Augen auf im Tattoostudio

Serie: Gestochen scharf Wer eine Tätowierung will, sollte auf einiges achtgeben

Augen auf bei der Auswahl des richtigen Tattoostudios, denn unter seriöse Shops mischen sich auch schwarze Schafe. Damit die lang ersehnte Tätowierung nicht zum Haut-Horror für den Rest des Lebens wird, sollte man sich im Vorfeld gut informieren, sich umhören, umschauen und auf ein paar Dinge im Studio achten.

Mit einer Tätowiermaschine wird die Farbe mittels Nadeln unter die Haut gebracht. Entsprechende Hygiene ist hier oberstes Gebot. Foto: S. Schwellinger

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Sofas, Essensreste, Zigarettenqualm: Klingt nicht gerade danach, als sollte man sich dort tätowieren lassen. Auch wenn das heimische Wohnzimmer noch so sauber geputzt ist, ist es kein geeigneter Ort, sich ein Tattoo stechen zu lassen.

Tattoostudios schießen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden. Der Andrang scheint groß, auf manchen Wartelisten verweilt man bis zu einem Jahr oder gar länger. Im Rems-Murr-Kreis gibt es laut IHK-Bezirk Stuttgart derzeit etwas mehr als 40 Tätowierer, die einen Gewerbeschein haben.

Die Voraussetzungen dafür, ein Studio aufzumachen? Sehr gering. Keine Ausbildung, keine Prüfung, einen Gewerbeschein kann sich jeder besorgen, eine Maschine gibt es bereits ab 100 Euro im Internet zu bestellen. Lediglich das Gesundheitsamt überprüft hin und wieder die Sauberkeit der Läden. Wie hoch die Zahl derer ist, die illegal, unversichert, ungeprüft und steuerfrei in Hinterzimmern stechen, bleibt im Dunkeln.

Eine Tätowierung ist fürs Leben gemacht, bleibt für immer unter der Haut. Gerade auch deshalb sollte man sich nicht nur über Motiv und Körperstelle Gedanken machen, sondern vor allem auch über das richtige Tattoostudio und den passenden Tätowierer.

Beim Gang ins Tattoostudio sollte auf einiges geachtet werden, um sich nicht in die Hände eines schwarzen Schafes zu begeben. Denn ohne Gewerbeschein ist eine Tätigkeit in Deutschland nicht möglich und kann strafrechtlich verfolgt werden. Interessant dabei ist: Das Stechen eines Tattoos ist eigentlich eine Körperverletzung, die mit Einwilligung des Kunden gerechtfertigt ist.

Hygiene: Sauberkeit ist bei einer Sache wie dem Tätowieren das A und O. Denn Keime und Bakterien können Entzündungen verursachen, bestimmte Stoffe Allergien auslösen. Deshalb sollte man besonders auf die Sauberkeit im Studio achten. Wie sauber ist es in den Räumlichkeiten? Wird in abgetrennten Räumen tätowiert und nicht direkt im Verkaufsraum? Den Raum, in dem tätowiert wird, sollte man sich genau anschauen, ob Oberflächen und Boden leicht abwaschbar sind.

Außerdem sollten Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel vorhanden sein. „Man sollte sich auf jeden Fall vorher schlaumachen, ob der Tätowierer auch weiß, was er tut und nicht nur Geld damit machen will“, erklärt Nadine Röhrle, die bei Dalügge in Murrhardt-Fornsbach tätowiert. „Alles sollte in Folie verpackt werden“, erklärt die 27-Jährige. Eine nicht in Plastik verpackte Maschine oder Kabel und Knöpfe wären für Nadine ein Grund, gleich wieder das Studio zu verlassen. Der Tätowierer sollte zum Arbeiten unbedingt Einweghandschuhe tragen. Vieles, was zudem benutzt wird, sollten Einwegprodukte sein. Im besten Falle holt der Tätowierer auch erst die sterilen Nadeln aus der Verpackung, wenn der Kunde es sehen kann. „Das Wichtigste ist, dass der Tätowierer sauber arbeitet“, betont Johanna Eisenmann vom Backnanger Tattoostudio Think. Das starte bei der Beratung, dem Zeichnen, der Hygiene bis zum Stechen. Absolutes No-Go sind Essen, Zigaretten oder Tiere im Studio.

Kompetenzen: „Man sollte seine Fragen beantwortet kriegen.“ Für Tätowiererin Nadine Röhrle spielt es eine große Rolle, dass dann keine knappen, sondern ausführliche und kompetente Antworten kommen. Ein guter Tätowierer nimmt sich Zeit. Das gilt laut Röhrle auch für die Terminvergabe: „Ein guter Tätowierer drängt nicht auf eine Terminvereinbarung.“ Und schon gar nicht, wenn der Kunde Bedenken oder Unsicherheiten hat. „Wir versuchen, diese dem Kunden zu nehmen, indem wir ihm alle Fragen, die der Kunde hat, beantworten.“ Wenn der allerdings daran zweifelt, überhaupt ein Tattoo machen zu lassen oder sich über das Motiv gar nicht sicher ist, empfiehlt sie, sich das Ganze noch mal gut zu überlegen und sich noch mal Inspirationen und Ideen zu holen.

Außerdem sollte man sich vorige Arbeiten anschauen. „Am besten auch eins mal in echt anschauen von jemandem, der dort schon einmal war“, so Röhrle. Sollten dann schon erste Zweifel wegen unsauberen Linien aufkommen, sollte man besser weitersuchen. „Die Qualität der Arbeiten muss stimmen“, erklärt auch Johanna Eisenmann. Im Studio sollten Mappen mit Fotos von bereits gestochenen Tattoos bereitliegen, die man sich auf jeden Fall anschauen sollte. Auch so bekommt man einen Eindruck, ob die Tattoos und der Stil des Tätowierers zu den eigenen Vorstellungen und Wünschen passen.

Reputation: Hat ein Tätowierer keine Wartezeit, ist da was faul. Tätowiererin Nadine Röhrle aus Oberrot kann das so unterschreiben: „Dann gibt es einen Grund, warum ein Tätowierer sofort Zeit hat, wenn da keiner hingeht.“ Ein guter Tätowierer ist gefragt und hat deshalb Wartelisten. Ein Tätowierer, bei dem sogenannte To-Go-Termine angeboten werden, bei denen man innerhalb einer bestimmten Zeit einfach vorbeikommen und sich das gewünschte Motiv kurzerhand stechen lassen kann, sind für sie absolut kein Zeichen für Qualität.

Genauso hat Qualität ihren Preis. Beim Preis zählen natürlich viele Faktoren wie Aufwand und Motivzeichnen mit hinein, genauso die benutzten Materialien und Hygieneartikel. Das ist alles nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Auch sollte man sich bewusst sein, dass ein Tattoo eine Anschaffung fürs Leben ist, und an der sollte nicht gespart werden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fasst es so zusammen: Aushängende Hygienezertifikate, eine gute Beratung und Preise, die nicht zu niedrig angesetzt scheinen, sind Hinweise auf ein gutes Studio.

  Auf der Seite www.safer-tattoo.de des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind noch einmal die wichtigsten Infos rund ums Thema Tattoo zusammengefasst.