Eine Liga – zwei Welten

Etzwiesenfußballer empfangen am Samstag die Stuttgarter Kickers zum Oberliga-Duell und hoffen auf mehr als 1000 Zuschauer

„Für uns ist es das Highlight-Heimspiel der Saison“, sagt TSG-Teammanager Marc Erdmann zur morgigen Partie. Ab 15.30 Uhr empfängt die Etzwiesenelf die Stuttgarter Kickers zum Oberliga-Duell. Das letzte Mal standen sich beide Vereine in der Saison 1967/1968 in der Regionalliga-Süd in einem Punktspiel gegenüber. Die Partie in Backnang gewannen die Kickers am 5. November 1967 mit 5:1, in Degerloch verlor die TSG am 17. März 1968 mit 1:2.

Von Uwe Flegel

Wenn am Samstagnachmittag die Begegnung angepfiffen wird, dann treffen zwei Mannschaften aufeinander, die zwar in einer Liga spielen, die vor allem finanziell aber Welten trennen. Der Etat des in Liga fünf abgestürzten Ex-Bundesligaklubs aus der Landeshauptstadt ist ungefähr zehnmal so hoch wie der, der in Backnang zur Verfügung steht. In den Etzwiesen sind Kicker am Ball, die allesamt einem geregelten Beruf nachgehen, die studieren oder noch zur Schule gehen. Die Gäste vom Fuße des Fernsehturms bauen nahezu vollständig auf Vollprofis, die dafür sorgen sollen, dass die sofortige Rückkehr in die Regionalliga gelingt und nehmen allein deshalb schon eine Ausnahmestellung in der Liga ein.

Dass eine großzügige Bezahlung alleine aber noch keine große Leistung garantiert, erlebten beide Vereine in dieser Saison bereits im direkten Duell. In der dritten WFV-Pokal-Runde gastierte die TSG in Degerloch und zeigte, dass zwar nicht finanziell, jedoch sportlich durchaus konkurrenzfähig ist. 1:0 gewannen die Backnanger nach Verlängerung und sorgten dafür, dass Kickers-Torjäger Mario Tunjic auch Wochen später noch schmollt und sich zumindest schon mal verbal kämpferisch gibt: „Mit denen haben wir noch eine Rechnung offen.“ Überhaupt strahlt der 30-jährige Stürmer große Zuversicht aus und sagt zum Thema Meisterschaft und Aufstieg: „Wir können uns nur selbst stoppen.“

Eine Ansage, die mit dem Selbstvertrauen von sechs Stuttgarter Siegen in Folge im Rücken getätigt wird. Seit der Pokalschmach im heimischen Stadion hat sich beim selbst ernannten Aufstiegsfavoriten viel getan. Vom Tabellenkeller ging es für das Team von Trainer Tobias Flitsch mittlerweile auf Platz zwei.

Bei der Etzwiesenelf ist der Trend dagegen weit weg davon, positiv zu sein. Nur ein Sieg (3:1 gegen Göppingen) gelang der Mannschaft um Kapitän Oguzhan Biyik in den vergangenen acht Partien. Folge: Auf Platz 15 steht die Elf von Coach Andreas Lechner am Rand der Abstiegszone. Und: Mit Daniel Lang und Routinier Mario Marinic, dem im Pokal in Degerloch das entscheidende Tor gelang, fallen bei Backnang die beiden Angreifer und besten Torschützen auch gegen Stuttgart aus. Eine herbe Schwächung, eine die von der Mannschaft aus den Etzwiesen dank ihrer Stärke bei Standardsituationen aber zumindest beim umjubelten 2:0-Erfolg im Pokal-Achtelfinale gegen den Drittligisten VfR Aalen kompensiert wurde. Eine Partie, in der das Team aus dem Murrtal mit einer hoch konzentrierten Leistung in der Defensive gefiel und der David dem Goliath ein Bein stellte. Eine Vorgehensweise, die es halt gibt, wenn so wie morgen in einer Liga zwei Welten aufeinandertreffen.