Muntere Wortwechsel vor 350 Zuhörern

BKZ-Wahlpodium Aspach: Welte-Hauff hat eine Vision von der Aspacher Mitte, Schopf will Leerstände für Wohnraum aktivieren

Ende November verabschiedet sich Rathauschef Hans-Jörg Weinbrenner nach 24 Dienstjahren aus seinem Amt. Die Aspacher müssen deshalb am 30. September einen neuen Bürgermeister wählen. Die beiden wohl aussichtsreichsten Bewerber, Sabine Welte-Hauff und Wolfgang Schopf, stellten sich am Dienstagabend beim BKZ-Wahlpodium vor rund 350 Besuchern den Fragen von Redaktionsleiter Kornelius Fritz.

Das BKZ-Wahlpodium zur Bürgermeisterwahl stieß bei den Aspachern auf großes Interesse. Die Hardtwaldhalle war gut gefüllt, nur wenige Sitze blieben leer. Fotos: A. Becher

Von Armin Fechter

ASPACH. Vier Themenblöcke machte Redaktionsleiter Fritz bei der Veranstaltung in der Kleinaspacher Hardtwaldhalle auf: Ortsentwicklung/Verkehr, Wohnen/ Infrastruktur, Sonnenhof und Bürgerbeteiligung/Bürgerservice. Sie bildeten den inhaltlichen Schwerpunkt.

Ortsentwicklung/Verkehr: In Großaspach fehlt eine richtige Ortsmitte, ein Dorfplatz mit Aufenthaltsqualität. „Halten Sie so etwas für machbar, oder sind das unrealistische Träumereien?“, wollte Fritz von den Bürgermeister-Aspiranten wissen. Welte-Hauff sieht darin eine ihrer Visionen: „Die Aspacher Mitte steht schon gedanklich“ – im künftigen Sanierungsgebiet am Klöpferbach oder beim Lamm, wo es ein schönes Arrangement von Gebäuden gebe. Allerdings sei die Gemeinde nicht im Besitz der Flächen.

Auch Schopf will sich hinter das Vorhaben klemmen, zuerst aber müsse man die Verkehrsprobleme lösen. Eines davon ist der Ausbau des Autobahnzubringers. Schopf will, da es sich um eine Landesstraße handelt, die Abgeordneten in die Pflicht nehmen. Zugleich hielt er fest, dass in puncto Aufstufung zur Bundesstraße gerade gar nichts läuft. Darauf aber setzt Welte-Hauff, um mit Bundesmitteln mehr für den Lärmschutz zu erreichen. Überhaupt müsse man rasch in die Planung einsteigen, denn ein Planfeststellungsverfahren für eine leistungsfähige Abmündung von der B14 laufe über Jahre: „Da kann man nicht warten.“

Was die gesperrten Ein- und Ausfahrten zur L1115 in Großaspach betrifft, will Welte-Hauff mit der Stadt Backnang als Verkehrsbehörde einen Kompromiss suchen, um wenigstens das Herausfahren für Rechtsabbieger zu ermöglichen. „Das muss möglich sein“, fordert auch Schopf, der ferner dafür ist, dass der Gemeinderat in der Verkehrskommission beteiligt und die vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft auf den Prüfstand gestellt wird.

Der Mangel an Gewerbebauflächen – in einer aktuellen Umfrage haben die Aspacher Gewerbetreibenden laut Welte-Hauff einen Bedarf von 8,8 Hektar angemeldet – soll nach Schopfs Vorstellungen mit einer Erweiterung im Forstboden beseitigt werden. Begrenzte Möglichkeiten, um den größten Druck aufzufangen, bieten sich entlang des Autobahnzubringers, erklärte Welte-Hauff. Für den weiteren Bedarf müsse man wohl auf die andere Seite der L1115 gehen – doch dazu müsse erst Klarheit über den Straßenausbau bestehen, wie auch Schopf einräumte. Ein weiteres interkommunales Gebiet zusätzlich zu den Lerchenäckern kann sich Welte-Hauff nicht vorstellen.

Wohnen/Infrastruktur: Dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum will Welte-Hauff mit Geschosswohnungsbau innerorts begegnen, insbesondere im Sanierungsgebiet in Großaspach. Man brauche aber auch ressourcenschonende Baumöglichkeiten für Einzelhäuser am Ortsrand, um für junge Familien attraktiv zu bleiben. Schopf will zusätzlich Leerstände aktivieren, um mehr Mietwohnungen bereitzustellen, eventuell mit der Gemeinde als Mieter. Man dürfe aber nicht nur Großaspach im Auge haben, sondern müsse auch in den Ortsteilen verdichten und Baugebiete ausweisen. Welte-Hauff widersprach: Sie habe noch nicht viel leer stehenden Wohnraum gesehen, Potenzial gebe es hingegen in Nebengebäuden und ehemaligen Scheunen. Zudem: Großaspach liege nach dem Regionalplan an der Entwicklungsachse, die anderen Gemeindeteile dagegen nicht. Dann müsse man unter Unständen die überörtliche Planung ändern, entgegnete Schopf. Beide Kandidaten unterstrichen aber, dass der Breitbandausbau im Argen liegt und die Gemeinde aktiv werden müsse, weil die Telekom den Komplettausbau mit 50 Mbit erst bis 2030 vorgesehen hat.

