Jugend stellt Backnang gutes Zeugnis aus

Erfreuliches Ergebnis bei Online-Befragung der 12- bis 26-Jährigen – Stadt und Stadtjugendring erhalten 562 Rückmeldungen

Mit einer Online-Befragung wollten Stadtjugendring und Stadt ergründen, was Jugendlichen an Backnang gefällt und was ihnen in der Stadt fehlt. Das Ergebnis ist einerseits erfreulich, denn 75 Prozent der Befragten leben „gerne“ bis „sehr gerne“ in der Murr-Metropole. Aber es wurden auch mehrere Kritikpunkte aufgelistet, etwa die Unzuverlässigkeit der S-Bahn oder fehlende Ausgehmöglichkeiten für 16- bis 18-Jährige.

Jessica Häußer (links), Markus Schildknecht und Selina Häußer vom Stadtjugendring werteten die Antworten aus.Foto: Stadtjugendring

Von Matthias Nothstein

 

BACKNANG. Das Fazit von Oberbürgermeister Frank Nopper nach der ausführlichen Vorstellung der Umfrageergebnisse und der Diskussion im Gemeinderat war eindeutig: „Wir sehen die Ergebnisse als Bestätigung, aber auch als Ansporn, noch besser zu werden.“ Dabei dürfte Nopper der große Anteil an Jugendlichen, die „gerne“ oder sogar „sehr gerne“ in der Stadt leben, besonders gefallen haben. Der Vorsitzende des Stadtjugendrings, Markus Schildknecht, sagte denn auch, „das ist ein gutes Ergebnis, da können sie stolz drauf sein“.

Schildknecht erläuterte die Fakten zur Studie. An ihr konnten alle Backnanger im Alter zwischen 12 und 26 Jahren teilnehmen. Sie erhielten per Post einen Teilnahme-Link, mit dem sie auf eine spezielle Umfrage-Webseite gelangten und so anonym an der Befragung teilnehmen konnten. An der Umfrage haben sich 562 Personen beteiligt, das entspricht einer Rückmeldung von zehn Prozent. Die Hälfte der Teilnehmer waren Schüler, darunter 80 Prozent Gymnasiasten. Laut der Umfrage fühlen sich 64,5 Prozent der Teilnehmer in ihrer Freizeit ausgelastet. Erfreulich dabei ist, dass die Jugendlichen scheinbar nicht nur im Internet surfen und sich mit Videospielen beschäftigen, sondern dass sie auch oft Freunde treffen, Sport treiben und lernen. Zwar haben 66 Prozent der Jugendlichen keine Lust, sich ehrenamtlich zu engagieren. Auf der anderen Seite haben aber immerhin 95 Jugendliche (16,7 Prozent) ihre E-Mail-Adresse oder Handy-Nummer angegeben und zeigen sich interessiert an einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Sabine Kutteroff (CDU) erkundigte sich sogleich bei den Machern der Studie, wie die Kontaktaufnahme zu diesen Jugendlichen stattfinden soll.

„Jetzt nicht die Hände in den Schoß legen, es gibt noch viel zu tun“

 

Am meisten gefallen den Jugendlichen in Backnang die Einkaufsmöglichkeiten, die Innenstadt, die Natur und die Feste. Seltsamerweise ist der Punkt Einkaufsmöglichkeiten aber auch die Top-Nennung bei der Frage: „Was fehlt dir in Backnang?“ Fehlende Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Probleme beim Nahverkehr werden ebenso häufig bemängelt. Häufig gefordert wurden mehr Ausgehmöglichkeiten für 16- bis 18-Jährige, da diese noch nicht nach Stuttgart fahren könnten. Bei der Frage, was sich am schnellsten verändern sollte, gibt es daher einen eindeutige Forderung: Der Nahverkehr, bei dem vor allem die Unzuverlässigkeit und die S-Bahn-Ausfälle kritisiert werden. Mit der Sicherheit und der Sauberkeit in der Stadt sind hingegen die meisten Jugendlichen zufrieden..

Für Heinz Franke (SPD) ist die Umfrage und die Auswertung ein guter Anfang, um zu erfahren, „wo drückt der Schuh?“. Er würdigte die große Teilnehmerzahl von 562. „Das entspricht zehn Prozent der Angeschriebenen und ist ein guter Wert. Aber es bedeutet auch, dass 90 Prozent kein Interesse haben.“ Es passt nicht ins Bild, dass gleichzeitig fast die Hälfte der Jugendlichen angibt, sie würden nicht ausreichend an jenen Entscheidungen, die sie angehen, beteiligt. Für Franke ein krasser Widerspruch. An die Adresse der Jugendlichen gerichtet sagte er: „Es gibt auch eine Holschuld der jungen Leute.“ Auch Ute Ulfert (CDU) lobte das Engagement des Stadtjugendrings, „in der Umfrage stecken viele interessante Anregungen“. Eric Bachert (BfB) sprach eine Warnung aus: „Dass es vielen hier in Backnang gefällt, soll nicht heißen, die Hände in den Schoß zu legen, es gibt immer noch viel zu tun.“

Der Fakt, dass 80 Prozent der beteiligten Schüler Gymnasiasten waren, beschäftigte mehrere Stadträte. Bachert bezeichnete es als Problem der Studie, dass der mittlere und niedrigere Bildungsbereich völlig fehle. Lutz-Dietrich Schweizer (CIB) sagte, es gehöre dringend erforscht, warum sich so wenige Real- und Hauptschüler beteiligt haben. Für Gerhard Ketterer (CDU) war schlimmer, dass sich überhaupt nur zehn Prozent der Jugendlichen beteiligt hatten, „das macht mich betroffen“. Er forderte, die Jugendlichen zum Beispiel über die Jugendleiter der Vereine anzusprechen. Armin Dobler (SPD) ergänzte, auch die Schulen gehörten einbezogen. All dies ist laut Schildknecht gemacht worden. Er sagte: „Wir haben alle Vereine sensibilisiert, und auch die Schulen wurden mehrmals angeschrieben. Zudem haben die Lehrer die Umfrage im Unterricht beworben.