Puppe am Straßenrand bremst Autos aus

Anstatt ein Warnschild aufzustellen, hat Familie Kühnel eine Kleinkindimitation auf ihrem Grundstück postiert – Positive Reaktionen

Eine Blitzerattrappe aufbauen? Nein. Das wollte Familie Kühnel in Großerlach nicht, obwohl die Straße vor ihrem Haus manchmal einer kleinen Rennstrecke ähnele, sagt Monika Kühnel. Mit der Geburt ihrer Enkelin kam die Familie auf eine ganz andere Idee, um den Verkehr in der Sommerhalde etwas zu beruhigen: Sie hat eine Puppe mit einem Dreirand am Straßenrand postiert.

Die Puppe mit Dreirad steht auf einem Privatgrundstück, ist immer der Jahreszeit angepasst angezogen und soll dafür sorgen, dass Autofahrer ihre Geschwindigkeit auf diesem Straßenabschnitt in Großerlach verringern. Foto: F. Thellmann

Von Yvonne Weirauch

GROSSERLACH. Sie kennen das vielleicht: Mit einer aufgestellten Blitzerattrappe im Vorgarten möchte so mancher Bürger die Raserei auf der Straße vor dem eigenen Haus eindämmen. Rechtlich ist es laut ADAC legal, auf dem eigenen Grundstück einen Kasten aufzustellen, der einem festinstallierten Messgerät ähnlich sieht. Wichtig sei dabei nur, dass das Gerät keine Lichtsignale aussende, da Verkehrsteilnehmer sonst geblendet oder irritiert werden könnten.

Eine falsche Radarfalle aufzustellen, daran hat Familie Kühnle nicht gedacht. Aber irgendetwas wollten sie sich einfallen lassen, um Autofahrer an ein achtsames Fahren zu erinnern. „Unsere Enkelin Sophie ist jetzt zweieinhalb Jahre alt, wir haben kein Tor, das unser Grundstück einzäunt und ein Schild mit ‚Achtung – freilaufendes Kind‘ wollten wir nicht aufstellen“, sagt Monika Kühnel und lacht. Die 55-Jährige und ihr Mann haben zwei kleine Enkelkinder: Sophie und die einjährige Marie. „Unsere Tochter Christina wohnt bei uns im Haus, und seit Sophie laufen kann, spielen wir auch gerne mal draußen.“

Da die Autos häufig schneller am Haus vorbeifahren als erlaubt, sei Monika Kühnel auf die Idee gekommen, die Puppe, die sie noch von ihren Töchtern im Keller aufbewahrt hatte, mit dem ebenfalls noch vorhandenen Dreirad an der Straße aufzustellen. „Seitdem die Puppe da steht, merken wir, dass die Autofahrer ihre Geschwindigkeit reduzieren und selbst Bekannte, die diese Strecke öfter fahren, bremsen ab und finden diese Idee toll“, sagt Kühnel und fügt hinzu: „Es ist ja nicht nur wegen der Kinder – auch die Tiere, wie Hunde oder Igelchen, springen hier ja rum.“

Landratsamt sieht das Aufstellen

der Puppe kritisch

Die 55-Jährige merke, dass die Puppe „gut aufgenommen“ wurde. Ganz am Anfang habe sie plötzlich einen Bauhelm aufgehabt – Monika Kühnel fragte nach und tatsächlich hatte ein Nachbar spaßig gesagt: „Ohne Kopfschutz sollte kein Kind Dreirad fahren.“ So nahm Monika Kühnel irgendwann den Bauhelm ab und ersetzte diesen durch einen Kinderfahrradhelm. „Vor Kurzem hatte irgendjemand einen kleinen Regenschirm auf dem Helm angebracht. Das sah witzig aus“, freut sich Kühnel. Sie ziehe die Puppe auch immer der Jahreszeit angepasst an: „Dann sieht es auch immer etwas anders aus.“ So habe die Puppe zuletzt noch ein Sommerkleidchen getragen, jetzt sei das herbstliche Outfit angesagt. Verärgerte Autofahrer habe Kühnel noch nicht erlebt, sie bekomme nur positive Reaktionen.

Die Polizei sieht die Puppe am Straßenrand nicht als verkehrsgefährdend an. Pressesprecher Holger Bienert: „Wenn es sich um ein Privatgrundstück handelt und von dem aufgestellten Gegenstand keine unmittelbare Gefahr für den öffentlichen Straßenverkehr ausgeht, dürfte es tendenziell nicht zu beanstanden sein.“

Die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes Rems-Murr dagegen sieht das Aufstellen der realitätsnah wirkenden Puppe etwas kritischer: „Im Einzelfall bedarf das einer Prüfung.“ Wenn die Puppe lebensecht wirke, könne das unter Umständen einen Autofahrer irritieren, der dann beispielsweise stark abbremsen müsse und das „Lenkrad herumreißt, und dann womöglich erst recht einen Unfall baut“.