Nationalmuseum in Rio bei Großbrand zerstört

Rio de Janeiro (dpa) - Ein Großbrand hat weite Teile des brasilianischen Nationalmuseums in Rio de Janeiro zerstört. Flammen griffen am Sonntagabend auf fast alle Teile des historischen Gebäudes über.

Das Museum galt als eines der wichtigsten Ausstellungshäuser Südamerikas. Beim Ausbruch des Feuers um 19.30 Uhr war es bereits geschlossen, Verletzte gab es nach Angaben der Museumsverwaltung nicht.

Das Museum hatte eine geologische, botanische, paläontologische und archäologische Sammlung. Neben Exponaten aus der Region verfügte es auch über ägyptische Mumien, griechische Statuen und etruskische Artefakte. «Das ist eine Tragödie für die Kultur in Brasilien», sagte der Direktor des Historischen Museums, Paulo Knauss, im Sender GloboNews. «200 Jahre Arbeit, Forschung und Wissen sind verloren gegangen», schrieb der brasilianische Präsident Michel Temer auf Twitter. «Es ist ein trauriger Tag für alle Brasilianer.»

Der Brand in dem dreistöckigen Gebäude im Stadtteil São Cristóvão wurde erst gegen 2.00 Uhr morgens unter Kontrolle gebracht, wie das brasilianische Portal «O Globo» berichtete. Der genaue Schaden sei noch nicht ermittelt. Allerdings hieß es in den örtlichen Medien, dass ein großer Teil der nach Museumsangaben mehr als 20 Millionen Exponate zerstört oder beschädigt sein könnte. Mehrere Experten gingen aufgrund der dramatischen Fernsehbilder sogar davon aus, dass alle Ausstellungsstücke vernichtet sein könnten.

Das Nationalmuseum ist das älteste Museum Brasiliens. Eines der bekanntesten Ausstellungsstücke ist ein Skelett, dass «Luzia» getauft wurde. Das Fossil des ältesten in Amerika gefundenen Homo Sapiens ist 12 500 bis 13 000 Jahre alt.

Kritik am Zustand des Gebäudes gab es schon länger: Es soll Medienberichten zufolge seit Längerem nicht für die Aufbewahrung der Ausstellungsstücke geeignet gewesen sein. Mehrere Ausstellungsräume seien in schlechtem Zustand und waren daher nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

In einem TV-Interview sprach Kulturminister Sergio Sá Leitao von «Jahren der Nachlässigkeit» bei der Instandhaltung des Museums. Diese «Tragödie» betrübe Brasilien. Im Mai dieses Jahres hatte ein lokaler Fernsehsender in einer Reportage gezeigt, dass das Museum in den vergangen drei Jahren nur 60 Prozent des ursprünglich von der Regierung zugesicherten Budgets bekommen habe.

Etwa 80 Feuerwehrleute kämpften Medien zufolge gegen die Flammen. «O Globo» berichtete, dass die umliegenden Hydranten nicht genügend Wasserdruck aufwiesen, was die Löscharbeiten behindert habe.

Das Museum, 1818 vom portugiesischen König Joao VI. gegründet, feierte im Juni dieses Jahres sein 200-jähriges Bestehen. Monatlich kamen zuletzt zwischen 5000 und 10 000 Besucher. Zuvor diente das repräsentative Gebäude seit 1802 als Wohnsitz der portugiesischen Königs- und später der brasilianischen Kaiserfamilie.