Russische Gäste geben einen Einblick ins Sambo

Beim Sommercamp bei den Judokas der TSG Backnang funktioniert der interkulturelle Austausch zwischen den Sportlern

Leonid Leonidovich demonstriert in Backnang die russische Kampfsportart Sambo. Foto: A. Becher

Von Katharina Klein

Völkerverständigung mal anders: Während sich Putin und Merkel nicht ganz so grün scheinen, funktioniert der interkulturelle Austausch zwischen russischen und deutschen Sportlern besser. Beim Sommercamp des Württembergischen Judo-Verbands (WJV), das wie jedes Jahr von der TSG-Judoabteilung ausgerichtet wird, stand der russische Kampfsport Sambo auf dem Plan – unter der Leitung von zwei russischen Trainern und ihren 14 mitgereisten Athleten.

Nein, es war keine Tanzstunde, die den Sommercamp-Teilnehmern drohte. Beim Sambo handelt es sich nämlich nicht um eine Abwandlung des brasilianischen Tanzes Samba, sondern um eine russische Kampfsportart. „Im Prinzip ist es wie Judo nach alten Regeln, es ist quasi jeder Griff erlaubt, außer Würgern“, erklärt der Vizepräsident Leistungssport des WJV, Melek Melke. Er ist der Initiator des Austausches und stand in Backnang mit auf der Matte – zum Übersetzen und Mithelfen. Denn die englischen Sprachkenntnisse seiner zwei russischen Kollegen Leonid Leonidovich und Leonid Vladimirovich sind zwar ausreichend, aber da die jungen Teilnehmer des Camps auch etwas verstehen sollen, ist Übersetzungsarbeit angesagt.

In ihren roten Judojacken, kurzen engen Hosen und Ringerschuhen sehen die Sambo-Kämpfer zwischen den weiß gekleideten Judogi-Trägern exotisch aus. Und auch die Bewegungsabläufe scheinen mit Beingriffen und Fußhaltern auf den ersten Blick anders zu sein. Schon beim Aufwärmen machen die deutschen Judokas große Augen. Auf den Knien abheben und sich um 360 Grad drehen oder mit der Stirn auf der Matte hin und her schaukeln und sich im Anschluss überschlagen, das hat man so auch noch nicht gesehen. All diese Unterschiede sind ein Grund, warum Melke einen internationalen Austausch wollte: „Es ist wichtig mal über den Tellerrand hinauszuschauen.“

Da er selbst einen Migrationshintergrund hat, lag ihm schon länger der Wunsch auf dem Herzen ein sportliches Völkerverständigungsprojekt anzuschieben. Unterstützung gab es vom Landessportverband, die Realisierung fand schließlich in Kooperation mit dem Projekt „Integration durch Sport“ der Deutschen Sportjugend statt. Im April ging es für Melke dann erst mal nach Noworossijsk, zum fachlichen Austausch. Das Fazit: „Ich war begeistert. Sie sind dort total professionell aufgestellt, haben 27 hauptangestellte Trainer. So viele haben wir nicht mal in ganz Deutschland. Ich habe direkt gewusst, dass wir dieses Jahr noch einen Austausch machen müssen.“

Nun, da die 14 russischen Sambo-Kämpfer und ihre zwei Trainer für eine Woche im Schwabenland sind, steht aber nicht nur Sport im Vordergrund. Während des Besuchs in Russland ist Melke neben den sportlichen Gegebenheiten nämlich noch etwas anderes aufgefallen: „Ich war überwältigt von der Herzlichkeit und Offenheit. Es war die zweit- oder drittschönste Woche meines Lebens.“ Deshalb wollte er nun auch für die Gäste mehr als nur Trainingseinheiten bieten. Ein Besuch auf der Landesgartenschau, ein Tag im Schwimmbad und eine Besichtigung der Weingenossenschaft standen an. Ein Empfang beim Heilbronner Bürgermeister fand gestern statt, untergebracht sind die Besucher nämlich bei Gastfamilien aus Melkes Heilbronner Judoschule. Die Nacht von Montag auf Dienstag verbrachten sie allerdings in Backnang, damit die Jugendlichen sich auch abseits der Matte kennenlernen konnten: „Erst nach dem Training kommt das Zusammengehörigkeitsgefühl und das ist wichtig“, weiß Melke, der in den Planungen zu einem Gegenbesuch in Noworossijsk steckt.