Pioniergeist und Spaß am Fahren

Gemeinde Allmersbach im Tal und Energieagentur Rems-Murr informieren über Elektromobilität und ein interkommunales Projekt

Auf Initiative der Gemeinde Allmersbach im Tal und der Energieagentur Rems-Murr fand in Allmersbach eine Informationsveranstaltung zum Thema „Elektromobilität – ein Schlüssel zur nachhaltigen Umgestaltung von Mobilität“ statt. Dabei ging es nicht nur um die Umstellung der Energiebasis des Verkehrs in Verbindung mit innovativen Antriebstechnologien im Zuge der Energiewende. Vielmehr vermittelten die Referenten vor allem auch Pioniergeist und Spaß am entspannten, leisen Fahren mit den E-Autos.

Die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge soll in ganz Deutschland ausgebaut werden. Die Tälesgemeinden Allmersbach im Tal, Weissach im Tal und Auenwald wollen ihren Beitrag dazu leisten. Fotos: A. Becher, Imago

Von Ingrid Knack

ALLMERSBACH IM TAL.Vor den Referaten über die Elektromobilität können die Besucher die vor der Turn- und Versammlungshalle in Allmersbach im Tal stehenden Elektrofahrzeuge näher unter die Lupe nehmen oder mit diesen eine Probefahrt machen. Das Interesse der Bevölkerung an diesem Angebot ist allerdings gering. Und so fachsimpeln beispielsweise die Referenten unter sich oder unternehmen selbst eine kleine Fahrt mit einem E-Auto. Wie Jürgen Menzel, Geschäftsführer der Energieagentur Rems-Murr, der später über die unabhängige und neutrale Anlaufstelle in Sachen Energie Auskunft geben wird. Energiesparen, effiziente Verwendung von Energie und Einsatz erneuerbarer Energien sind die Eckpunkte.

Rund 20 Besucher sind es schließlich, die den aufschlussreichen Vorträgen lauschen. Den Experten gelingt es, so manches Vorurteil zu entkräften. Die Augen von Allmersbachs Bürgermeister Ralf Wörner leuchten, wenn er von Elektromobilität spricht. Bei diesem Thema nimmt seine Gemeinde unter den Täleskommunen auch mit drei Ladestationen für E-Autos und zwei E-Fahrzeugen für Verwaltungsmitarbeiter eine Vorreiterrolle ein. Darüber hinaus hat Wörner schon Schnellladesäulen im Blick, für die er noch einen Partner sucht. „Wir sind mit der EnBW im Gespräch.“

Lautloses Dahingleiten

und verbesserte Rahmenbedingungen

Wörner schwärmt beispielsweise von der Kompaktlimousine Hyundai Ioniq Elektro, die vor der Halle steht und „wahnsinnige Beschleunigungswerte“ habe. „Toll, wie man lautlos dahingleitet!“ E-Fahrzeuge hält er in puncto Individualverkehr als die einzig ökologisch sinnvolle Alternative zum Verbrenner. „Es gibt nichts Besseres.“ Außerdem erhöhten sich die Reichweiten mittlerweile langsam, der momentan noch überschaubare E-Auto-Markt nehme Fahrt auf und die Preise würden niedriger. Freilich solle man nicht „Strom aus Braunkohle im Auto verfeuern“. Da der Ausbau der erneuerbaren Energien aber voranschreite, bereitet ihm dieses Thema kein Kopfzerbrechen. „Von den Emissionen her macht es Sinn.“ Feinstaub gebe es noch vom Reifenabrieb, aber nicht von den Motoren. Das interkommunale Projekt, das Elektromobilitätskonzept der Gemeinden Allmersbach im Tal, Auenwald und Weissach im Tal, liegt dem Allmersbacher Rathauschef sehr am Herzen.

