TSG-Riege mit argentinischer Verstärkung

Giuliana Galante turnt seit September für die Regionalliga-Frauen aus Backnang und fühlt sich in der Murr-Metropole wohl

Seit September ist Giuliana Galante aus Argentinien für knapp ein Jahr in Deutschland. Fast 13000 Kilometer und 20 Stunden Flug von zu Hause entfernt, hat sie durch den Sport und hier speziell das Turnen schnell Anschluss gefunden und fühlt sich auch sonst sehr wohl bei ihrer Gastfamilie in Backnang. Nur das argentinische Essen vermisst sie ein wenig und es ist ihr jetzt schon zu kalt.

Die Argentinierin Giuliana Galante (rechts) nimmt natürlich auch die Tipps ihrer Trainerinnen und Teamkameradinnen entgegen. Foto: M. Spreter

Von Andreas Ziegele

Sport verbindet Menschen über alle Grenzen hinweg. Ein Satz, der oft benutzt wird, wenn es um die großen Sportereignisse wie Weltmeisterschaften und Olympische Spiele geht. Für Giuliana Galante Perroni, so der vollständige Name, hat er aber dieselbe Bedeutung. Die 16-jährige Argentinierin verstärkt nun die Mannschaft der Regionalliga-Turnerinnen der TSG Backnang. Das ist für den Verein nicht nur ein sportlicher Gewinn, sondern auch für Giuliana ein menschlicher, wie man der sympathischen jungen Frau anmerkt.

Dreisprachig wird das Gespräch geführt. Neben Deutsch und Englisch natürlich auch in Giulianas Muttersprache Spanisch. Beim Übersetzen aus und ins Spanische helfen ihre Turnkollegin Taina Griem und Frederik Eichenberger. „Seit September bin ich nun in Deutschland und werde bis Juli nächstes Jahr hier sein“, erzählt Giuliana. Zu Gast ist sie bei Sabine Körner. Und die hat schon Erfahrung mit ausländischen Schülern: „Wir hatten im vergangenen Jahr schon einen Jungen aus den USA“, lässt sie wissen.

Giulianas großer Wunsch war es, nach Deutschland zu kommen. Und durch ein privates Stipendium eines in Argentinien lebenden Deutschen wurde ihr dieser auch erfüllt. „Deutschland ist ein sehr wichtiges Land in der Welt und was ich wusste, hat mir so gut gefallen, dass ich hierher wollte“, sagt Giuliana. Sie mag Deutschland, wie sie mehrfach erwähnt. „Die Menschen hier sind sehr freundlich und herzlich“, so Galante. Besonders schätzt sie, „das hier alles schön grün ist“, wenn man es mit ihrer Heimat vergleicht. Das ist kein Wunder, denn ihre Heimatstadt Mendoza im Westen des Landes ist eine karge Trockensteppenlandschaft. Noch einen weiteren Unterschied hat sie ausgemacht: „Es ist hier sicherer als in Mendoza, wo man sehr viel vorsichtiger sein muss, in welche Gebiete man sich begibt“, erklärt die 16-Jährige. Sehr unterschiedlich empfindet sie die Menschen. „In Argentinien sind die Menschen offener und es ist leichter, in Kontakt zu kommen“, sagt sie. „Die Menschen hier sind freundlich, aber verschlossener und es ist schwieriger, Freundschaften zu schließen.“

Ein Telefonat von Körner war es auch, der den Kontakt zu den Turnerinnen der TSG hergestellt hat. „Giuliana wollte gerne turnen und da habe ich einfach angerufen“, sagt die Gastmutter. Dass sie in der Regionalliga mithalten kann, hat sie schon bewiesen, was auch Taina Griem bestätigt: „Sie hat genau dasselbe Niveau wie wir und passt genau in unsere Trainingsgruppe“, sagt die Klubkameradin. „Wir haben sie im Training gesehen und da wir etwas Personalmangel hatten, haben wir für sie gleich einen sogenannten Schnellstartpass beantragt“, erklärt Griem. Die Trainingsintensität in Argentinien ist in etwa gleich wie die in Backnang. „Ich trainiere dreimal in der Woche“, erklärt Galante. Und die Frage nach ihren Lieblingsdisziplinen beantwortet sie schnell und spontan auf Deutsch: „Sprung und Barren“, sagt sie lachend.

Zur Schule geht sie in die 10. Klasse des Max-Born-Gymnasiums. Auch hier hat sie schon Unterschiede zu ihrer Heimat registriert. Die Disziplin ist hier eine größere, meint sie. „Man muss sich immer mit Handzeichen melden, wenn man etwas sagen will“, hat Giuliana festgestellt. „Und in den Pausen kann man keine Musik hören, da es ein Handyverbot gibt“, bedauert sie. Dass in deutschen Schulen die Sprachen wichtig sind, findet Galante gut und erzählt: „Wenn man in Argentinien eine Fremdsprache richtig lernen möchte, geht das nur an einem privaten Institut und auf eigene Kosten.“

Aber am Ende gibt sie dann zu, dass ihr momentan zwei Dinge hier fehlen. Zum einen ist es ihr zu kalt. In Mendoza ist jetzt Sommer mit Temperaturen um 30 Grad. Zum anderen vermisst sie das argentinische Essen. Noch hat sie kein schwäbisches Lieblingsgericht für sich entdeckt, obwohl es ihr grundsätzlich schmeckt. Dafür hat sie ihre Gastfamilie mit einer mexikanischen Freundin in den Genuss der südamerikanischen Küche kommen lassen. „Sie haben uns Empanadas gemacht“, erzählt die Gastmutter Sabine Körner. Aber es bleibt Galante noch Zeit und die will sie nutzen. „Die deutsche Sprache ist schwer“, hat sie festgestellt. „Aber ich werde alles geben, sie zu lernen.“ Denn Sprache ist für sie der Schlüssel zur Integration. Galante will mehr von Deutschland kennenlernen, da sie das Land sehr interessant findet.