Gefeiert wird mit Pauken und Trompeten

Das Murrhardter Kammerorchester gibt zu seinem 70. Geburtstag ein Konzert in großer sinfonischer Besetzung

Das Kammerorchester beim Proben mit dem Dirigenten Matthias Baur im Saal des Kulturhauses Klosterhof. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Das Kammerorchester mit seinen rund 20 Streichern ist eine feste Größe in der Walterichstadt. Seit langer Zeit. Das Ensemble feiert nun sein 70-jähriges Bestehen. Das Geburtstagsgeschenk an die Mitglieder, Begleiter und Zuhörer wird ein opulentes Konzertmahl sein. Das Ensemble spielt am Sonntag in großer sinfonischer Besetzung. Auf dem Programm stehen zwei Sinfonien und ein großes sinfonisches Klavierkonzert. Dazu holt sich das Kammerorchester auch Unterstützung durch eine Reihe von Bläsern und einer Paukerin. „Man könnte also sagen, wir feiern den Geburtstag mit Pauken und Trompeten“, sagt Dirigent Matthias Baur mit einem Lächeln.

Am Anfang stand die Frage, wie das Programm aussehen und wer es möglicherweise als Solist bereichern könnte. Auch vor der Überlegung, dass die Festhallenbühne mit einem Flügel ausgestattet ist, hat sich Baur umgehört, worauf Alexander Konrad im wahrsten Sinne des Wortes ins Spiel kam. Der Pianist ist seit zwei Jahren Lehrer an der Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land, insofern praktisch Kollege, da ja auch das Kammerorchester zur Musikschule gehört, und hat signalisiert, sehr gerne beim Jubiläumsabend mitzuwirken. „Ich hab ihn gefragt, was er sich als Stück vorstellen könnte“, erzählt Matthias Baur. „Sein klarer Favorit war das Klavierkonzert in d-Moll von Mozart.“ Dabei fällt auch dem Orchester ein großer Part zu, das um besagte weitere Bläser aufgestockt werden muss.

Um diese Besetzung auch noch bei den anderen Stücken voll auszukosten, galt es für den Dirigenten, über die weiteren Programmpunkte klug zu entscheiden. Zum einen fiel die Wahl auf Joseph Haydns Sinfonie Nr. 73 „La Chasse“ (Die Jagd), zum anderen kommt das Publikum in den Genuss der Sinfonie Nr. 2 von Carl Maria von Weber. Ein Stück, das Baur als relativ unbekannt einschätzt. Wohl auch er wäre nicht unbedingt auf die Idee gekommen, es auszuwählen, wenn er nicht eine gezielte Datenbanksuche genutzt hätte, bei der sich Stücke zu bestimmten Besetzungskonstellationen finden lassen.

„Ich finde das gerade klasse, etwas Neues, noch nicht so Bekanntes zu hören“, sagt Musikschulleiterin Judith-Maria Matti. Und Baur ergänzt, dass er durch die Beschäftigung mit dem Stück auch wieder einiges über den Komponisten erfahren habe. „Mit elf Jahren hat er seine erste Oper geschrieben, mit 17 Jahren war er Kapellmeister in Breslau“, sagt Matthias Baur. „Auch der Sinfonie Nr. 2 merkt man schon den Opernkomponisten an, es ist eine spritzige Musik.“ Für das kurzweilige, abwechslungsreiche Programm, wie Judith-Maria Matti es beschreibt, hat das Kammerorchester nun entsprechend aufgestockt.

Zurzeit spielen rund 20 Streicher im Ensemble, hinzu kommen – je nach Konzertvorhaben – einzelne Bläser und andere Musiker. Das Einzugsgebiet erstreckt sich in die ganze Region, zum einen, weil die Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land kreisübergreifend aufgestellt ist, zum anderen, weil man offen für alle Interessierten sein möchte. „Schüler können ab einem gewissen Alter beim Orchester mitwirken, die Altersspanne reicht von etwa 12 bis 80 Jahre“, sagt Judith-Maria Matti.

Damit ist das Kammerorchester eine weitere Möglichkeit, gemeinsam, generationsübergreifend Musik zu machen, was Matti außerordentlich schätzt. Rudolf Gerke, Orchestersprecher und Vorsitzender des Musikschulvereins, nickt. Er gehört mittlerweile zu denen, die am längsten mit von der Partie sind – seit 35 Jahren spielt er im Kammerorchester Bratsche. Warum funktioniert das so gut? „Der Geist ist einfach sehr positiv, und es geht familiär zu“, sagt Matthias Baur, der als freiberuflicher Dirigent zwei weitere Orchester und einen Chor leitet sowie Auftritte als Solosänger bestreitet. „Alle Musiker geben immer alles.“. Auch von Matti gibt es ein großes Lob: „Das liegt auch am Dirigenten, seiner menschlichen Art und dem didaktischen Können.“ Eine Rückmeldung, die sie übrigens auch von Alexander Konrad bekommen habe, der nun zu den Proben dazugestoßen ist.

Die Konzertvorbereitungen laufen seit dem Frühjahr, allerdings nicht in den Schulferien. „Da haben wir einige Wochen Pause, kommen danach aber schnell wieder auf Touren“, sagt Rudolf Gerke. Die Musikschulleiterin geht davon aus, dass es auch für das Kernorchester reizvoll ist, in solch einer großen, nicht alltäglichen Besetzung zu spielen.

Die Ursprünge des Ensembles gehen auf das Jahr 1948 zurück, in dem die Geigenlehrerin Helene Steck ein privates Streichorchester aus der Taufe hob. Dem „Streichorchester Violinschule Steck“ gehörten damals rund 15 ihrer Schüler an. Im Jahr 1967 wurde es zum Orchester der Volkshochschule, in der damals auch die Musikschule beheimatet war. 1990 gliederte sich das Ensemble dann an die Musikschule an. Seitdem trägt es auch den Namen Kammerorchester.