Schüler schützen, Energie sparen

Die in die Jahre gekommene Fassade des Berufsschulzentrums Waiblingen wird saniert – Insgesamt 18000 Quadratmeter

Dirk Braune, Geschäftsführer der Kreisbaugruppe, Felicia Wurster, Leiterin der Geschäftsstelle Klimaschutz im Landratsamt, Landrat Richard Sigel und Hans-Jürgen Bucher, Leiter der Gewerblichen Schule Waiblingen, auf dem Dach der Berufsschulwerkstätten, wo mithilfe von Fotovoltaikanlagen Strom für den Schulverbrauch gewonnen wird. Im Hintergrund: Die sanierte Fassade. Bild: Büttner

Von Sebastian Striebich

 

WAIBLINGEN. Mehr als 50 Grad Celsius sind im Sommer an einer Klassenzimmerwand des beruflichen Schulzentrums gemessen worden. Schuld sind die schlecht isolierten Wände aus den 70er-Jahren. Doch es tut sich was: Bereits seit 2010 erneuert die Kreisbaugruppe Schritt für Schritt die Fassaden in Waiblingen, rund vier Millionen Euro hat das bislang gekostet. Von 18000 Quadratmetern sind rund 6000 geschafft, zwei Drittel stehen noch aus.

In erster Linie geht es Hans-Jürgen Bucher, Schulleiter an der gewerblichen Schule in Waiblingen, natürlich um die Schüler, die im Sommer in schlecht isolierten Klassenzimmern vor sich hin brüten: Unzumutbar sei das, Temperaturen über der 26-Grad-Marke sind bekanntlich Gift für Konzentration und Gesundheit – und hitzefrei gibt es an Berufsschulen nicht. Doch auch ganz persönlich liegt ihm viel an der Erneuerung der in die Jahre gekommenen Außenwände am Schulzentrum, das in den 1970er-Jahren gebaut wurde.

Die beiden haben zu der Besichtigung eingeladen – weniger, um auf die noch bestehenden Missstände hinzuweisen, sondern vielmehr, um zu zeigen: Hier tut sich was. Rund vier Millionen Euro hat der Rems-Murr-Kreis seit 2010 für die Fassadensanierung in Waiblingen ausgegeben, um „optimale Arbeitsbedingungen“ (Sigel) für die rund 4000 Schüler zu schaffen, die hier täglich lernen. Hinzu kommen laut Landratsamt knapp 1,16 Millionen Euro für die Dachsanierung im Werkstattbereich und knapp 331000 Euro für die Verglasung der Sporthalle. Knapp ein Drittel der rund 18000 Quadratmeter Fassadenfläche ist geschafft, die Bauarbeiten werden sich voraussichtlich bis 2029 ziehen. Schließlich kann nur in den Ferien mit Hochdruck gearbeitet werden. Bauleiter Fritz Bareiß sagt: „In nur fünf bis sechs Wochen Bauzeit kommen wir schon an unsere Grenzen.“

In diesem Sommer wurde ein großer Abschnitt der Fassade der Merian-Schule erneuert. Die Klassenzimmer in diesem Bereich bekommen die Morgen- und Vormittagssonne voll ab. Dreifachverglasungen mit erhöhtem Sonnenschutzwert wurden eingesetzt, Oberlichter in der Fassade sollen die „aktive Nachtauskühlung“ fördern. Im Winter spart der Kreis Heizkosten und entlastet so die Umwelt – schließlich verlässt die Wärme die Klassenzimmer durch die viel besser isolierten Wände nicht mehr so schnell. Überhaupt ist der Klimaschutz die zweite große Komponente der Sanierung – neben dem Wohlbefinden der Schüler und Lehrer. 55 Tonnen CO2 jährlich sollen allein durch die Baumaßnahmen dieses Jahres eingespart werden. Seit 2013 fängt eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Werkstätten die Sonnenstrahlen ein, um Strom für den Schulalltag zu generieren. Eine weitere Anlage wurde 2016 auf der Sporthalle installiert, eine dritte im Bereich der Werkstätten soll folgen. Laut Landrat Sigel will der Kreis weitere Anlagen auf seinen Gebäuden anbringen. Sämtliche Flächen, auch älterer Gebäude, zuzupflastern, empfiehlt sich aber nicht – auch anderswo stehen erst Sanierungen an.