Evangelische Gemeinde kann aufatmen

Für die geschäftsführende Pfarrstelle Klosterhof ist ein Nachfolger gefunden – Dekanat unterstützt in schwieriger Personalsituation

Für die evangelische Kirchengemeinde Murrhardt ist die aktuelle Personalsituation immer noch schwierig – anderthalb Pfarrstellen sind unbesetzt und ein Wechsel in der Kirchenpflege fordert alle Beteiligten zusätzlich. Aber es ist Entlastung in Sicht, da für die geschäftsführende Pfarrstelle ein Nachfolger feststeht – Hans Joachim Stein aus Beilstein.

Steffen Kaltenbach

Von Christine Schick

MURRHARDT. Pfarrer Achim Bellmann, der nach dem Weggang von Pfarrerin Margit Bleher und Annkatrin Jetter zurzeit sozusagen die Stellung in der Kirchengemeinde hält, sieht einerseits die momentanen Einschränkungen durch die besondere Situation, andererseits bewertet er den Wechsel der Kolleginnen und die damit verbundene Veränderung als normalen Entwicklungsprozess in einer Gemeinde. Auf den ersten Blick wirke die Umbruchsituation vielleicht dramatisch, aber letztlich sei bei Margit Bleher, die zwölf Jahre in der Gemeinde war, ein Wechsel zu erwarten gewesen. Ebenso ist für ihn verständlich, dass Annkatrin Jetter sich wegen der Befristung der Stelle besagte Chance ergriffen habe. „Es ist klar, dass ich nicht mehr als 100 Prozent arbeiten kann, aber wir haben auch entsprechende Unterstützung bekommen“, sagt Pfarrer Achim Bellmann. Sowohl beim Gottesdienst als auch bei den Kernaufgaben wie Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen haben Pfarrer Andreas Kinzel aus Backnang und Pfarrerin Dorothee Gammel aus Aspach, die bereits im Ruhestand ist, sowie Pfarrer Steffen Kaltenbach mit angepackt, der nun auch als Stellvertreter für Dekan Wilfried Braun tätig ist (früher Pfarrerin Margit Bleher).

„Trotzdem bringt es die Situation mit sich, dass man mehr im Blick haben muss, auch die Vertretungen gilt es ja zu organisieren“, erläutert Bellmann. Hinzu kamen Gespräche rund um die Bewerbung für die geschäftsführende Pfarrstelle. Insofern hätten nicht alle bisherigen Aufgaben in gleicher Intensität weiterverfolgt werden können. Was in diesen Bereich fällt, ist das Fundraising – Mittel- und Spendenbeschaffung – für die Bauprojekte der Kirchengemeinde. „Veranstaltungen, die eigentlich geplant waren, konnten wir nicht machen, das läuft alles nur sehr eingeschränkt.“ Aktuell sei es darum gegangen, die Grundversorgung der Gemeinde zu gewährleisten – mithilfe der Kollegen. Bei den Konfirmanden ist die Anzahl mit 30 Jugendlichen zurzeit nicht ganz so hoch, sodass er sie gut in zwei Gruppen vorbereiten und begleiten kann.

Die Einschätzung der generellen Situation von Dekan Wilfried Braun fällt ähnlich aus. Für eine Kirchengemeinde der Größe Murrhardts sei es mit Blick auf die vakanten Stellen schon eine harte Zeit und Durststrecke gewesen, wobei das Dekanat alles dafür getan habe, um entsprechende Unterstützung zu gewährleisten. Eine Entlastung ist aber nun in Sicht, da die Nachfolge für die geschäftsführende Pfarrstelle im Klosterhof steht: Pfarrer Hans Joachim Stein, bisher in der Kirchengemeinde Beilstein-Billensbach tätig, wird Mitte November in die Arbeit in Murrhardt einsteigen. „Seine Investitur ist für den ersten Advent geplant“, sagt Braun. Nicht ganz so einfach gestaltet sich die Situation für die Nachfolge von Pfarrerin Jetter, was den Rahmenbedingungen geschuldet ist – es handelt sich um eine 50-Prozent-Stelle, die nach dem Pfarrplan 2024 ausläuft. „Wir tun alles Erdenkliche, um eine zufriedenstellende Lösung zu finden“, sagt Braun.

Bewerbungssituation, Weggang und Neuanfang sieht er für Mitarbeiter generell als wichtige Möglichkeit der Weiterentwicklung. Im Fall von Kirchenpflegerin Andrea Schreiber profitiert nun der Kirchenbezirk und die Kirchengemeinde Backnang. Dekan Braun betont aber, dass man sich solidarisch und möglichst flexibel zeigen möchte, um die Übergangsphase für Murrhardt so gut wie möglich zu gestalten.

Das dürfte auch für Kirchengemeinderatsvorsitzende Inge Brehmer von Interesse sein, die während der Vakanz stark gefordert war. Zum einen hieß es, die Bewerbungssituation zu begleiten – angefangen von der Formulierung des Ausschreibungstextes bis hin zu Vorstellung und Wahl im Kirchengemeinderat. Zum anderen fällt ihr in Bezug auf die Baumaßnahmen viel Mitverantwortung zu. Je nach Stand des einzelnen Projektes, müssen bestimmte Termine beachtet und eingehalten sowie Koordinierungsgespräche mit Planern und Beteiligten geführt werden. „Beim Kindergartenneubau sind wir jetzt in der Ausschreibungsphase“, sagt sie, und der Aufbau der neuen Orgel in der Stadtkirche läuft auf Hochtouren. Unterstützung habe sie dabei noch einige Zeit von Kirchenpflegerin Andrea Schreiber. Zu welchem konkreten Termin ihr Nachfolger einsteigen kann, ist bisher noch offen. Sie freut sich nun auf einen Neuanfang mit Pfarrer Hans Joachim Stein.

Pfarrer Steffen Kaltenbach ist erleichtert, dass die evangelische Kirchengemeinde Murrhardt nun bis zu einem gewissen Grad aufatmen kann, weil sich die Besetzung der geschäftsführenden Stelle geklärt hat. Die Belastung für den Kirchengemeinderat mit den Baumaßnahmen sei nach seiner Einschätzung doch enorm. „Da braucht es schon eine immense Kraft und Fokussierung, das alles im Blick zu behalten.“ Die Unterstützung von seiner Seite habe er relativ gut integrieren können, er lässt aber nicht unerwähnt, dass dabei letztlich auch punktuelle Hilfe und Solidarität gut gewesen seien – beispielsweise von Sozialarbeiterin Tatjana Riekert, die ihm beim Kinderferienprogramm in Fornsbach unter die Arme gegriffen habe.