Eine heiße, nicht ganz einfache Saison

Murrhardter Freibad hat mit Blick aufs Wetter vergleichsweise früh zugemacht – Hintergrund: Angespannte Personalsituation

Eigentlich haben die Voraussetzungen gestimmt: Ein schon etwas unheimlich heißer Sommer traf auf ideale Bedingungen für eine richtig gute Saison im Murrhardter Freibad. Denn die Stadt hatte sich dafür entschieden, eine zweite Bäderfachkraft einzustellen. Die richtige Entscheidung, auch wenn die Freibadsaison sich doch als nicht so einfach herausgestellt hat. Deshalb haben Stadtwerke und Förderverein sie am Sonntag beendet.

Der letzte Saisontag ist für Sabine Kümmel-Weiß, Ronny Burmeister und Schwimmmeister Jens Bachmann (von links) vergleichsweise ruhig. Das war während der Hochzeiten in den Ferien und der sehr heißen Sommertage durchaus anders. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Mit der Einstellung von Jens Bachmann als neue, zweite Bäderfachkraft waren die Stadtwerke eigentlich angetreten, um in der Hochzeit – Juni, Juli und August – bei entsprechenden Temperaturen und gutem Besuch, das Freibad Murrhardt abends auch mal länger geöffnet zu lassen. Bereits im Vorjahr hatte sich abgezeichnet, dass die Situation mit nur einer Fachkraft – Schwimmmeister Jahn Lübkemann – auf Dauer zu schwierig ist, weil auch der engagierteste Mitarbeiter mal eine Auszeit, sprich einen freien Tag braucht. „Wir wollten den Wünschen der Badegäste nachkommen, auch mal länger aufzulassen, und gleichzeitig gute Arbeitsbedingungen für das Personal gewährleisten“, erklärt Rainer Braulik, Erster Beigeordneter und Geschäftsführer der Stadtwerke.

Damit hat es bedauerlicherweise nicht geklappt. Ein Betriebsunfall von Jahn Lübkemann führte dazu, dass er als Mitarbeiter in den vergangenen acht Wochen nicht zur Verfügung stand. Der neue Kollege, Schwimmmeister Jens Bachmann, hat insofern auch eine in jeglichem Sinne heiße Saison mit einem enormen Arbeitspensum hinter sich. Die Stadtwerke haben sich mit verschiedenen Konstruktionen über Wasser gehalten, wie Rainer Braulik berichtet. Zum einen habe man zeitweise Unterstützung durch eine Fachkraft aus Gschwend sowie einen ehemaligen Mitarbeiter gehabt, zum anderen bei der Präsenz von erfahrenen Rettungsschwimmern im Ausnahmefall auch mal mit der Rufbereitschaft der Fachkräfte gearbeitet. „Unser Versprechen längerer Öffnungszeiten konnten wir aber nicht einlösen und haben beschlossen, die Saison zu beenden, obwohl es bis Mitte der Woche ja noch recht warm und schön werden soll.“

Zwar war die Situation durch den Unfall Lübkemanns eine besondere, hätten die Stadtwerke sich aber nicht zur Einstellung eines weiteren Kollegen entschlossen, wäre man in echte Schwierigkeiten gekommen und hätte möglicherweise schließen müssen. Nach der Erfahrung von Rainer Braulik sieht es mit Blick aufs Fachpersonal für kleinere Bäder sowieso nicht unbedingt rosig aus. Dem Fachkräftemangel in diesem Bereich möchten Stadt und Stadtwerke dadurch begegnen, dass sie mit der zusätzlichen Einstellung von Schwimmmeister Jens Bachmann nun auch eine Ausbildungsstelle anbieten können.

Ebenso unterstützen möchte man das Engagement der Rettungsschwimmer, die für die Freibadsaison ebenso wichtig waren und sind. In Hochzeiten, wenn an einem Tag, insbesondere am Wochenende, viele Hundert Besucher ins Murrhardter Freibad kommen, kann auch die beste Bäderfachkraft nicht alles im Blick behalten. In der Regel sind dann zwei oder drei Rettungsschwimmer zusätzlich im Einsatz, erläutert Rainer Braulik. Viele hätten einen DLRG-Hintergrund, aber der sei nicht zwingend, letztlich müsse man einfach eine entsprechende Prüfung absolvieren.

Angesichts der heißen Saison waren Stadtwerke und Ehrenamtliche mit einzelnen Besuchern konfrontiert, die wenig Verständnis für den personellen Engpass mitgebracht und sich auch beschwert hätten, das kann Rainer Braulik aber aus Sicht eines Badegastes nachvollziehen.

Auch wenn das Murrhardter Freibad unter den geschilderten Bedingungen abends nicht verlängert hat, fällt die Bilanz doch gut aus, was dem heißen Sommer geschuldet ist. „Wir hatten eine gute Saison“, sagt Rainer Braulik. Im Vergleich zu den Vorjahren kamen grob geschätzt 30 Prozent mehr Besucher ins Murrhardter Freibad – an die 55000 Gäste –, unter ihnen auch viele Familien. „Woanders hat man’s auch gar nicht mehr ausgehalten“, war eine Feststellung, die Rainer Braulik des Öfteren in diesem Zusammenhang begegnet ist.

Insofern hofft er, dass die Mehrkosten durch die Einstellung einer zweiten Fachkraft von rund 30000 Euro sich zumindest teilweise tragen. Als Betreiber mit Unterstützung des Freibadfördervereins arbeiten die Stadtwerke an einer Möglichkeit der Refinanzierung: Sie wollen die Kooperation mit Bädern in anderen Kommunen der Region ausbauen und intensivieren. Die Überlegung dahinter: So könnte man in der Zeit, in der das Freibad geschlossen hat, die Fachkräfte an andere Bäder „ausleihen“.