„Diese Spielweise hat uns stark gemacht“

Das Interview:VfB-Routinier Dennis Aogo über den Spagat zwischen defensiver Stabilität und spielerischer Weiterentwicklung

Das Aus im DFB-Pokal beim Drittligisten in Rostock, die Auftaktniederlage in der Fußball-Bundesliga in Mainz sowie das 0:3 gegen die Bayern, nach dem vor allem die destruktive Spielweise kritisiert wurde: Der VfB Stuttgart hat den Saisonstart in den Sand gesetzt. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Routinier Dennis Aogo vor dem heutigen Drei-Ligen-Cup in Großaspach über die Gründe und darüber, was besser werden muss.

Beim VfB herrscht Redebedarf nach drei Pleiten in den ersten drei Pflichtspielen – nicht nur zwischen Dennis Aogo und Mario Gomez. Foto: Imago

Von Steffen Grün

Nach der starken Rückrunde und den vielversprechenden Transfers im Sommer war die Euphorie um den VfB riesig, nun herrscht Ernüchterung. Drei Pflichtspiele, drei Pleiten – das hatten Sie sich sicher anders vorgestellt?

Ja. Wir haben aber einige Spieler, die schon länger beim VfB sind und bereits in der gut verlaufenden Vorbereitung intern darauf hingewiesen haben, dass noch gar nichts passiert ist, die Saison hart wird und vor allem unser Startprogramm schwierig ist. Das war uns bewusst, nichtsdestotrotz ist es natürlich sehr ungenügend für uns, dass wir die ersten drei Pflichtspiele verloren haben. Wir müssen und werden kritisch in die Analyse gehen, spätestens wenn alle wieder von den Nationalteams zurück sind. Ich habe es mit Schalke vor zwei Jahren erlebt, dass wir sogar die ersten fünf Ligaspiele verloren haben und am Ende noch an den Europapokalplätzen schnupperten. Ich weiß, wie schnell es gehen kann, aber trotzdem müssen wir ein paar Dinge in unserem Spiel verbessern, damit wir gegen Freiburg ein besseres Gesicht zeigen und punkten.

Was sind für Sie die Hauptgründe für den verpatzten Start? War sich das Team seiner Sache nach der starken Rückrunde und der guten Vorbereitung vielleicht ein wenig zu sicher?

Das glaube ich nicht. Wenn wir darüber sprechen, was uns in der Rückrunde stark machte, dann ist ein großer Aspekt die Effektivität. Die haben wir beim Pokal-Aus in Rostock und in Mainz vermissen lassen, das Spiel gegen Bayern ist da mal ein bisschen ausgegrenzt. In den anderen Partien haben wir nicht zur richtigen Zeit die Tore gemacht, obwohl es möglich gewesen und unserem Spiel entgegengekommen wäre. Da hatten wir in der Rückrunde ein besseres Timing und auch die nötige Kaltschnäuzigkeit. Hier ist der Hebel wieder anzusetzen.

Dem Trainer wurde nach dem 0:3 gegen die Bayern eine zu destruktive Spielweise vorgeworfen, zudem hätten für die geplanten Konter bis auf Donis die schnellen Spieler gefehlt. Können Sie die Kritikpunkte nachvollziehen?

Es kommen natürlich Kritikpunkte auf, wenn man Spiele verliert, das ist klar. Aber genau diese Spielweise hat uns in der Rückrunde mit der damaligen Effektivität stark gemacht. Natürlich wollen wir uns auch im Spiel nach vorne weiterentwickeln, um mehr Torchancen zu kreieren. Da haben wir noch einiges zu tun. Wir werden allerdings nicht komplett von unserem Stil abweichen, der uns in der vergangenen Saison stark gemacht hat.

Kommt die Länderspielpause gerade recht, um sich zu sammeln und dann durchzustarten, oder vielmehr zur Unzeit, weil nun zwei Wochen über den Fehlstart diskutiert wird?

Die Länderspielpause ist nicht zu ändern. Grundsätzlich ist es immer schlecht, davor zu verlieren, weil man das dann zwei Wochen mit sich rumschleppt, vor allem wenn man nicht zur Nationalmannschaft reist. Die Jungs, die das tun, haben mehr Abwechslung, aber wenn man beim Verein ist, fühlt sich das immer schwerer an, als wenn man das Spiel davor gewonnen hat. Trotzdem müssen wir das so annehmen und dafür sorgen, dass wir hinterher sagen können, die Länderspielpause kam zum richtigen Zeitpunkt – das ist unsere Aufgabe und daran arbeiten wir diese und nächste Woche.

Ist der Drei-Ligen-Cup in Großaspach für den VfB in der aktuellen Situation eine lästige Pflichtübung oder eine willkommene Chance, um etwas Selbstvertrauen zu tanken?

Wir sind aufgrund der Länderspielabstellungen nicht mit dem kompletten Kader vor Ort. Trotzdem finde ich ein solches Turnier gut, weil ein Wettkampf immer etwas anderes als Training ist. So bleibt man im Spielrhythmus.

Wie schätzen Sie die Gegner ein, zunächst den gut gestarteten Zweitligisten aus Fürth?

Ich kenne Trainer Damir Buric gut, weil er in Freiburg unser Co-Trainer war, dazu ein, zwei Jungs aus der Mannschaft. Ich glaube, dass sie gut besetzt sind, ohne dass ich mir jetzt jedes Spiel diese Saison angeschaut habe. Fürth ist ein Topteam aus der Zweiten Liga und ein guter Prüfstein.

Und die SG Sonnenhof Großaspach, gegen die es in der Vorbereitung einen 3:1-Sieg gab?

Das wollen wir natürlich wiederholen. Es hat wieder Testcharakter, unsere Formation wird aber eine ganz andere sein, weil viele Spieler unterwegs sind.

Nach der Länderspielpause geht es nach Freiburg, dann kommt Düsseldorf. Was muss in diesen zwei Spielen passieren und wie viele Punkte sollten es sein, damit sich die Lage in Stuttgart wieder positiv und ruhig darstellt?

Von Floskeln der Art „wenn nicht jetzt, wann dann“ halte ich nichts. Trotzdem wäre es für uns natürlich sehr wichtig, zu punkten – vor allen Dingen, um dann in Ruhe und mit Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen weiterarbeiten zu können. Daher sind die nächsten beiden Spiele schon wichtig, aber selbst wenn es schiefgehen würde, würden wir den Fußballbetrieb sicherlich nicht einstellen, sondern weiter daran arbeiten, dass es dann eben die Woche darauf passiert.

Was ist für den VfB Stuttgart in dieser Bundesliga-Saison nach der Euphorie der Vorbereitung und dem ernüchternden Start drin?

Schwer zu sagen, diese Frage ist für mich frühestens nach dem zehnten Spieltag zu beantworten. Die Liga ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, so unglaublich eng beieinander, dass es schwierig ist, das vorherzusagen. Man kann ganz schnell unten reinrutschen, wenn die Ergebnisse fehlen, aber auch ganz schnell wieder oben dabei sein, wenn die Resultate dann ein paar Mal in Folge passen.