Heimatliebe und Geschichtsbewusstsein

Präsentation des Bildbands „Backnang – Eine Zeitreise in historischen Bildern“ von Peter Wolf im Helferhaus

Das neue „Zeitreise“-Buch von Peter Wolf liegt vor. Der Band mit zahlreichen historischen Bildern von Backnang wurde am Dienstagabend im Helferhaus vorgestellt. Gastgeber war der Heimat- und Kunstverein.

Die Restauration Friedenslinde gab es von 1887 bis 1922 in der Erbstetter Straße 2 in Backnang. Dort textete Reichsbahnrat Hermann Sinn das Backnanger Lied. Repro: P. Wolf

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Innerhalb von zwölf Jahren hat der Diplom-Fotodesigner Peter Wolf drei Bände mit historischen Aufnahmen der Stadt Backnang herausgebracht, und es sollen weitere folgen. Wolf versteht diese Bücher als eine Art Katalog zu seiner Ausstellungsreihe „Backnang im Zeitspiegel“, er möchte sich mit den Menschen, die sich für Backnangs Geschichte interessieren, weiterhin auf die Spuren der Vergangenheit begeben und dazu anregen, weiter zu recherchieren.

Band1 erschien im Jahr 2006 unter dem Titel „Arbeit und Leben in Backnang“, Band2 hieß „Streifzüge durch Backnang“ und kam 2016 heraus. Der jetzt neu herausgebrachte Band3, „Backnang – Eine Zeitreise in historischen Bildern“, wurde der interessierten Öffentlichkeit im Helferhaus vorgestellt. „Voll hier, aber gemütlich“, konstatierte Ernst Hövelborn angesichts des rappelvollen Helferhaus-Foyers. Hövelborn ist seit 1979 Vorstand des Heimat- und Kunstvereins und wird von Wolf „als Mentor, aber auch als Freund und sachkundiger Ratgeber“ geschätzt.

„Backnang war früher schöner“, dies habe eine Bewohnerin der Stadt ihm nach dem Betrachten des Bildbandes gesagt. Hövelborn sprach von der Fähigkeit des Fotografen, „etwas schön zu machen“, und merkte an, dass man das Hässliche auf Bildern selten sieht – den für die Gerberstadt früher alltäglichen Gestank sowieso nicht. Aber auch den Straßendreck „sieht man weniger auf den Fotos“, fügte Hövelborn augenzwinkernd an und zitierte in gewohnt humorvoller Manier aus dem von Reichsbahnrat Sinn vermutlich 1906 gedichteten „Backnanger Nationallied“: „Ganget mer mit Asphaltpflaster, / mit Zement ond Plättla weg, / nex goht über onsern schöna, / weicha, dicka Stroßadreck!“ Der Reiz der Fotografie bestehe darin, dennoch in die alte Stadt eintauchen zu können, erläuterte Hövelborn und würdigte Wolfs dokumentarische Arbeit als sehr wertvoll. Ebenfalls zu Wort kam Andreas Ströbel, der Marketing- und Vertriebsleiter des Erfurter Sutton-Verlages ist, und sich „hier schon langsam zu Hause“ fühlt. Alle drei Bücher Wolfs sind in diesem Verlag erschienen. Der jüngste Band gebe Anlass zur Erinnerung an verschwundene und veränderte Dinge. Beispielsweise habe das heute in der Stadt allgegenwärtige Fachwerk erst seit dem Bestehen einer funktionstüchtigen Feuerwehr allmählich freigelegt werden können. Auch Ströbel lobte Peter Wolfs Arbeit des Suchens, Fahndens und akribischen Recherchierens: „Bilder sind historische Quellen und anders kaum ersetzbar.“ Die sogenannte gute alte Zeit sei vielleicht „nicht sooo gut“ gewesen, auch davon legten die Bilder Zeugnis ab. Er forderte die Backnanger auf, ihre Bilder von anno dazumal doch für Projekte wie dieses zur Verfügung zu stellen, damit sie nicht einmal von Nachfahren entsorgt werden und so für immer verloren gingen.

Peter Wolf selbst freute sich über den großen Besucherandrang anlässlich der Präsentation seines Buches: „Eigentlich sollte ich jetzt sprachlos sein.“ Er dankte dem Verein und seinem Verlag, vor allem aber auch den vielen Bürgern, die ihm Fotografien zur Verfügung stellten, und gab ein wenig Einblick in die Entstehungsgeschichte des aktuellen Bildbandes. Immer wieder habe er neue Bilder bekommen, sodass sein Projekt insgesamt elf Versionen durchlief, bevor es zum Abschluss kam. Spannend findet der Autor es, „wie viele Varianten es zu einem Bild mitunter gibt“, und wie sehr ein einziges Gebäude das Stadtbild verändern kann – Stichwort: Kreissparkasse.

Wolf freut sich auch über die vom Sutton-Verlag getroffene Wahl des Titelbildes von der Küferei Friedrich Haar, zumal er täglich mindestens zweimal an jener Stelle vorbeikommt. Und er erinnert sich gern an eine betagte Dame, die von einem Verwandten, der sich die Ausstellung im Kabinett des Helferhauses mit historischen Fotografien von der Schillerstraße angeschaut hatte, in das Domizil des Heimat- und Kunstvereins geholt wurde. Einen ganzen Nachmittag habe die Frau in den Räumen des Helferhauses verbracht und sei dort regelrecht aufgeblüht.

Wenn Peter Wolf davon erzählt, ist zu spüren, wie sehr er seine Arbeit liebt. Deshalb freut er sich auf ganz viele „neue alte Fotos“ und versichert den Backnangern, dass sie ihre Schätze zurückbekommen können, nachdem er sie eingescannt hat. Seinen geneigten Leserinnen und Lesern wünschte der engagierte Fotokünstler abschließend ganz viel Vergnügen mit dem Buch und „dass Sie Dinge finden mögen, die Sie persönlich betreffen“. Vor und nach dem offiziellen Teil standen die Besucher Schlange, um sich das Buch signieren zu lassen.