Mehr Bioprodukte in den Kreiskantinen

Einstimmiges Votum im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags – Verwaltung warnt vor erheblichen Mehrkosten

In den Krankenhäusern und Schulkantinen des Landkreises sollen künftig mehr Erzeugnisse aus biologischem Anbau zum Zug kommen. Das haben die Kreisräte im Umwelt- und Verkehrsausschuss jetzt durchgesetzt. Die Verwaltung hatte zuvor noch eindringlich vor erheblichen Mehrkosten gewarnt, die man Patienten wie Schülern nicht aufbürden könne.

Speisenversorgung im Klinikum Winnenden: Mahlzeiten für die Patienten werden portioniert. In beiden Kliniken werden pro Jahr rund 970000 Essen ausgegeben. Foto: Rems-Murr-Kliniken

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Dem einstimmigen Votum ging gestern eine aufgeregte Diskussion voraus. Der Knackpunkt war dabei die Frage, ob eine verbindliche Quote von 13 Prozent festgelegt werden soll. Diese entspräche dem Anteil an biologischer Produktion in den landwirtschaftlichen Betrieben im Rems-Murr-Kreis. In einem interfraktionellen Antrag hatten CDU, Grüne und ÖDP auf diesen Prozentsatz Bezug genommen. Dagegen lehnte das Landratsamt eine verbindliche Mindestmarke entschieden ab, weil dies zu beträchtlichen Mehrkosten führen würde.

Der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, Dr. Marc Nickel, erinnerte an die Lage in den Krankenhäusern. Dort wurde vor zehn Jahren die Systemküche eingeführt, das heißt, es findet keine eigene Speisenproduktion mehr statt. Der Großteil des Essens wird von einem Anbieter geliefert; regionale Erzeugnisse, insbesondere Backwaren, Obst und Gemüse, machen einen Anteil von knapp 30 Prozent aus. Auf Bioware entfällt jedoch weniger als ein Prozent. Für die 970000 Mahlzeiten, die die Kliniken in Winnenden und Schorndorf pro Jahr ausgeben, davon 830000 für Patienten und 140000 für Mitarbeiter, steht ein Budget von 2,4 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen noch die Ausgaben für Lebensmittel in den Schulmensen, sodass es insgesamt um 2,9 Millionen Euro geht.

Bei den gegenwärtigen Lieferanten wurden Angebote eingeholt, um 13 Prozent der bisherigen konventionell erzeugten Produkte durch regionale und biologisch angebaute Waren zu ersetzen. Laut Kreisverwaltung ergab sich dabei für diesen Anteil eine Preissteigerung um rund 500000 Euro, das sind 233 Prozent. Außerdem rechnet die Kreisverwaltung mit zusätzlichen Personalkosten in Höhe von 130000 Euro, um die Waren zu verarbeiten. Auch Lagerkapazitäten müssten laut Nickel geschaffen und Geräte gekauft werden. Demnach würde ein Essen bei 13 Prozent Bioanteil um bis zu 56 Cent teurer. Die Kreisverwaltung kam daher zu dem Schluss, solche Mehrkosten könnten „nicht empfohlen“ werden, auch mit Blick auf das Klinikdefizit von über 22 Millionen Euro jährlich und weiteren anstehenden Millioneninvestitionen. Lediglich der Anteil regional erzeugter Waren könne gesteigert werden.

Die Kreisräte zeigten sich über diese Darstellung verwundert bis verärgert. Im Antrag sei nicht gefordert worden, überall eine Quote von 13 Prozent einzuführen, erklärte Christoph Jäger (CDU). Man habe auch nicht verlangt, in den Kliniken wieder auf Eigenproduktion umzustellen. Dahin gestellt sei schließlich, ob das Schälen von Biokartoffeln aufwendiger ist als die Verarbeitung konventionell erzeugter Erdäpfel. Die 13-Prozent-Marke sei jedenfalls als Ziel zu verstehen, das man sich setzen wolle – so wie man das auch beim Klimaschutz tue.

„Produktgruppen ändern

und weniger Fleisch einsetzen“

„Wir müssen einen Einstieg schaffen“, erklärte auch Dr. Astrid Fleischer (Grüne). Sie regte an, Produktgruppen zu ändern und weniger Fleisch einzusetzen. „Andere machen es uns vor“, merkte Thomas Bezler (ÖDP) an: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

„Der Antrag hätte noch deutlich ambitionierter sein können“, erklärte Matthias Klopfer (SPD), mahnte „mehr Sensibilität“ seitens der Kreisverwaltung an und kündigte für die nächste Amtsperiode des Kreistags einen weiter gehenden Antrag seiner Fraktion an. In der Lieferantenkette gebe es, ergänzte sein Fraktionskollege Klaus Riedel, noch einiges Potenzial für Verbesserungen. Gar nicht geht für ihn jedenfalls, dass die Liste der Erzeugnisse Neuseeland-Äpfel enthält.

„Wenn wir uns das als Ziel vornehmen, spricht nichts dagegen“, griff Landrat Richard Sigel die Linie von CDU-Rat Jäger auf und nahm damit Druck vom Kessel. Der Kompromiss läuft nun darauf hinaus, dass die Kliniken beauftragt werden, den Anteil an Biowaren zu steigern, und auch die Schulkantinen gezielte Maßnahmen in dieser Richtung treffen.