Die Gesichter der Wassertretbecken

Ob komfortabel, passabel, naturnah oder exotisch: Die Kneippanhänger kommen im Raum Backnang auf ihre Kosten

Kneippanhänger nutzen regelmäßig die Wassertretbecken in der Umgebung. Die Anlagen werden aber auch von Radfahrern oder Spaziergängern genutzt, die zufällig vorbeikommen. Besonders an heißen Tagen eine willkommene Erfrischung. Zum Teil werden die Anlagen von Bürgern in ehrenamtlicher Arbeit sauber gehalten. Dies ist etwa bei den Kneippbecken am Heppsee in Backnang und beim Sporterlebnispark in Allmersbach im Tal der Fall.

Bürger pflegen das Kneipp-Areal bei den Heppseen. Nun waren Manfred Föll (vorne) und Bernhard Belz an der Reihe. Fotos: A. Becher (2), I. Knack (1)

Von Ingrid Knack

BACKNANG/ALLMERSBACH IM TAL. Bei einem Ausflug entdeckt Familie Lang aus Burgstetten die in den Sporterlebnispark in Allmersbach im Tal integrierte Anlage mit Barfußpfad und Kneippbecken. Der elfjährige Jan, seine achtjährige Schwester Maren und Mutter Silke Lang genießen es sichtlich, hier zu sein. Dass es überdies einen Barfußpfad gibt, erhöht den Spaßfaktor. Jan kennt auch den Barfußpfad beim Erlebnispark Tripsdrill, den er ebenfalls gut findet. Dennoch kommt er zum Schluss: „Der ist besser. Einen Matsch, wie wir’s hier haben, gibt es dort nicht.“ Silke Lang bemerkt: „Das Armbad finde ich auch cool.“

Die Anlage lässt praktisch keine Wünsche offen. Dass es obendrein außerordentlich gesund ist, seine Freizeit ab und an kneippend zu verbringen, darauf weisen die Tafeln im Kneippbereich hin. Auf ihnen steht, wie man’s mit dem Wassertreten richtig macht. „Im Storchenschritt abwechselnd einen Fuß nach dem anderen ganz aus dem Wasser ziehen (Lufttemperatur) und wieder ins Wasser setzen (Wassertemperatur). Somit setzen wir Temperaturreize. Nach 30 bis 60 Sekunden das Wasser abstreifen und warmlaufen, danach die Socken anziehen.“ Kneippen regt auf alle Fälle den Kreislauf an und stärkt zugleich die Durchblutung und das Immunsystem.

Berg- und Wanderfreunde

bauten die Anlage und

sorgen für die Sauberkeit

Das kalte Armbad, so ist auf einer der Tafeln zu lesen, werde als Linderungsmittel bei unruhiger Herztätigkeit, als Ableitung bei Kopfschmerzen und zur Anregung der Blutzirkulation geschätzt. „Sehr beliebt ist es auf Wanderungen, um die Hitze im Kopfbereich abzuleiten, es wirkt auch Blutdruck regulierend.“ Komplettiert wird das Ganze durch eine genaue Anleitung und einen Hinweis, bei welchen Beschwerden man eher vorsichtig sein sollte. Die Becken werden mit Leitungswasser gespeist, sie sind an die Wasserversorgung angeschlossen.

Es sind die Berg- und Wanderfreunde Allmersbach im Tal, die sich der Sauberkeit des Areals annehmen. Sie waren es auch, die das Kneippbecken 2008 innerhalb von vier Monaten in Eigenleistung errichteten. Die Kommune kam für das Material auf. Zudem wurde noch für einen hohen Komfortfaktor an heißen Tagen gesorgt: Mangels Schatten spendenden Bäumen hat man eine Art Sonnensegel angebracht.

