Landebahn wird zum Laufsteg

Premiere: Erstmals Oldtimertreffen auf dem Flugplatz Backnang-Heiningen – Rund 1000 betagte Autos, Lkw und Motorräder – Nur Hubschrauber in der Luft

„Oldtimer trifft Flugplatz“: So nennen die Veranstalter das Fest, das am Wochenende viele Besucher anlockte. Stolze Besitzer von historischen Fahrzeugen, die mindestens 30 Jahre alt sein müssen, zeigen ihre Schätze und die Sonne strahlt dazu. Am Ende waren es 1000 Oldtimer, die die Besucher an den beiden Tagen bewundern konnten.

Bei der Nachfolgeveranstaltung des Fliegerfests in Heiningen blieben die Flugzeuge am Boden. Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

BACKNANG. Auf den Tag genau sechs Jahre ist es her, als beim Fliegerfest in Heiningen drei Menschen ums Leben kamen und eine Frau schwerste Verletzungen erlitt. Seitdem gibt es die Veranstaltung in dieser Form nicht mehr. Im vergangenen Jahr hat sich der Luftsportverein Backnang entschieden, das traditionelle Familienfest am letzten Wochenende der Schulferien mit einem neuen Konzept wieder auf die Beine zu stellen. „Allerdings nicht als Flugtag“, wie Matthias Greber sagt. Was beim ersten Versuch aufgrund des Wetters abgesagt werden musste, feierte nun an diesem Wochenende Premiere.

„Zum ersten Mal gibt es jetzt ein Oldtimertreffen auf der Landebahn unseres Flugplatzes“, sagt Greber, seit 2002 im Verein und seit März Vorsitzender desselben. Und diese Landebahn war bereits am Samstag mit so vielen Autos, Lastwagen und Motorrädern gefüllt, dass sich selbst die Organisatoren überrascht zeigten. Eine genaue Zahl der Fahrzeuge lässt sich nicht ermitteln. „Die Teilnehmer mussten sich nicht anmelden und können auch kommen und gehen, wie sie wollen“, erklärt Matthias Greber, während gleichzeitig immer mehr Fahrzeuge auf die Landebahn rollen.

„Auf unserem Geschicklichkeitsparcours konnten die Fahrer zeigen, wie gut sie ihr Auto einschätzen können“, sagt Mario Trippl, der Oldtimer-Spezialist im Verein und einer der vielen Organisatoren der Veranstaltung. „Zunächst musste durch zwei Tonnen hindurch manövriert werden und das bei möglichst gleichem Abstand nach links und rechts“, erläutert Trippl. Das Vorwärts- und Rückwärts-Einparken mit einem Abstand von 50 Zentimetern zum Hindernis war dann eine richtige Herausforderung. Zwischen 20 Zentimetern und 1,3 Metern hatte sich der eine oder andere dann schlicht verschätzt.

Den Abschluss des Parcours bildete ein Rundkurs, der zweimal durchfahren werden musste. „Und das mit der möglichst gleichen Geschwindigkeit“, wie Trippl lächelnd anmerkt. Alle Abweichungen ergeben Strafpunkte und der Fahrer mit den wenigsten gewinnt einen Rundflug.

Mario Trippl besitzt natürlich auch selbst Oldtimer. Auf einen ist er besonders stolz: „Mir gehört das Cadillac DeVille Cabrio“, sagt er stolz. Ein Fahrzeug aus dem Jahr 1969, das in vielen Hollywood-Filmen zu sehen ist und auch in vielen Musiktiteln Erwähnung findet.

Dieter Braun von der gleichnamigen Motorentechnik-Firma aus Benningen und Mitglied des Luftsportvereins hat ein echtes Schmuckstück mitgebracht. Einen von insgesamt fünf Nachbauten des Benz-Patent-Motorwagen Nummer 1. „Das Original wurde 1886 gebaut und steht heute im Daimler-Museum in Stuttgart“, sagt Braun. Dieses von Carl Benz erbaute dreirädrige Fahrzeug gilt als der erste praxistaugliche Kraftwagen der Welt und setzte somit die Geburtsstunde des modernen Automobils.

Auf der Landebahn war derweil Fachsimpeln angesagt. Bei nahezu jedem Fahrzeug bildeten sich schnell Gruppen, die ihre Erfahrungen austauschten. Eines der vielen Hingucker und durch den Klang seines Motors nicht zu überhörendes Fahrzeug ist ein Jaguar Dunsmore. „Ein Nachbau im Stil der 30er-Jahre, der 1956 entstanden ist“, wie der Besitzer Gotthold Müller erzählt. Weltweit gibt es von diesem Nachbau nur noch zwölf Exemplare. Auf die Frage nach dem Wert des Autos weicht Müller aus: „Das möchte ich eigentlich nicht sagen. Aber ich würde ihn sowieso nicht hergeben.“

Einer, der sein Fahrzeug zum Verkauf anbietet, ist der Stuttgarter Pino Nuzzo. Es ist ein Fiat 500 Topolino B aus dem Jahr 1951, der zu den Erstauslieferungen in Deutschland gehörte. Der Italiener möchte zwischen 26000 und 29000 Euro für dieses Fahrzeug haben. „Aber ich will ihn eigentlich nicht verkaufen“, sagt er und ergänzt: „Wenn ich diesen verkaufe, würde ich mir wieder so einen zulegen. Zum Auf- und Ausbau.“ Denn das ist die große Leidenschaft von vielen, die an diesem Tag ihre Fahrzeuge zeigen.

Eines der ältesten Fahrzeuge auf der Landebahn hat Manfred Vogt mitgebracht. Einen Mercedes W21 Lang aus dem Jahr 1936 mit einem Maybach-Getriebe. Die Limousine war im Deutschen Reich als Kraftdroschke, also als Taxi weit verbreitet.

Neben den Autos gab es auch noch Lastwagen von Kaelble und verschiedene Motorräder aus vergangenen Tagen zu bewundern. Auch Flugzeuge wurden gezeigt. „Allerdings keine Oldtimer“, wie der Vereinsvorsitzende Greber betont.

Auch das Rahmenprogramm, das die Vereinsmitglieder auf die Beine gestellt hatten, konnte sich sehen lassen. Fachvorträge für Luftfahrtinteressierte gehörten ebenso zum Programm, wie diverse Stände zum Thema fliegen. Und wer testen wollte, ob er zum Astronauten taugt, hatte an einem Astronautentrainer, wie ihn auch die NASA benutzt, Gelegenheit, das zu tun. Die Veranstaltung wird auch nicht ohne Wiederholung bleiben. „Wir haben vor, ‚Oldtimer trifft Flugplatz‘ auch im kommenden Jahr durchzuführen“, verrät Mario Trippl.

Geflogen wurde dann doch noch: Gestern konnten Besucher bei Hubschrauber-Rundflügen einen Blick von oben auf die Backnanger Bucht und auf das Familienfest des Luftsportvereins werfen.