Dorfplatz als Freiluftatelier

Zufriedene Teilnehmer bei den zweiten Holzkunsttagen Rietenau

Im Ortskern von Rietenau ist in dieser Woche Hämmern und das Geräusch von Motorsägen zu hören. Von Montag bis zum heutigen Freitag finden zum zweiten Mal die Holzkunsttage statt. Unter Leitung von Miklós Vajna vom Heimat- und Kulturverein Rietenau erschaffen die Teilnehmer Skulpturen aus mächtigen Baumstämmen.

Simon Umlauf arbeitet an einem liegenden Löwen. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

 

ASPACH. Der Dorfplatz am Brunnen ist derzeit ein Freiluft-Atelier. Miklós Vajna geht von einem Teilnehmer zum anderen und gibt Hilfestellung, wie sie ihre Idee umsetzen können, aus einem Stück Baumstamm eine Skulptur zu schaffen. Im letzten Jahr hat das Mitglied des Heimat- und Kulturvereins Rietenau die Holzkunsttage ins Leben gerufen. Der Pianist und Lehrer an der Jugendmusikschule Backnang hat neben Musik auch Kunst studiert.

An den ersten beiden Tagen trafen sich die Teilnehmer auf dem Pfarrgütle am Waldrand. Hier wurde zunächst mit viel Kraft grob gearbeitet. Mehrere Kettensägen liefen ständig parallel. Der Obst- und Gartenbauverein Rietenau hat das Grundstück und eine zusätzliche Motorsäge zur Verfügung gestellt und für Verpflegung gesorgt. Dann wurden die schweren Holzstücke zum Dorfplatz transportiert.

Aus einem Baumstamm

entsteht ein liegender Löwe

 

Ganz unterschiedlich sind die Vorkenntnisse der Teilnehmer. Simon Umlauf aus Rietenau hat schon immer gerne Kleinigkeiten geschnitzt, aber noch nie eine große Skulptur geschaffen. Als Landschaftsgärtner hat er täglich mit Holz zu tun, und er dachte sich: „Jetzt versuche ich es auch mal künstlerisch.“ Ein Vorteil ist, dass er gut mit der Kettensäge umgehen kann. Bei der künstlerischen Umsetzung ist natürlich ganz besonders viel Feinarbeit erforderlich – auch mit Klüpfel und Beitel. Aus seinem Baumstamm soll ein liegender Löwe entstehen. Eigentlich hätte es ein Bär werden sollen, schmunzelt er. Aber schnell ist ein Stück zu viel weggesägt, da habe er sich eben anders entschieden.

Der Bildhauer Jo Nagel aus Althütte braucht keine Hilfestellung in der künstlerischen Umsetzung. Aber er arbeitet sonst vorwiegend mit Stein. Der Umgang mit Holz ist für ihn eine neue Erfahrung. Aus seinem Stück entsteht ein „Kirschdrache“. Das Holz aus der Baumkrone eines Kirschbaums hatte eine leichte Verletzung in der Rinde, das Jo Nagel an ein geschlossenes Auge erinnerte. Der freischaffende Künstler genießt es, sich eine Woche lang für ein Werkstück Zeit zu nehmen, denn normalerweise wird seine künstlerische Arbeit immer wieder von anderen Aufgaben unterbrochen. „Das ist wie Urlaub, wo man sich einfach so verlieren kann.“ Auch seine Lebenspartnerin Dani Lüdecke nimmt an den Holzkunsttagen teil. Sie hat vor vielen Jahren bei einem Kurs in der Toskana ihre Leidenschaft für die Bildhauerei entdeckt und jahrelang die Bildhauerklasse der Kunstschule Waiblingen besucht. Bei ihrer abstrakten Skulptur arbeitet sie mit dem Gegensatz von ursprünglichem Holz mit Rinde und bearbeiteten Teilen.

Einige Kunstfreunde waren schon

im letzten Jahr dabei

 

Manche Teilnehmer haben ihre eigene Kettensäge mitgebracht. So wie Traute Dilger, die schon im letzten Jahr dabei war. Inzwischen hat sie einen Motorsägekurs gemacht. Sie liebt die „tolle Atmosphäre“ bei den Holzkunsttagen, und dass man nicht alleine zu Hause arbeitet. Es entstehen reduzierte Frauenfiguren „zwischen Maori und Osterinsel“. Auch Andrea Blum ist bereits zum zweiten Mal dabei und hat sich inzwischen eine eigene Motorsäge angeschafft. Sie hat Kunst an der Freien Kunstschule Stuttgart studiert. Zwei Hände bilden ihre Skulptur, die später eine Glaskugel halten sollen. Die Kugel symbolisiert die Inspiration, die von den Händen umgesetzt wird.

An einem „Torso von hinten“ aus Birkenholz arbeitet Helmut Kölmel. Den oberen Teil will er abstrakt halten und weiter unten ins Figürliche übergehen. Die Tochter des Kursleiters, Anna Vajna, lässt aus Birnbaum eine abstrakte Skulptur entstehen, die an eine Blüte erinnert. Es ist das erste Mal, dass sie mit einer Motorsäge umgeht.

Birgit Eitle aus Allmersbach im Tal-Heutensbach hat schon lange vorgehabt, mit Holz und einer Kettensäge etwas Künstlerisches zu schaffen. In ihren Stamm sägt sie Wellenlinien und Vertiefungen. Später soll auf die Säule eine Feuerschale gestellt werden und das Werk in ihrem Garten seinen Platz finden. Sie hat im April einen Kettensägekurs bei einem Förster gemacht. Solche Vorkenntnisse sind hilfreich, aber für die Teilnahme an den Holzkunsttagen nicht notwendig. Miklós Vajna weist in den Gebrauch der Geräte und Werkzeuge ein.

Die Arbeiten können unter anderem am Sonntag, 16. September, am Tag des Schwäbischen Waldes bei der traditionellen Hocketse am Rathaus Rietenau besichtigt werden. Auch im nächsten Jahr finden die Holzkunsttage wieder in der letzten Woche im August statt.