei Lattenknallern auch noch ein Pfostenschuss von Baku (80.) zu notieren. Die Zeit lief dem Favoriten davon, doch in der 83. Minute passierte es. Binakaj bediente Philipp Hercher, der von Mario Romano im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Der Referee gab Rot für eine Notbremse und den Elfmeter, den der zuletzt verletzt ausgefallene Yannick Thermann ohne Probleme verwandelte. Das Spiel noch in der regulären Spielzeit zu entscheiden, schafften die Gäste nicht, dafür schlugen sie in der Verlängerung nach einer gewissen Anlaufzeit in Überzahl gleich dreimal zu. Einmal kurz vor der Pause mit dem Kopfball von Hercher zum 3:2, einmal unmittelbar danach mit dem Lupfer von Mvibudulu zum 4:2 – und den Schlusspunkt setzte Baku in der 112. Minute vom Rand des Strafraums. „Die Jungs haben sich mit dem Sieg belohnt, aber es war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Hildmann. In einer Woche werden die Achtelfinalspiele ausgelost.

Neckarsulmer Sport-Union: Susser – Gotovac, Romano, Schmelzle, Klotz (80. Kappes) – Islamaj, Schneckenberger, Neupert, Gebert (77. Ayvaz) – Barini, Demir (89. Müller).

SG Sonnenhof Großaspach: Reule – Pelivan, Leist, Burger – Choroba (67. Binakaj), Bösel, Gerezgiher (79. Thermann), Hercher – Meiser (79. Owusu), Röttger (90. Mvibudulu), Baku.

Tore: 0:1 (16.) Röttger, 1:1 (57.) Barini, 2:1 (68.) Barini, 2:2 (84./FE) Thermann, 2:3 (105.) Hercher, 2:4 (106.) Mvibudulu, 2:5 (112.) Baku. – Rote Karte: Romano (83./Notbremse). – Schiedsrichter: Endriß (Bad Ditzenbach). – Zuschauer: 730.