Am Wochenende wird gefeiert

Am Wochenende feiert die Backnanger Feuerwehrfest ihr traditionelles Sommerfest mit Schauübungen, Musik und Tanz im und am Gerätehaus. Ganz im Zeichen der Jugendfeuerwehr, die ihr 50-jähriges Bestehen feiert, steht der Sonntag. Beim großen Festumzug werden am frühen Nachmittag über 200 Jugendliche aus Backnang und Umgebung durch die Innenstadt ziehen.

Original und Fälschung: Die „Großen“ der Backnanger Jugendfeuerwehr basteln für den Festumzug am Sonntag einen Leiterwagen. Mit dabei Achim Döring (links mit der Farbwalze) und Nico Zander (schwarze Kappe) sowie Katrin Schäfer (dahinter) und Amelie Gall (ganz hinten). Der Nachbau kommt dem echten Einsatzwagen schon recht nahe. Foto: A. Becher

Von Florian Muhl

BACKNANG. Es riecht nach frischer Farbe im Innenhof der Backnanger Feuerwehr. Nachdem die Älteren der Jugendgruppe Abteilung Stadt gesägt, gehämmert und geschraubt haben, sind sie nun mit Farbwalzen und Spraydosen zu Gange. Ihr Leiterwagen, den sie auf einem Bollerwagen-Fahrgestell aufgebaut haben, nimmt langsam Gestalt an. Damit wollen sie beim Umzug am Sonntag durch die Innenstadt ziehen.

„Das ist es, was bei der Feuerwehr Spaß macht. Das gemeinsame Basteln und Werkeln, das Miteinander“, sagt Nico Zander. Er ist aus Selbstinteresse zu Feuerwehr gekommen, wie er sagt. In der Verwandtschaft war niemand, der ihn mit dem Feuerwehr-Virus angesteckt hätte. „Das hat ziemlich früh in der Kindheit angefangen“, sagt der heute 16-Jährige. Spannend fand er damals schon die großen roten Autos, das Blaulicht und die Helme. „Dass ich das jetzt machen darf, da bin ich sehr froh drüber, und ich find’s auch gut, anderen Leuten zu helfen“, sagt der junge Backnanger. Und er fügt an: „Es werden ja immer weniger Leute, die zur freiwilligen Feuerwehr gehen. Da finde ich es gut, wenn da ein paar Jugendliche mehr kommen.“ Eingetreten ist Nico Zander mit 12 Jahren. Auch Katrin Schäfer interessiert sich für die Feuerwehr, „seitdem ich klein bin, schon immer“, wie sie sagt. Dann gab es mal eine Phase, in der sie nicht zur Feuerwehr wollte, weil sie einen Unfall gesehen hatte. „Eine Freundin war vom Klettergerüst gefallen und hatte sich den Arm gebrochen.“ An die offene Wunde und den sichtbaren Knochen kann sie sich heute noch erinnern. Der Schreck damals hat sich aber mit der Zeit gelegt. Heute überwiegen die Vorteile: „Es ist ein Hobby, das nicht jeder hat und mir macht’s Spaß, anderen Leuten zu helfen“, sagt die 15-Jährige, die sich auch für die Gemeinschaft begeistern kann.

Amelie Gall wurde vor neun Jahren beim Tag der offenen Tür auf die Feuerwehr aufmerksam und war gleich so begeistert, dass sie sich sofort erkundigt hat, wie das so läuft und dann auch direkt zum ersten Treffen der Jugendgruppe gegangen ist. Seitdem ist die 17-Jährige mit dabei. Bei Achim Döring, der heute 16 Jahre alt ist, war’s der ältere Bruder, der bereits aktives Mitglied war, der ihn vor einigen Jahren zu Festen mitgenommen hatte. Dann ist auch er hängen geblieben, weil er die Gemeinschaft toll fand. „Wir sind zwar eine kleine Gruppe, haben aber ein verdammt gutes Verhältnis. Auch privat machen wir viel zusammen“, sagt Amelie Gall, und die anderen drei stimmen ihr voll und ganz zu.

Die Leiterwagen-Bastler sind 4 von insgesamt 60 Mitgliedern bei der Backnanger Feuerwehrjugend; davon sind es 18 Mädchen und 43 Jungs.

„Im Alter von mindestens zehn Jahren darf man in die Jugendfeuerwehr eintreten“, sagt Backnangs Feuerwehrsprecher Jan Kusche. Und erhält der Löschnachwuchs dann auch schon eine Uniform? „Ja, das, was unsere Mädels und Jungs hier anhaben. Eine wesentlich leichtere Form, wie das, was wir in der aktiven Wehr anhaben, also einfach nur Stoff und natürlich Sicherheitsstiefel, Helm und Handschuhe, weil die natürlich auch mal mit feuerwehrtechnischen Gerät arbeiten werden.“

Derzeit gibt es zwei Gruppen, die Abteilung Stadt und eine zweite Gruppe im südlichen Stadtteil Waldrems mit Heiningen und Maubach. Ab Ende diesen Monats soll es noch eine dritte Gruppe geben, die sich dann abwechselnd in Strümpfelbach und Schöntal treffen wird. Zudem gibt es zwei Kindergruppen mit insgesamt 16 sechs- bis zehnjährigen Mitgliedern, 3 Mädchen und 13 Jungs.

Warum es überhaupt vor 50 Jahren eine Jugendabteilung gegründet wurde, erklärt Michael Schladt, der insgesamt sieben Jahre lang Stadtjugendfeuerwehrwart war: „Die Backnanger Feuerwehr hatte 1968, wie fast alle Wehren des Kreises, Nachwuchssorgen. Deshalb kam Kommandant Hermann Lang auf die Idee, eine Jugendfeuerwehr ins Leben zu rufen.“ Man wollte damals schon den Jugendlichen was bieten. Aus diesem Grund bastelten die Aktiven in ihrer Freizeit ein halbes Jahr lang an einem speziellen Fahrzeug und rüsteten es für entsprechend aus. „Es hatte sechs Sitzplätze und war mit einem Wassertank mit 280 Liter Inhalt, einer ausziehbaren Leiter und einer Motorspritze ausgerüstet“, sagt der Kreisfeuerwehrwart. Das Fahrzeug wurde zusammen mit der Jugendfeuerwehr am Tag der offenen Tür 1968 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Schladt fällt auf, dass die Eltern der Kinder und Jugendlichen früher präsenter waren. „Die haben sich früher viel mehr dafür interessiert.“ Und Stadtjugendfeuerwehrwart Marcel Langenstroer meint: „Meine Mutter hat früher noch zum Tag der offenen Tür Kuchen gebacken.“ Heute mache das niemand mehr.