Wasserhuhn oder Wasserhahn?

Comedian Markus Maria Profitlich ulkt in Auenwald zu den Themen Gendergerechtigkeit, Ernährungsformen und Onkel Hubert

Menschen sollten geliebt werden und Sachen benutzt. Das hat Markus Maria Profitlich vom Dalai Lama gehört. Für Profitlich scheint es heute auf dieser Welt genau andersherum zu sein: Menschen werden benutzt und Dinge geliebt. Der Comedian gastierte in der Gruschtelkammer Auenwald mit seinem Programm „Schwer verrückt“.

Markus Maria Profitlich bei seinem Auftritt in der Sängerhalle Oberbrüden. Foto: J. Fiedler

Von Thomas Roth

AUENWALD. Markus Maria Profitlichs Stärke liegt im (panto)mimischen Bereich. Das kabarettverwöhnte Publikum in der Gruschtelkammer goutiert aber nicht nur diese seine Fähigkeit mit Gelächter und Applaus. Es lacht auch über den einen oder anderen witzigen Spruch. Freilich ist diese Art der Unterhaltung etwas ganz anderes als die messerscharfe Verbalakrobatik beispielsweise eines Richard Rogler, eines Thomas Freitag und anderen Kabarettgrößen. Aber auch Profitlich besitzt einen angenehm scharfen und kritischen Blick auf angeblich gesellschaftliches Muss und gesellschaftliche Moden. Er hat und zeigt durchaus Haltung. Allerdings arbeitet er mit den Mitteln der Comedy. Und man darf ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Die geschlechtergerechte

Nationalhymne

Die deutsche Nationalhymne sollte mal, so erzählt Profitlich, auf Wunsch von Kristin Rose-Möhring (SPD-Frauenbeauftragte), aller viriler und somit Frauen diskriminierender Wörter beraubt und geschlechtergerecht umgeschrieben werden. „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vater-, nein Mutter-, nein Heimatland, danach lasst uns alle streben, brüderlich, nein schwesterlich, nein couragiert...“ Der Comedian fragt sich konsequenterweise, ob er morgens im Bad nun ab sofort das Wasserhuhn anstatt den Wasserhahn bedient. Profitlichs Spott ergießt sich auch über gedopte 80-jährige Freizeitsportler wie etwa Mountainbiker oder Kegler. Wie dopen die? Mit „Amphetaminen im Bienenstich“ oder „Eigenblut im Käsekuchen“?

Profitlichs Erlebnisse im Supermarkt und die Erkenntnisse darüber, mit welchen optischen oder olfaktorischen Tricks die dort tätigen Manager arbeiten, fördern jetzt nichts Neues zutage. Eher überraschend ist die Antwort der 80-jährigen Kundin, die auf die Frage der Kassiererin, ob sie eine Tüte brauche, antwortet: „Nee, wenn ich jetzt noch eine rauche, vergesse ich wieder die Hälfte.“

Nachweislich, so weiß der gebürtige Bonner, leiden nur 0,3 Prozent aller Deutschen an Glutenunverträglichkeit. Mit dem Satz „Das sind weniger, als es in Dortmund Schalke-Fans gibt“ veranschaulicht er diese Zahl. Die Lebensmittelindustrie behandle aus Profitgier Gluten, als sei es das „Napalm der Gegenwart“. Markus Maria Profitlich gibt sich auf der Bühne als überzeugter (und figürlich überzeugender) Alles-, also auch Fleischesser: „Gott hat uns nun mal so geschaffen.“ Der von ihm zu gestaltende Kindergeburtstag gerät, nicht überraschend, zum Desaster, da „die Eltern das ja an die Kinder weitergeben“. Vegetarier und Veganer stehen ebenfalls auf seiner „Verspeisekarte“ – und Fruktarier. Beim Besuch bei radikalen Obstessern, die nur vom Baum Gefallenes essen, kommt er in den Flur, wird durch das Haus geführt, wieder hinaus in den Garten, um unter einem Baum Platz zu nehmen: „Dort warteten wir auf das Essen.“

Die Geschichten von Onkel Hubert sind amüsant, sei es der Besuch beim Urologen oder auch die Geschichte mit Alexa aus dem Hause Amazon, die ihm das Leben selbst noch als 95-Jährigem erleichtern soll, weil „sie alles kann“. Der 58-jährige Comedian arbeitet auch als Schauspieler und Synchronsprecher. Sein Gesicht auf der Bühne zu sehen, ist sehr beeindruckend. Man folgt jeder Bewegung, ja jeder Zuckung, noch dazu dies gut getimt akustisch unterlegt ist. Das ist faszinierend und berührt die Menschen angenehm. Beim blanken Hintern – dramaturgisch gesehen gar nicht nötig – verhält sich das nicht ganz so. Wobei wir wieder beim Genre „Comedy“ wären.