Viel Gymnastik, aber auch Gehirnjogging

Die Ü50 des TSV Lippoldsweiler gibt es seit 1993, die durchschnittlich gut 75 Jahre alten Männer sind immer noch hoch motiviert

„Ich bin sehr beeindruckt von der Kondition und Motivation angesichts eines Durchschnittsalters von etwa 75 Jahren“, sagt Übungsleiterin Mechthild Kallmann über die Ü50 des TSV Lippoldsweiler, die sich jeden Dienstag in der Auenwaldhalle trifft und stets etwa 20 Teilnehmer zählt. „75,5 Jahre“, präzisiert Herbert Gogel, der eine der treibenden Kräfte ist, seit die Gruppe 1993 ins Leben gerufen wurde.

Der Erhalt von Kraft, Koordination und Beweglichkeit steht im Mittelpunkt der Übungen, die Mechthild Kallmann vormacht. Foto: J. Fiedler

Von Steffen Grün

„Uns gibt es noch, das ist selten“, sagt Herbert Gogel mit Stolz in der Stimme. In der Tat ist es alles andere als selbstverständlich, wenn sich ein eingeschworener Haufen Männer immer noch einmal pro Woche trifft, um Kraft, Koordination und Beweglichkeit zu erhalten, obwohl sich fast alle im siebten, achten oder gar neunten Lebensjahrzehnt befinden. Vielleicht liegt es daran, dass es in den vergangenen 25 Jahren „nie einen Streit gab“, wie Peter Storz erzählt. Nicht beim Training und nicht bei den Ausflügen mit den Frauen nach Ungarn, Österreich, Frankreich und England, um lediglich ein paar Beispiele zu nennen.

Doch wie passt zu dieser Altersstruktur der Name Ü50? Ihn wählten die altgedienten TSV-Kicker, als sie vor 25 Jahren die Gruppe gründeten. Sie wollten fit bleiben, ohne weiterhin mit den viel jüngeren AH-Spielern dem runden Leder nachzurennen. Das erste Treffen war am 14. September 1993 – natürlich ein Dienstag – „mit fünf Mann“, wie sich Gogel erinnert. Neben ihm selbst waren das Erwin Wieland, Erich Beck, Peter Storz und Werner Böhret. Von diesem Quintett sind vier Mann heute noch dabei, nur Böhret entdeckte das Fitnessprogramm „Fünf Esslinger“ für sich. Storz kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so, wie er gerne würde, kümmert sich aber weiterhin um das Drumherum – auch das beweist, wie stark der Zusammenhalt ausgeprägt ist.

Von 1993 bis 2001 leitete Erich Wieland den Kurs, dann übernahm Wolfgang Nüßle und gab bis Ende 2017 die Kommandos. „Flugs waren die Jahre vorbei“, stellt der Ex-Übungsleiter fest, der beim gelungenen, mit vielen Anekdoten angereicherten Jubiläumsabend am vergangenen Samstag im Vereinsheim des TSV Lippoldsweiler schmunzelnd erzählte, wie schwer so manchem die Übungen gefallen seien, die er anfangs einführte. Schnell hatten sie sich daran gewöhnt, mit Beginn dieses Jahres kam wieder Neues auf die Männer zu.

Mit Mechthild Kallmann übernahm eine Übungsleiterin, die vom Schwäbischen Turnerbund mit den Lizenzen für Fitness und Gesundheit sowie für 70plus ausgestattet ist. „Ich kann gezielt Übungen für diese Altersgruppe anbieten“, sagt die 60-Jährige: „Es sind Einschränkungen zu berücksichtigen und die vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern.“ Wieder fallen die Stichworte Kraft, Beweglichkeit und Koordination. „Aber wir machen auch Gehirnjogging.“ Das können zum Beispiel bestimmte Klatschabfolgen sein, die paarweise zu erledigen sind. Ansonsten besteht das Training aus Aufwärmen und Spielen ohne Mannkontakt, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Ein harter Kern aus etwa sechs Leuten spielt ab und an auch noch Fußball, „aber da schaue ich lieber weg“, verrät Kallmann lachend.

Als sie neulich eine Rundmail mit den Worten „Hallo Jungs“ einleitete, ging das ihren Schützlingen runter wie Öl. „Da waren wir stolz“, gibt Gogel grinsend zu, um ernsthaft hinzuzufügen: „Wir sind sehr zufrieden mit ihr, das Programm ist sehr vielseitig.“ Zudem habe sich die Disziplin verbessert, „seit eine Frau den Kurs leitet. Niemand traut sich aufzumucken.“ Kallmann wiederum sind ihre Jungs längst so ans Herz gewachsen, dass sie beim Jubiläumsabend verkündete, sie werde weitermachen. Möglichst vielen weiteren Jahren mit Sport am Dienstag und zahlreichen Ausflügen und Besichtigungen steht also nichts im Wege. Und wenn Kallmann mal ausfällt, springen eben die Vorgänger ein.