Aufnahmeanfragen gibt es mehr als genug

Gründung des Fördervereins ist für Gnadenhof Murrquelle wichtige Hilfe – Nicht mehr gewollte Tiere haben dort ein Zuhause gefunden

Der 13 Jahre alte Leo geht gemächlich ein paar Schritte über die Wiese. Früher hat er als Therapieziege in der Region Stuttgart gearbeitet, später außer Dienst benötigte er selbst ein Plätzchen, wo er bleiben konnte und das er nun auf dem Gnadenhof Murrquelle in Vorderwestermurr gefunden hat. Bei Pumba lief es gleich zu Anfang nicht gut. Das damals schwache Ferkel eines 14-köpfigen Wurfs hätte vermutlich keine Zukunft gehabt, wäre die Praktikantin eines Biohofs nicht hartnäckig geblieben.

Martina Theurer hält für Pumba eine kleine Zwischenmahlzeit bereit. Das Hausschwein kam mit fünf Wochen auf den Hof und hätte als Ferkel eines Wurfs mit 13 Geschwistern vermutlich keine Zukunft gehabt. Fotos: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Nach der wiederholten Anfrage beim Gnadenhof Murrquelle hat Martina Theurer dann doch zugestimmt und das fünf Wochen alte Ferkel aufgenommen. Anfangs hieß es, das Schweinchen im Haus mit Babymilch aufzuziehen, so ist Pumba mit den Hunden der Familie aufgewachsen und dachte vermutlich anfangs, dass er selbst einer ist, erzählt Martina Theurer und lächelt. Mit den Hunden zieht er immer noch gerne umher, lebt mittlerweile aber draußen. Er kann sich in den Stall zurückziehen oder sich in einen alten Koffer legen, den er sich als Jugendlicher erobert hat und aus dem er eigentlich schon ein bisschen herausgewachsen ist.

Viele der anderen Tiere sind später in ihrem Leben, aber aus ähnlichen Gründen auf den Gnadenhof gekommen. „Entweder, weil sie nicht mehr gewollt oder schlecht gehalten worden sind“, sagt Martina Theurer. Von Wuschel, einer Promenadenmischung mit viel Bobtailanteil, weiß sie beispielsweise, dass er mit einer Drahtschlinge um den Bauch gefunden wurde. Ein Bekannter brachte ihn später nach Absprache aus einem Tierheim mit auf den Hof. „Wir haben ihn mit viel Geduld und Wurstscheiben nach und nach ins Haus gelockt“, erzählt sie.

Anfragen gibt es von verschiedenster Seite, von Privatleuten, aber auch anderen Engagierten wie beispielsweise der Tierrettung Rems-Murr oder einer Tierauffangstation bei Schwäbisch Gmünd, die eines ihrer Gelände aufgeben musste. „Ich könnte jeden Tag Tiere aufnehmen.“ Das, was vor etwa fünf Jahren als Herzenswunsch – einigen nicht mehr gewollten Tieren eine Heimat zu geben – begann, hat sich zu einem stattlichen Projekt entwickelt. „Mit den Vögeln und Hühnern haben wir insgesamt rund 150 Tiere auf dem Hof“, sagt Martina Theurer. Im vergangenen Jahr hat sich allerdings auch abgezeichnet, dass die Belastungen durch diese Verantwortung gewachsen waren.

Dieses Jahr waren die finanziellen Ressourcen für Futter und Reparaturen aufgebraucht. Hinzu kam, dass der angeschlossene Betrieb von Martina Theurer und ihrem Mann Andreas Tröger mit Heuhotel und Gastronomie nicht die erhofften Erlöse für ihre eigene Existenzsicherung erbrachte.

Der im Mai gegründete Förderverein zählt mittlerweile 20 Mitglieder

So wurde im Mai der Förderverein Gnadenhof Murrquelle ins Leben gerufen, um Unterstützung fürs Projekt zu erhalten. „Eigentlich mag ich die Bezeichnung Gnadenhof nicht so richtig“, meint Theurer. „Da steckt drin, dass man den Tieren großzügig etwas gibt, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.“ Die Vereinsgründung hat zumindest eine gewisse Entspannung gebracht. Inzwischen zählt der Verein 20 Mitglieder. Beiträge und Futtermittelspenden verschaffen dem Gnadenhof finanziell etwas Luft. „Was wir eigentlich noch bräuchten, wären ehrenamtliche Helfer, die uns ab und zu unterstützen“, sagt Christin Theurer, die als Tochter den Vereinsvorsitz übernommen hat. Auch sie packt viel mit an, was aber durch ihre Berufstätigkeit an ihre Grenzen stößt. Möglichkeiten, zu helfen, gebe es ganz verschiedene, sagen Mutter und Tochter. Die Spanne reicht von Stallausmisten, mit den Eseln eine Runde spazieren gehen über kleine Reparaturen oder Gartenarbeiten bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit für den Förderverein. Zusätzlich bietet Martina Theurer Gästen, die auf dem Gnadenhof tatkräftig mithelfen, im Heuhotel beziehungsweise auf dem Hof freie Kost und Logis.

Apropos Kost: Nicht gerade leicht war es dieses Jahr aufgrund von Hitze und Trockenheit, Heu für die Tiere zu besorgen. „Wir selbst hatten einen Schnitt, normalerweise sind es drei“, sagt Martina Theurer. Lange hat sie Ausschau gehalten, wo es überhaupt noch Möglichkeiten gab, und nun den Wintervorrat aus Slowenien besorgen können. „Manche Landwirte müssen ihren Tierbestand reduzieren, weil es kein Futter gibt.“

Klar sei, dass der Gnadenhof aktuell keine Tiere mehr aufnehmen könne. „Jetzt müssen wir erst mal alle gut über den Winter bringen.“ Und was hält sie in ihrem Engagement bei der Stange? Keine Frage: die Tiere. „Sie geben einem viel mehr zurück, als man gibt.“ Da ist nicht nur das Feingefühl in bestimmten Situationen, sondern Theurer erzählt auch von ungewöhnlichen Erlebnissen einer Gnadenhofmutter. Ein Beispiel: Als es einem Huhn schlecht ging, kam es in eine kleine Hängematte. „Es lief mehr rück- als vorwärts, wir vermuten, dass es eine Art Schlaganfall hatte.“ Für die gute Behandlung hat der Patient, obwohl eigentlich schon im Ruhestand, seine Versorger mit einem Geschenk bedacht. Das Huhn hat ein Ei gelegt, auf das es entsprechend flatterig und gackerig aufmerksam gemacht hat.