Musik, die Grenzen überschreitet

Deutsch-Nepalische Hilfsgemeinschaft veranstaltet großes Nepal-Benefizkonzert mit Jazz im Backnanger Waldheim

Bereits zum dritten Mal gibt Crosstalk ein Benefizkonzert in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft und dem Waldheim-Verein Backnang. Foto: T. Sellmaier

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. In Nepal ist auch drei Jahre nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe noch viel Wiederaufbau zu leisten. Dieser Aufgabe und anderen Projekten widmet sich die Deutsch-Nepalische Hilfsgemeinschaft (DNH). Im Biergarten des Backnanger Waldheims wurde ein Benefizkonzert mit der Band Crosstalk veranstaltet.

Gebetsfahnen sind im Biergarten der Gaststätte Waldheim aufgehängt. Karl Kutasi von der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft informiert die Besucher, dass jede Farbe und auch die Reihenfolge eine bestimmte Bedeutung haben. Ein Infostand ist aufgebaut, an dem Artikel aus dem Land am Fuß des Himalajas verkauft werden. Die Einnahmen kommen den Hilfsprojekten zugute.

Bereits seit 1979 gibt es die Deutsch-Nepalische Hilfsgemeinschaft mit Sitz in Stuttgart, so Brigitte Menrad, Beisitzerin im Vorstand des Vereins. Ein Großteil der Arbeit ist die Betreuung von 62 Bergschulen, an denen Kinder unterschiedlichen Alters jeweils in der gleichen Klasse nach der Lehrmethode MGML (Multi Grade Multi Level) unterrichtet werden. Oftmals helfen sich die Kinder gegenseitig. Für den Verein gilt das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.

In einem vereinseigenen Lernzentrum werden Lehrer geschult. Ein nepalesisches Mitarbeiterteam koordiniert das Ganze vor Ort. Nach dem Erdbeben 2015 waren 40 Bergschulen zerstört. Noch in diesem Jahr werde alle mithilfe von Spenden wieder aufgebaut sein, informiert Brigitte Menrad. Ein weiterer Schwerpunkt der Hilfsgemeinschaft liegt auf der medizinischen Versorgung. Seit den Erdbeben werden mit Unterstützung nepalesischer Ärzte regelmäßig Health Camps an den entlegenen Standorten der Bergschulen durchgeführt. Im Bir Hospital in der Hauptstadt Kathmandu wurde eine „Armenapotheke“ eingerichtet, an der bedürftige Personen unentgeltlich lebensnotwendige Medikamente und medizinische Materialien erhalten.

Spenden sind für diese Projekte natürlich wichtig. Die Benefizkonzerte tragen zudem dazu bei, die Arbeit des Vereins bekannt zu machen. „Auch in diesen Zeiten dürfen Länder wie Nepal nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Karl Kutasi. „Die Musik bringt die Leute zusammen.“ Gleich nach der Erdbebenkatastrophe sind die Musiker von Crosstalk auf den Verein zugekommen und haben gesagt: „Wir spielen für Nepal.“ Bereits zum dritten Mal geben sie ein Benefizkonzert in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft und dem Waldheim-Verein Backnang. Aus verschiedenen musikalischen Richtungen haben sich die fünf Musiker zusammengefunden und die Musikstile Jazz, Rock, Blues und Latin in der Formation Crosstalk zusammengefügt. Jazz-Standards sind dabei, wie „Cantaloupe Island“ bei denen das Saxofon von Thomas Störk im Vordergrund steht. Der hervorragende Gitarrist Werner Dannemann bringt Rock und Blues ins Spiel. Mal ist er der Sänger, dann Keyboarder Wolfgang Schiller, etwa beim Song „You Don’t Love Me“, bei dem er zwischen dem Gesang zur Mundharmonika greift. Aus dem Stück „Take Five“ von Dave Brubeck machen die Musiker eine Jazz-Rock-Version. Peter Nagel am Schlagzeug und Benedikt Lerch mit seinem singenden Bass komplettieren die Band. Auch Eigenkompositionen von Werner Dannemann sind dabei, wie der Rocktitel „To the Max“. Die Musiker begeistern das Publikum mit gekonnten Soli.

Drei Stunden lang genießen die Besucher das Benefizkonzert bei strahlendem Spätsommerwetter. Manche sind gekommen, weil sie einen persönlichen Bezug zu Nepal haben, wie Gerlinde und Wolfgang Schonert aus Backnang. Fünf Monate haben sie in Nepal gelebt, da Wolfgang Schonert dort beruflich tätig war. Beate Straßacker hat sich Anfang der 1980er-Jahre über ein halbes Jahr in Nepal aufgehalten und ist 2017 mit Klaus-Peter Herzberg noch einmal in das Land nördlich von Indien gereist. Sie möchten die Hilfsgemeinschaft unterstützen, sind aber auch ganz gezielt wegen der Band Crosstalk nach Backnang gefahren. Andere kommen zum ersten Mal mit dem Thema Nepal in Berührung und genießen einfach die gechillte Open-Air-Atmosphäre unter den alten Kastanienbäumen im Biergarten des Waldheims.

Rund 670 Euro sind an Spendengeldern zusammengekommen, und eine Überweisung in Höhe von 2000 Euro wurde von einem Besucher zugesagt.