Vier Kandidaten wollen Bürgermeister werden

Sabine Welte-Hauff, Friedhild Miller, Udo Wruck und Wolfgang Schopf kandidieren für das Amt des Rathauschefs in Aspach – Gestern Bewerbungsschluss

Kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist tauchte noch ein Überraschungskandidat auf: Wolfgang Schopf, Mitglied des Gemeinderats und SPD-Fraktionssprecher, gesellt sich zu Sabine Welte-Hauff, Friedhild Miller und Udo Wruck. Sie alle wollen die Wahl am 30. September gewinnen und Aspachs amtierenden Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner beerben.

Auf weitere Kandidaten muss nicht mehr gewartet werden. Jetzt geht es nur darum, wer die Wahl am 30. September gewinnt. Foto: A. Becher

Von Silke Latzel

 

ASPACH. Sabine Welte-Hauff, Friedhild Miller, Udo Wruck: Waren die ersten drei Bewerber für das Amt des Bürgermeisters schon seit Wochen bekannt, ist die Nummer vier erst kurz vor Ablauf der Frist aus der Deckung gekommen. Gemeinderatsmitglied und SPD-Fraktionssprecher Wolfgang Schopf hat seine Bewerbung gestern früh um 8 Uhr eingereicht.

 

  Sabine Welte-Hauff ist 53 Jahre alt, parteilos und lebt seit ihrer Geburt in Aspach. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die gelernte Diplomverwaltungswirtin (FH) hat ihre Bewerbung als Erste eingereicht. Seit 1991 arbeitet sie bei der Gemeinde Aspach, leitet dort seit 1995 das Baumamt. Davor war sie beim Umweltschutzamt des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis tätig. Verwurzelt und sozial vernetzt in der Rems-Murr-Gemeinde versteht sich die 53-Jährige als eine Bürgerin, die weiß, was die Menschen vor Ort bewegt. Wichtig sind ihr unter anderem ein intensiver Dialog mit den Bürgern, eine aktive Bürgerbeteiligung und regelmäßige Bürgersprechstunden. Zudem will sie sich für den Erhalt und den Ausbau der bestehenden Infrastruktur einsetzen und die Feuerwehr stärken. Die erstmalige Einrichtung einer Jugendvertretung, die attraktive Gestaltung des Jugendtreffs, sowie die Standortsicherung für Gewerbe, Handel und Handwerk stehen ebenfalls auf ihrer Agenda. Welte-Hauff möchte Landwirtschaft, Direktvermarktung und Landschaft als Chance nutzen und „Aspach zur generationenfreundlichen Kommune mit starkem ,Wir‘-Gefühl entwickeln“.

 

Friedhild „Fridi“ Miller, Jahrgang 1969, kommt aus Sindelfingen und ist als Dauerkandidatin bei Bürgermeisterwahlen im Großraum Stuttgart bekannt. Nach Aspach bringt sie die Vorliebe eines guten Freundes für Andrea Berg. Anfang 2018 stellte sie einen persönlichen Rekord auf, in dem sie bei 25 Bürgermeisterwahlen gleichzeitig kandidierte. Miller geht ohne Partei ins Rennen. Die Familienhelferin bezeichnet sich selbst als „Aufdeckungspolitikerin“. Keinen Hehl macht sie aus ihren durchaus vielfältigen Ambitionen: „Fridi goes Gemeinderat, Fridi goes Kreistag, Fridi goes Bürgermeisterin der Herzen“ ist auf ihrer Homepage zu lesen. Nicht immer friedlich enden Millers Wahlkämpfe. In der Vergangenheit hat sie schon mehrfach Wahlergebnisse angefochten und somit die Einsetzung der neu gewählten Bürgermeister verzögert. Das Ordnungsamt Sindelfingen hat Ende Juli sogar ein Annäherungsverbot erteilt: Miller muss zu Oberbürgermeister Bernd Vöhringer mindestens 20 Meter Abstand halten. Der Grund: Vöhringer wurde in einem Facebook-Post massiv von Miller bedroht. In in einem mittlerweile gelöschten Video auf ihrem Facebook-Account hatte Miller, die gegen Vöhringer bei der Oberbürgermeisterwahl angetreten war, Tötungsabsichten gegen das Stadtoberhaupt geäußert. Dem Rathauschef wurde ein Bodyguard zur Seite gestellt. Auch stand Miller schon vor Gericht, wurde im Prozess um eine Beleidigung für schuldunfähig befunden und freigesprochen.

 

Udo Wruck, parteilos, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, ist ein kommunalpolitischer Quereinsteiger. Laut eigener Aussage besucht der Mechatronik-Techniker, der in Allmersbach am Weinberg lebt, seit fast drei Jahren die öffentlichen Gemeinderatssitzungen und beobachtet so das kommunale Geschehen.. In der ehemaligen DDR geboren und aufgewachsen weiß er, dass Demokratie ein hohes Gut ist. Er glaubt nicht, dass man als Bürger „gegen die da oben“ nichts ausrichten kann. Deshalb möchte er, dass Verwaltung, Gemeinderat und Bürger in einem konstruktiven Dialog stehen und zusammen zu tragfähigen Entscheidungen kommen. Mit ihm habe Aspach die Möglichkeit auf eine transparente, offene und lebendige Politik. Seine Themen sind neben der Bürgerbeteiligung unter anderem die Positionierung Aspachs als attraktiver Schulstandort, die Sicherstellung der Kinderbetreuung, die Verkehrs- und Parksituation in der Gemeinde und die Frage, wie Aspach noch schöner werden kann.

