Ein kleiner Kindheitstraum wird wahr

TSG-Spielerin Johanna Klose verbindet das Auslandssemester ihres Architektur-Studiums in den USA mit dem Volleyballsport

Die Regionalliga-Volleyballerinnen der TSG Backnang müssen auf Johanna Klose verzichten. Die 22-Jährige absolviert nun ein Auslandssemester ihres Innenarchitektur-Studiums in den USA. Damit verbindet sie auch den Sport, denn sie spielt im Team der Lawrence Technological University Southfield in Michigan.

Von Heiko Schmidt

Johanna Klose spielt seit dem Sommer 2014 für die Volleyballerinnen der TSG Backnang. Nun geht die Mittelangreiferin neue Wege. Sie verbindet den Sport mit ihrem beruflichen Werdegang. „Meine Professorin sprach mich an, ob ich es mir vorstellen könnte, das Auslandssemester meines Studienfachs Innenarchitektur in den Staaten zu machen und es mit meinem Sport zu verbinden“, berichtet Klose. Sie schiebt nach: „Es ist die perfekte Möglichkeit, mich in beiden Gebieten zu verbessern. Und dazu gibt es mir einen Einblick in die Innenarchitekturlehre der Staaten und in das amerikanische Volleyball. Ein kleiner Kindheitstraum, der für mich wahr wird.“

Nach ihren letzten Prüfungen an der Hochschule in Stuttgart machte sich Klose vor knapp einem Monat auf in die USA. „Fürs Erste studiere ich hier nur ein Semester und komme zum Beginn meines letzten Semesters nach Stuttgart zurück. Ob aus meinem halbjährigen Erlebnis ein komplettes Masterstudium im nächsten Jahr wird, ist noch offen“, sagt Klose. Sie studiert Interior Architecture and Design bei der Lawrence Technological University Southfield in Michigan bei Detroit. Doch bevor sich die 22-Jährige dem Studium widmete, stand zunächst der Sport im Mittelpunkt. Ihr Tagesablauf bestand dabei vorrangig aus dem Volleyballtraining, und das von montags bis samstags. Sonntags war frei. Zudem gab es einen Zwei-Tages-Ausflug nach Muncie in Indiana für eine Art Volleyballbootcamp. Eine andere Teamreise führte in den Norden von Michigan. Ein Scrimmage (Freundschaftsspiel) mit der Lake Superior State University bildete den Abschluss dieser Reise. Es folgte ein Turnier an der University of Michigan in Dearborn. „Nun haben die Vorlesungen angefangen und unser Plan hat sich geändert“, teilt Klose mit. „Wir haben unter der Woche morgens von 7 bis 9 Uhr Training, dienstags und donnerstags zusätzlich nachmittags Kraft- und Ausdauertraining. Mittwochs und freitags sind Spieltage, manchmal auch Samstag, aber die Sonntage bleiben frei.“ Heute hat ihr Team das erste Spiel in der Liga. Mit dem Varsity-Team der Lawrence Technological University in der National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA), die Mitglied der Wolverine Hoosier Athletic Conference (WHAC) ist. Der Spitzname von Kloses Teams ist Blue Devils. „Unser Maskottchen ist ein blauer Teufel mit dem Namen Blue und unsere Farben sind Royalblau und Weiß.“ Das Ziel ihrer Mannschaft ist es, die Nationals zu gewinnen, das Zwischenziel sind die Play-offs. „Für mich persönlich ist es schon ein persönlicher Traum, im Varsity-Team zu spielen. Mein nächstes Ziel ist es, als eine der Startsechs auf dem Feld zu stehen. Ich möchte herausfinden, wie gut und wie hoch ich spielen kann, wenn ich hart an mir arbeite und nicht aufgebe. Volleyball ist meine Leidenschaft und ich mag Herausforderungen.“

Für Klose ist es jedoch eine relativ große Umstellung. „Ich spiele hier hauptsächlich Diagonal und im Außenangriff. Meine ursprüngliche Position trainiere ich zwar auch, seitdem sich eine Mittelangreiferin auf der Reise verletzt hat, jedoch nur dann, wenn ich dort gebraucht werde.“ Der TSG-Sportlerin ist dabei eines klar geworden: „In der Preseason ist man rund um die Uhr mit der Mannschaft unterwegs und es gibt nichts außer Volleyball. Das Training ist härter als in Deutschland. Es lastet ein großer Druck auf allen Spielerinnen. Es ist unser Job, zu funktionieren, und immer mehr als 100 Prozent zu geben, und das spürt man auch“, macht Klose klar. Sie hat als Universitätsspielerin wenig Freizeit, doch: „Die gemeinsame Zeit schweißt auch zusammen, wir lieben alle die Sportart und die Mannschaft wird zur Familie.“

Eine weitere Umstellung für Klose ist das Essen. „Wir werden durch die Universität reichlich versorgt, allerdings vermisse ich das deutsche Brot.“ Eine weitere Umstellung für die Deutsche ist auch die Zeitumstellung, „es ist wesentlich schwieriger, in Kontakt mit meinen Freunden und der Familie zu bleiben“. Sie schreibt jedoch hin und wieder mit ihren TSG-Mannschaftskameradinnen und verfolgt alles auf den sozialen Netzwerken. „Ich werde natürlich für meine Mädels daheim die Daumen drücken und, so gut es geht, die Regionalliga-Spiele verfolgen. Vielleicht kann ich mir noch einen Liveticker organisieren.“