Eminent wichtig sei es, Standort einer Gemeinschaftsschule zu bleiben. Das hänge jedoch letztlich von den Eltern ab, die ihre Kinder anmelden, erklärten beide Bewerber: „Die Zahlen in den nächsten Jahren werden entscheiden, ob die Schule weiter Bestand hat.“ Der Gemeinderat, so unterstrich Welte-Hauff, habe die Weichen Richtung Ausbau gestellt.

Um die Feuerwehr zu stärken und die Ehrenamtlichen zu entlasten, will Welte-Hauff bei der Gemeinde eine Kraft anstellen, die gewisse Hilfsleistungen und Dienste übernimmt. „Wir brauchen ein zweites Gerätehaus“, erklärte derweil Schopf. Zudem müsse man was für die Wertschätzung tun, etwa mit einem kostenlosen Busbillett oder einer Jahreskarte fürs Schwimmbad in Backnang.

Sonnenhof: „Sind die Veranstaltungen im Fautenhau eher ein Segen oder ein Fluch für die Gemeinde?“, fragte Redaktionsleiter Fritz. Welte-Hauff wies einerseits auf den Mehrwert für die Gemeinde hin, den die Veranstaltungen bringen, andererseits auf den Verkehrslärm, unter dem viele Einwohner leiden. Die Verwaltung sei gefordert, Linderung zu schaffen. Mehr als fünf Großveranstaltungen im Jahr seien aber momentan nicht verträglich. „Da hat sich sehr viel verhärtet“, beklagte Schopf. Er will beide Parteien an einem runden Tisch zusammenbringen, für den es „hoffentlich noch nicht zu spät“ ist.

Profifußball in einer 8200-Seelen-Gemeinde bringt besondere Herausforderungen mit sich. Um die Verkehrs- und Parkprobleme zu bewältigen, werde sich die Gemeinde finanziell engagieren müssen, sagte Welte-Hauff. Sie lobte, dass die SG jetzt Sicherheitsmanager geschult habe. „Der Verkehr muss aus Aspach raus“, steht für Schopf fest – durch Verbesserungen im Nahverkehr, ein VVS-Kombiticket und ein Parkhaus im Forstboden. Mahnend sagte er, dass auch die anderen Vereine Unterstützung brauchen – ein Punkt, den auch Welte-Hauff sieht.

Was den Bau eines neuen Rasenplatzes zusätzlich zum neuen Trainingsplatz betrifft, will Schopf Vorschläge der Vereine abwarten. In diesem Fall müsse man, so Welte-Hauff, möglicherweise überlegen, den Flächennutzungsplan zu ändern.

Bürgerbeteiligung/Bürgerservice: Jeder Bürger müsse von der Verwaltung innerhalb 14 Tagen Antwort bekommen, egal in welcher Form er sein Anliegen vorgebracht hat, konstatierte Schopf. Bürgerbeteiligung müsse die Grundlage für den Gemeinderat sein. Man könne aber nicht zu allem Hinz und Kunz fragen, das würde Entscheidungswege verlängern. Bei größeren Vorhaben wie einem Dorfplatz sei dies aber angebracht. „Wir müssen die Beteiligung erhöhen“, sagte Welte-Hauff: Akzeptanz durch die Bürger sei für Investitionen nötig. Deshalb sei im Rathaus nun auch eine Teilzeitstelle für Bürgerbeteiligung eingerichtet worden.

Aber auch die Jugend gilt es, an Entscheidungsprozessen in der Gemeinde zu beteiligen. Welte-Hauff will dies mit Jugendkonferenzen oder einem Jugendrat zu konkreten Anlässen erreichen, Schopf sprach sich für einen Jugendgemeinderat aus, der seine Themen selbst bearbeitet und in den Gemeinderat einbringt. Vieles, gerade unter Jugendlichen, spielt sich heute im Netz ab. Was Twitter und Instagram angeht, „muss ich noch lernen“, gestand Schopf ein. Man dürfe aber auch die Älteren nicht vergessen, mahnte er. Dem virtuellen Rathaus, so Welte-Hauff, könne man sich nicht verschließen, man müsse die Generation Z „dort abholen, wo sie steht“. Im Übrigen seien viele Senioren digital völlig auf dem Laufenden.