 

Wolfgang Schopf ist quasi der „Überraschungskandidat“, hat er seine Bewerbung doch erst kurz vor knapp abgegeben. Der 61-Jährige ist verwitwet, hat drei erwachsene Kinder und wohnt mit seinem Schweigervater in Altersberg. Im Aspacher Gemeinderat ist er Fraktionssprecher der SPD. Der gelernte Speditionskaufmann und Kraftfahrer war Berufsfeuerwehrbeamter in Esslingen, wurde von 2015 bis 2017 als Gesamtpersonalrat der Stadt Esslingen freigestellt und bekam dabei laut eigener Aussage „gute Einsichten in die kommunale Verwaltung“. Ehrenamtlich sitzt er nicht nur im Aspacher Gemeinderat sondern engagiert sich auch als Kirchengemeinderat in Kleinaspach/Allmersbach am Weinberg und beim CVJM Kleinaspach/Allmersbach. Da die Pensionsgrenze für hauptberufliche Feuerwehrleute bei 60 Jahren liegt und Schopf sich, wie er selbst sagt, im „(Un)Ruhestand“ befindet, möchte er sich einer neuen neue Herausforderung stellen und sich „mit voller Kraft für Aspach und die Bürger der Gemeinde einsetzen“. Seit Wochen habe er mit vielen Menschen darüber gesprochen, ob er der Richtige für das Amt sei und viel Zuspruch erfahren. Als Gegenkandidat zu Welte-Hauff verstehe er sich nicht, vielmehr wolle er eine „Alternative auf der sozialistischen Seite“ sein. Besonders wichtig sind ihm „eine gute Erziehung unserer Kinder in Kindergärten und Schule,   eine nachhaltige und zukunftsfähige Lebensweise unserer Gemeinde sowie   genügend und bezahlbarer Wohnraum für alle Bürger“.

 

Die beiden Fraktionen, die keinen eigenen Kandidaten mit ins Spiel gebracht haben, CDU und Bürgerliche Wählerliste sowie die Freie Wählervereinigung, positionieren sich jetzt schon klar. So sagt Gerd Raichle, Fraktionssprecher der Freien Wählervereinigung: „Dass sich Frau Welte-Hauff bereit erklärt hat, als Bürgermeisterin zu kandidieren, kann durch uns nur begrüßt werden. Sie ist vom Fach und kennt sich in Aspach bestens aus. Zudem teilt sie zum großen Teil die Wünsche unserer Fraktion in Bezug auf die Gestaltung von Dorfplätzen sowie Verbesserung der Aspacher Infrastruktur. Frau Welte-Hauff hat viele unserer Wünsche aus den letzten Haushaltsreden in ihrem Programm aufgeführt, beispielsweise die Themen Bürgerbeteiligung, Feuerwehr und Erweiterung des Gewerbegebiets.“ Seine Fraktion sei grundsätzlich allerdings schon verwundert, „dass auf so eine attraktive Stelle“ so wenig Bewerbungen eingegangen sind. Die Fraktion selbst habe keinen weiteren Kandidaten gesucht, „wobei auch wir uns mehr Kandidaten gewünscht hätten“. Von der Kandidatur Schopfs zeigt sich Raichle sehr überrascht und könne dazu auch noch nichts sagen. Eine Beurteilung, wer Favorit der Wahl sei, ergebe sich laut Raichle aus den beruflichen Werdegängen der Bewerbern. „Dass Herr Wruck kandidiert, ist ehrenwert. Ich bin aber der Meinung, dass Aspach nur von einer Person geführt und gelenkt werden kann, die ihr Fach versteht,“ so der Fraktionssprecher.

Auch Peter Hanisch, Fraktionssprecher der CDU und Bürgerlichen Wählerliste sieht die Kandidatur von Welte-Hauff positiv: „Mit Frau Welte-Hauff haben wir immer gut zusammengearbeitet. Sie bringt Fachwissen mit, hat stets versucht das beste Ergebnis zu finden und beratend dazu beigetragen, dass vernünftige Entscheidungen getroffen wurden.“ Ihr Vorteil sei zudem, dass sie als parteilose Kandidatin antrete, das sei für das Amt des Bürgermeisters wichtig. Zu Friedhild Miller könne er nicht viel sagen, so Hanisch, aber sie habe „in der Vergangenheit gezeigt, dass sie keinen großen Wert auf demokratisches Verhalten legt“.

Udo Wruck ist Hanisch als Bürger und Zuhörer vieler Gemeinderatssitzungen bekannt, Wolfgang Schopf kennt er aus dem Gremium. Ihre Fähigkeiten möchte Hanisch nicht beurteilen, sondern „den Bürgern die Entscheidung überlassen, ob sie geeignet sind.“ Grundsätzlich aber „freuen wir uns, dass sich am Ende vier Kandidaten gefunden haben, das macht das Ganze zu einer echten Wahl“, sagt der Fraktionssprecher, der sich derzeit im Urlaub befindet und ebenfalls überrascht war, dass kurz vor Ablauf der Frist noch eine Bewerbung einging.

Überraschend für alle Wähler dürfte außerdem sein, dass auf den Wahlzetteln Fridi Miller an erster Position stehen wird und nicht Sabine Welte-Hauff, obwohl diese ihre Bewerbung als Erste abgegeben hat. Der Grund: Da der erste Tag, an dem die Bewerbungen abgegeben werden konnten, ein Samstag und das Rathaus somit geschlossen war, wurden beide Bewerbungen erst am Montag „empfangen“ und gelten als am selben Tag eingegangen. Und in diesem Fall entscheidet das Los, wer ganz oben auf dem Wahlzettel steht. Bei der Zusammenkunft des Wahlausschusses gestern um 18 Uhr wurde Friedhild Miller ausgelost.