Edle Kostproben mitten im Wengert

Besucher der wandernden Wein- und Sektprobe bei der Kelter Kleinaspach trotzen leichtem Nieselregen – Jahrgangsaussichten sehr gut

„Jetzt warten wir seit zwölf Wochen auf Regen und bekommen ihn ausgerechnet heute“, sagt Günther Ferber, Vorstand des Weinbauvereins Aspach, mit einem Lächeln. Zwar sind es bei der wandernden Wein- und Sektprobe nicht ganz so viel Besucher wie sonst, aber die wirklichen Fans und Wegbegleiter lassen sich vom leichten Nieselregen nicht abhalten. Zudem tut der den Reben gut.

Anstoßen mitten im idyllisch gelegenen Föhrenberg mit Blick auf die historische Kelter Kleinaspach – Günther Ferber hat die Schwäbische Waldfee Mariel Knödler auf einen Rundgang mitgenommen.

Von Christine Schick

ASPACH.Gegen Sonntagmittag füllen sich die Tische an und in der historischen Kelter in Kleinaspach – Ausgangspunkt für die Rundtour durch den Föhrenberg mit den fünf Stationen der Wein- und Sektprobe, die der Weinbauverein Aspach und die örtlichen Weinbaubetriebe seit Langem gemeinsam organisieren.

Die Erfahrenen unter den Gästen schaffen sich eine solide Grundlage, um sich später zum Durchprobieren auf den Weg zu machen. Der führt vorbei an vollbehangenen Reben. Den von Hitze und Trockenheit geprägten Sommer haben die hiesigen Lagen vergleichsweise gut überstanden, dank der relativ regenreichen Wintermonate. Beim Roten geht Günther Ferber von einem sehr guten Jahrgang aus, „beim Weißwein ist das noch ein bisschen offen, weil bei Trockenheit weniger Säure fürs Aroma gebildet werden kann.“ Bei jüngeren Anlagen sowie kiesigen, sprich nicht so speicherfähigen Böden, haben die hiesigen Winzer bewässert. Trotzdem hat die Trockenheit auch Vorteile. „Mit Pilzbefall haben wir dieses Jahr keine Probleme und die Kirschessigfliege mag keine Hitze“, erläutert Günther Ferber.

Eine Gruppe aus Höpfigheim lässt sich an der ersten Probenstation einen Sekt einschenken. „Da bekommen wir den nötigen Schwung, um den weiteren Berg in Angriff zu nehmen“, so die Erklärung. Die Männer und Frauen sind regelmäßig bei der wandernden Wein- und Sektprobe mit von der Partie. „Wir fangen am Dienstag an zu herbsten, wann legt ihr los?“, erkundigen sich die Höpfigheimer, die in Kleinbottwar bei der Lese helfen. Günther Ferber lässt wissen, dass sie am Mittwoch loslegen werden – Dornfelder, Regent und Acolon stehen dann erst mal an.

Beim Lemberger und Trollinger möchten die Winzer noch warten. „Die Trauben sind top“, sagt Holger Hessel vom Vorstand der Weingärtnergenossenschaft Aspach. Auch bei den Öchslegraden liege man gut, aber „jetzt in diesen Wochen entwickelt sich noch das Aroma. Wir hatten weniger Probleme als andere mit dem Trockenstress, die Trauben sind gesund“, sagt Hessel und ist froh, dass man auch von Unwettern vorschont geblieben ist. „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Jahrgang und viele Prädikatsweine bekommen.“

Mit dem Lesestart Mitte der Woche, hat sich der Zeitpunkt um rund anderthalb Wochen nach vorne geschoben. Das ist zwar nicht ganz so viel wie gedacht – Ende August ging Günther Ferber noch von rund drei Wochen aus. Unter dem Strich spüre man aber die Veränderung durch den Klimawandel. Im Schnitt werde rund eine Woche früher gestartet als noch vor ungefähr 25 bis 30 Jahren.

Auch die Schwäbische Waldfee Mariel Knödler schaut vorbei und lässt sich von Günther Ferber auf einen Rundgang mitnehmen. Für ein gutes Gläsle, insbesondere einen Rotwein, ist sie sehr zu haben. Zudem ist gleich am ersten Stand auch die offizielle ,,Feen Perle“ als Sekt aus hiesigen Lagen zu haben, was sie freut. Zwischen durch ist die Botschafterin des Schwäbischen Waldes immer wieder gefordert – für ein Handyfoto oder um eine Unterschrift aufs Autogrammkärtchen zu zaubern.

Die Lese hat sich mit Blick auf die vergangenen 30 Jahre etwa eine Woche nach vorne verschoben

Günther Ferber zeigt auf die Reihen einer Regentlage, dessen Reben in blaue Netze eingefasst sind. „Das ist zum Schutz vor Wespen und Vögeln.“ Auch die eine oder andere Hornisse kann einem zwischen den Reben begegnen.

Bei den Erläuterungen wird deutlich, dass viel Arbeit in seinem Weinberg steckt – an die 700 bis 1000 Stunden pro Jahr. Das ist gemessen an größeren Betrieben viel, „aber es ist einfach auch Hobby und Ausgleich zur Arbeit“, sagt er. Die rund 75 Mitglieder bewirtschaften zurzeit etwa 26 Hektar. Ihre edelen Tropfen stehen in der Kelter und einige ausgewählte an den fünf Stationen bereit. Bei Andreas Schwarz beispielsweise gibt es als echte Spezialität und Eigenmarke Schillersekt. Ein Senior aus Unterschöntal steht auf, um sich zur nächsten Station aufzumachen. „Früher haben wir auch bei der Lese hier geholfen“, erzählt er. Das könne er nun nicht mehr, aber der wandernden Wein- und Sektprobe bleibe man natürlich treu.

An der historischen Kelter finden sich am Nachmittag viele weitere Gäste ein. Dort halten die Bestücker des Bauernmarktes ebenfalls Eigenproduktionen wie Whiskey oder Honig, Kunsthandwerk sowie Informationen beispielsweise über Streuobstwiesen bereit. Noch hat sich keiner entschlossen, sich ein Segway zu schnappen, um die Tour mit Unterstützung anzugehen. Ob in dieser Form oder auf den eigenen zwei Beinen – die wandernde Wein- und Sektprobe lädt förmlich dazu ein, die Sache gemütlich anzugehen und genüsslich von einer zur nächsten Station durch den Föhrenberg zu schlendern.