Schule in den Sommerferien

Ferienunterricht der Mörike- und Tausschule Backnang und der Conrad-Weiser-Schule Aspach: Ein Konzept, das sich bewährt hat

Zwei Backnanger und eine Aspacher Schule beteiligen sich seit Jahren an einem Projekt, das sich bewährt hat. Die sogenannte Sommerschule. Und die Plätze sind begehrt, auch wenn der Unterricht in die Sommerferien fällt. Das Kultusministerium Baden-Württemberg fördert dieses Landesprogramm mit Anrechnungsstunden für die Lehrkräfte und Sachmittel.

Sommerschule an der Mörike-Gemeinschaftsschule: Drei Schulen kooperieren, drei Lehrkräfte der Mörikeschule kümmern sich um insgesamt 18 Schüler. Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

BACKNANG. Die Schüler sitzen im Klassenzimmer und melden sich, wenn sie etwas wissen oder fragen wollen. Alles wie an einem normalen Schultag. Nicht normal ist, dass dieser in der letzten Ferienwoche stattfindet und die Kinder trotzdem mit Eifer bei der Sache sind. Es wäre wohl der Idealzustand: Drei Lehrkräfte kümmern sich um 18 Schüler, intensiv und individuell.

Was im alltäglichen Schulbetrieb sonst nicht beziehungsweise nur unzureichend möglich ist, gibt es in der Sommerschule an der Mörike-Gemeinschaftsschule. Zusammen mit der Gemeinschaftsschule in der Taus und der Conrad-Weiser-Schule aus Aspach gibt es neben Unterricht in den Fächern Mathematik und Deutsch auch Sport- und Erlebnispädagogik.

Der 14 Jahre alte Govinda Elias Koresch ist bereits zum vierten Mal dabei. „Obwohl er eigentlich gar nicht mehr zur Zielgruppe der Sommerschule gehört“, wie Schulleiterin Karin Moll erklärt. „Den größten Anteil stellen dann auch die Schüler, die nach den Ferien in die 7.Klasse kommen“, ergänzt die Rektorin. Seit zwei Jahren ist Koresch der Kameramann, der die Woche mit einem Video festhält, das dann über die sozialen Medien der Mörikeschule abrufbar sein wird. „Ein bisschen traurig ist es schon, wenn die Freunde, die zu Hause sind, fragen, ob man Zeit hat“, sagt der Schüler. Aber ihm macht die Woche so viel Spaß, dass er gerne dabei ist. Dafür hängt er dann für das Schneiden und Vertonen des Videos sogar noch das Wochenende dran. Ein besonderes Highlight für ihn ist das gemeinsame Mittagessen: „Da kocht dann immer abwechselnd eine Gruppe für den Rest der Sommerschüler“, sagt Koresch.

Die 12-jährige Salina Necker ist dagegen zum ersten Mal dabei. „Man ist zwar ein wenig neidisch auf die Freunde, die noch Ferien haben, aber insgesamt lohnt sich die Woche“, was man ihr auch ansieht. Sie will im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein. „Man wiederholt hier in Deutsch und Mathematik Dinge, für die in der nächsthöheren Klasse keine Zeit mehr ist.“ Neben dem Lernen sind es für Necker auch die Angebote wie Basteln und Judo, die es ihr besonders angetan haben.

Eva-Maria Barthel, Ines Knauer und Markus Heckelmann sind die Lehrkräfte der Mörikeschule, die die Schüler über die ganze Woche unterrichten beziehungsweise betreuen. Während Knauer zum zweiten Mal dabei ist, ist für Heckelmann in diesem Jahr Premiere. Barthel hingegen ist sozusagen die Frau der ersten Stunde. Seit 2012 gibt es das Ferienangebot an der Mörikeschule und genauso lang ist sie mit von der Partie. Sie macht das „natürlich freiwillig“ und das Schönste für sie ist immer wieder, wenn die Schüler sagen: „Eigentlich sollte Schule immer so sein.“

Für ihren Einsatz erhalten die Lehrerinnen und Lehrer Anrechnungsstunden für das kommende Schuljahr. Aber das ist mit Sicherheit nicht die Motivation der drei, sich hier in den Schulferien zu engagieren. Mit wie viel Spaß sie bei der Sache sind, kann man unschwer in ihren Gesichtern ablesen. Auch zum Ende der Woche haben alle noch ein Lächeln im Gesicht. Nach einer Bedarfsanalyse haben die Kollegen dann auch individuelles Unterrichtsmaterial für die Schüler erstellt, damit jeder individuell gefördert werden kann. Drei Lehrkräfte für 18 Schüler. „Diese Verteilung wäre ein Traum für den normalen Schulunterricht“, schwärmt Barthel von den Arbeitsbedingungen während der Sommerschule. Barthel, Knauer und Heckelmann sind sich einig: „Wir werden auch im nächsten Jahr wieder dabei sein.“

Der absolute Lieblingstag der Schüler ist schon seit Jahren der vorletzte der Sommerschule. Da geht es mit dem Bus in den Murrhardter Wald. „Natur erfahren“ heißt hier das Thema, aber auch hier kommt der Spaß nicht zu kurz: Ein gemeinsames Grillen bildet den Höhepunkt des Tages. Organisiert wird der Tag von Michael Bicanic, einem von drei Schulsozialpädagogen an der Mörikeschule, der auch am ersten Tag die Gruppenfindungsübungen für die Schüler der drei Schulen durchführt.

Die Schulleiterin Karin Moll wünscht sich, dass dieses Angebot in Zukunft noch mehr Schüler in Anspruch nehmen. Sie sieht den Nutzen der Sommerschule vor allem darin, „die Schüler eine Woche früher dazuhaben“ und sie von der Einstellung her wieder an den bevorstehenden Schulalltag heranzuführen. Nicht ganz unerwähnt lassen möchte Moll an dieser Stelle auch, dass dieses Ganztagesangebot inklusive der Verpflegung für die Schüler aufgrund der Förderung durch das baden-württembergische Kultusministerium kostenlos ist.