„Das Ganze ist ein vom Bund gefördertes Projekt“, erklärt anschließend Martin Veh von der Ingenieurgesellschaft Steinbacher-Consult aus Neusäß bei Augsburg. Ziel ist ein Flächennutzungsplan für die Ladeinfrastruktur. Zu beachten ist dabei: Flächendeckendes Laden zu Hause beim E-Auto-Besitzer könne zu Netzproblemen führen. Außerdem müsse man das Laden der E-Autos beim Arbeitgeber mit berücksichtigen (halb öffentliche DC-Ladeinfrastruktur) – und dann ist da noch das öffentliche Laden in den drei Tälesgemeinden in die Betrachtung miteinzubeziehen. Wobei das schnelle Laden eine zentrale Rolle einnehmen soll. Veh: „Dass jemand fünf bis sechs Stunden an einer Säule steht, geht nicht. Es sollten möglichst viele laden können. Das muss in ein paar Minuten gehen.“ Eine zu lange Ladedauer werde am häufigsten als Grund genannt, der die Befragten vom Umstieg auf ein E-Auto abhalte. Eine Umfrage bei den Unternehmen im Täle hat nach den Worten Vehs ergeben, dass die Firmen großes Interesse an dem Thema und zum Teil auch schon E-Fahrzeuge in ihren Fuhrparks haben. „Alle haben ein positives Signal gegeben, dass sie gewillt sind, eine Ladeinfrastruktur aufzubauen.“ Und zwar nicht nur für den Firmenfuhrpark und die eigenen Mitarbeiter (Laden beim Arbeitgeber ist übrigens kein geldwerter Vorteil). Es geht zudem darum, dass die Öffentlichkeit die Ladeinfrastruktur nutzen kann.

Mehrere Pilotprojekte der Tälesgemeinden und Unternehmen sind in der Diskussion. Dabei geht es etwa um einen E-Bus und um ein E-Carsharing-Mobil, das unter der Woche Senioren und am Wochenende Jugendlichen zur Verfügung steht. Auch elektrische Leihroller für Lehrlinge sind angedacht. Viele Gespräche sind da noch zu führen. Überdies sind entsprechende Veranstaltungen in den drei Kommunen geplant.

Dieter Bindel, Gebäudeenergieberater (HWK), Vorsitzender GIH Baden-Württemberg und Mitglied der Arbeitsgruppe Gebäudeenergieberater, Ingenieure, Handwerker im Landkreis Rems-Murr, spricht unter der Überschrift „Elektromobilität, ist das was für mich?“ über Fahrzeugübersichten, Ladetechniken und Ladekosten von Elektrofahrzeugen. Die Vorteile der E-Autos überwiegen für ihn auf jeden Fall gegenüber den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Folgende Punkte listet er auf: Man kann das E-Auto zu Hause über Nacht laden. Es garantiert ein entspanntes, ruckfreies und leises Fahren. Freies Parken in vielen Städten und Gemeinden. Volles Drehmoment ab den ersten Umdrehungen. Das Auto kann im Sommer vorgekühlt werden. Eigenstromnutzung, Unabhängigkeit vom Öl. Kostenloser Strom an Ladesäulen von Einkaufszentren. Weniger Verschleiß und somit weniger Reparaturen.

Eine Tour nach Schottland

verläuft ohne Probleme,

ein Hauch von Abenteuer ist dabei

Die Unabhängigkeit vom Öl spielt neben Pioniergeist, Spaß am Fahren und zukunftsgerichtetem Denken auch bei Wissenschaftsjournalistin Heike Lehmann und dem Luft- und Raumfahrtingenieur Martin Riehle aus Althütte eine Rolle bei der Entscheidung für ein E-Auto. Sie schildern, „wie wir unser Auto erlebt haben“, so Lehmann. Es ist ein BMWi3, Baujahr 2013 mit Range-Extender. Er hat eine Carbon-Alu-Karosserie und gehört zu den wenigen E-Autos, die komplett neu konstruiert wurden. Rund 92000 Kilometer sind Lehmann und Riehle mittlerweile mit ihrem E-Auto gefahren und machten dabei nur gute Erfahrungen. Selbst bei einer Reise nach Schottland – auch in entlegene Gegenden – hatten sie keine Probleme. Immer fanden sie jemanden, der ihnen weiterhalf. Ein Hauch von Abenteuer liegt bei der Erzählung der beiden Althütter über ihre Reisen in der Luft. Riehle würde sich heute sogar für ein Fahrzeug ohne Range-Extender entscheiden. Zu Hause liefert eine Fotovoltaikanlage auf ihrem Haus die Energie für das Betreiben des Autos. Dass die Elektromobilität immer mehr ausgebaut wird, ist ihr Wunsch. Sie wollen zu den Menschen gehören, die durch das Fahren eines E-Autos dazu beitragen, dass es vorangeht mit der Versorgungsnetzdichte und der technischen Entwicklung. Sie appellieren denn auch an die Menschen, sich über ihren Mobilitätsbedarf Gedanken zu machen. Vielleicht reicht ein E-Stadtflitzer aus. Oder Carsharing ist die bessere Lösung. Gefragt ist vor allem die Bereitschaft zum Umdenken. Das signalisieren alle Redner.