Ortswechsel: Seit 20 Jahren pflegt der Freundeskreis Hepp des Vereins Strümpfelbach aktiv die Anlage bei den Backnanger Heppseen. Doch schon davor hatten sich Strümpfelbacher Bürger um das Wassertretbecken gekümmert, weiß Marlies Weller vom Verein Strümpfelbach aktiv. In der Kneippsaison wird das Becken immer freitags geputzt. Jede Woche ist eine andere, in der Regel dreiköpfige Gruppe an der Reihe. Das Zehnjährige des Freundeskreises Hepp wurde im Sommer 2008 mit einem Gesundheitstag gefeiert. Rund zwei Jahrzehnte sind es nun her, dass Marlies Weller den Freundeskreis Hepp initiiert hat. Immer wieder gab es zuvor Verwüstungen in dem Bereich um den Rastplatz, Feiernde hinterließen Glasscherben – selbst im Kneippbecken mit bestem Quellwasser. Die Gefahr, dass sich jemand verletzt, bestand viel zu oft.

Der Freundeskreis Hepp

schloss einen Patenschaftsvertrag

mit der Stadt

Dass die Vandalen gewinnen und die Stadt aus dem Kneipp- ein Pflanzbecken macht – derlei Überlegungen gab es tatsächlich – wollte Weller nicht hinnehmen und sammelte Unterschriften für den Erhalt der Anlage. Nur eine halbe Stunde dauerte es, und 60 Gleichgesinnte hatten unterzeichnet. Am 12. Mai 1998 wurde ein Patenschaftsvertrag mit der Stadt geschlossen. Seither kümmern sich Freiwillige darum, dass der Bereich um den Theodor-Hepp-Brunnen und das Wassertretbecken nicht vermüllt wird.

Auch in Weissach im Tal gibt es eine besondere Geschichte rund um das Kneippbecken. 2007 zeichnete sich ab, dass es doch noch was aus der Anlage am Brühlweg wird, einem lang gehegten Wunsch der Bevölkerung – lange Zeit hatte es nicht danach ausgesehen. Das Gesundheitsamt forderte Trinkwasserqualität für das Nass im Becken. Keiner komme doch auf die Idee, das Wasser zu trinken, in dem andere ihre Füße baden – ärgerliche Äußerungen wie diese gab es daraufhin im Gemeinderat. Keine Gnade zeigten indes die Hüter über die Gesundheit. Schwamm drüber, heute erfreuen sich vor allem passionierte Kneipper an dem Becken im Brühlweg. Erbaut wurde es 2009 bei einem Internationalen Jugendworkcamp von zwölf Jugendlichen aus Frankreich, Italien, Tschechien, Litauen, Spanien, der Slowakei und Deutschland sowie Mitarbeitern des Bauhofs, die fortan für die Pflege verantwortlich zeichnen. Die Einweihung war 2010. Finanziert wurde das Projekt durch Gemeindegelder und Spenden. Das Wasser im Becken kommt aus der Küblersquelle im Waldgebiet „Im Blütengarten“.

Und dann gibt es noch die Exoten unter den Wassertretbecken. Die reizvolle Variante: In der Gemeinde Großerlach existiert ein Wassertretbecken am Besucherbergwerk Silberstollen. Es wurde als „naturnahes“ Kneippbecken angelegt. Dabei handelt es sich um ein kommunales Naturparkprojekt. „Also kein üblicherweise ausbetoniertes Becken mit Fliesen und Co., sondern mit Kiesboden und Natursteineinfassung“, so Bürgermeister Christoph Jäger. Das Wassertretbecken war nach einer Planskizze des Rathauschefs im Sommer 2004 gebaut worden. Die Pflege und Unterhaltung übernimmt auch hier der Bauhof. Das Wasser kommt über den Nebenstollen im Silberbergwerk.

Die rustikale Variante: Noch exotischer kommt das Naturwassertretbecken bei der Seufzerquelle in Oppenweiler daher. Das Kneippbecken hat schon bessere Tage gesehen, als sich Patienten der Klinik Wilhelmsheim darum kümmerten. Selbst Wasserspiele habe es im oberen Becken gegeben, weiß Oppenweilers Bürgermeister Bernhard Bühler. Aber dann wurden die Becken der Natur überlassen. „Seit wir den Waldkindergarten in der Nähe haben, nutzen wir das ein bissle“, sagt Bühler. „Die Kinder haben da viel Spaß.“ Als Kneippbecken wolle die Kommune die Anlage allerdings nicht in Betrieb halten. Neben der Verkehrssicherheit spielten Auflagen in puncto Wasserqualität eine Rolle. Der Kontrollaufwand sei zu hoch. Die Natur freut sich.