Blick hinter sonst verschlossene Türen

„Tag des offenen Denkmals“ am morgigen Sonntag – Bundesweit haben viele historische Bauten geöffnet, 21 im Rems-Murr-Kreis

Der Stadt- und Chorturm in Backnang ist eines von 21 geöffneten Denkmälern im Rems-Murr-Kreis. Archivfoto: F. Muhl

Von Silke Latzel

WAIBLINGEN. Morgen findet bundesweit zum 25. Mal der „Tag des offenen Denkmals“ statt. Wie jedes Jahr darf die Öffentlichkeit dabei einen Blick hinter Türen und Tore werfen, die sonst verschlossen sind. Der Rems-Murr-Kreis liegt mit insgesamt 21 offenen Denkmälern im landesweiten Mittelfeld. In Backnang selbst können vier Denkmäler besichtigt werden, in Murrhardt zwei.

„Entdecken, was uns verbindet“ heißt das Motto des Tags des offenen Denkmals in diesem Jahr und bezieht sich damit explizit auf das Europäische Kulturerbejahr 2018. Das Motto zeigt, wie Denkmäler Brücken schlagen zwischen Baustilen, Regionen, Kulturen und Menschen. Die Besucher sollen auf ganz unterschiedliche Entdeckungsreisen in die Geschichte mitgenommen werden.

Wer drei der vier offenen Denkmäler in Backnang besichtigen möchte, kann sich um 11.30 und 14.30 Uhr den architekturhistorischen Stadtführungen unter dem Motto „Die Renaissance in Backnang“ anschließen. Der Treffpunkt ist die Platzfläche des Stiftshofs, Schauspieler Gerald Friese schlüpft dabei kostümiert in die Rolle des Landesbaumeisters Schickhardt. Die Führung schließt die Denkmäler Amtsgericht und ehemaliges Schloss, Stiftshof 11, das historische Rathaus und den Stadt- und Chorturm im Petrus-Jacobi-Weg 1 ein.

Während das Amtsgericht am Tag des offenen Denkmals nur mit einer Führung besichtigt werden kann, hat das Rathaus morgen zwischen 14 und 16 Uhr für Besucher geöffnet, der Stadt- und Chorturm zwischen 14 und 18 Uhr. Ein Denkmal, das sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, ist der Wasserturm, Dresdener Ring 68. Besichtigt werden kann er morgen zwischen 11 und 16 Uhr, Führungen werden nach Bedarf angeboten – also am besten einfach direkt vor Ort nachfragen, wenn Interesse besteht.

In Murrhardt stehen zwei Denkmäler zur Auswahl: das Kunstmaler-Atelier Carl Obenland, Lutzensägmühle 8, und die Michaelkirche, Hohenstein 4. Carl Obenland, geboren 1908, war Schüler von Franz von Stuck. In seinem Atelier werden viele Exponate und handwerkliche Utensilien ausgestellt. Geöffnet ist es von 10 bis 12.30 und 13.30 bis 17 Uhr.

In der Michaelkirche wird um 16 Uhr eine Führung zum Thema „Architektonische Geheimnisse“ angeboten.

Nicht im offiziellen Programm ausgewiesen, aber dennoch mit einem offenen Denkmal dabei, ist die Gemeinde Auenwald. Dort können Besucher der historischen Wasserversorgungsanlage im Däfernwald von 12 bis 15 Uhr eine technische Besonderheit, einen statischen hydraulischen Hochleistungswidder, am Eingang zur Lambachpumpe besichtigen. Die ehrenamtlich tätigen Pumpenmeister erklären die Geschichte und Funktion der besonderen Wasserfördermaschine.

Die Zufahrt ist ab dem Ortseingang Däfern ausgeschildert. Parkmöglichkeit gibt es an der Drehscheibe. Ab dort geht es zu Fuß auf dem unteren Sägmühlweg Richtung Mastwiesenquelle. Über einen Aufstieg erreicht man die Pumpstation. Empfohlen wird gutes Schuhwerk. Die Anlage kann mit Voranmeldung bei Hans Josef Janetzko oder Dieter Altmann, Telefon 07191/52047, im Betrieb gezeigt werden. Besucher, die den Weg zu Fuß nicht schaffen, haben die Möglichkeit, in Hohnweiler am Asangparkplatz eine statische Lambachpumpe mit Infotafel zu besichtigen.

Der „Tag des offenen Denkmals“ stammt ursprünglich aus Frankreich. 1984 ruft Jack Lang dort die „Journées Portes ouvertes dans les monuments historiques“ ins Leben. Aufgrund der großen Resonanz in der Bevölkerung folgen in den nächsten Jahren weitere Länder dem Beispiel. Im vergangenen Jahr öffneten am Tag des offenen Denkmals bundesweit mehr als 7500 historische Bauten, Parks und archäologische Stätten. Insgesamt rund 3,5 Millionen Besucher zählen die Veranstalter bei den Denkmälern und Themenführungen. In Baden-Württemberg liegt der Rems-Murr-Kreis mit 21 geöffneten Denkmälern im Mittelfeld der Landkreise. Spitzenreiter ist der Kreis Esslingen mit 65 Denkmälern, dicht gefolgt vom Kreis Ludwigsburg mit 62 Denkmälern. Das Schlusslicht bildet der Kreis Sigmaringen mit nur zwei Denkmälern.