„Wir wollen etwas anschieben“

Jörg Scheifele, ehrgeiziger neuer Chefcoach der TSG-Schwimmabteilung, kündigt an, sich auch dem Nachwuchs widmen zu wollen

„Wenn ich etwas mache, will ich auch etwas erreichen.“ An Ehrgeiz mangelt es Jörg Scheifele, dem neuen Cheftrainer der Leistungsgruppe der Schwimmabteilung der TSG Backnang, definitiv nicht. Dazu gehört für ihn, sich nicht nur seinem direkten Verantwortungsbereich zu widmen, sondern das große Ganze im Blick zu haben. „Die Lücke zwischen der Leistungsgruppe und dem Nachwuchsbereich muss kleiner werden“, sagt der 54-Jährige, „aber das ist ein langer Weg.“

Feierte mit den Talenten der TSG Backnang bereits die ersten Erfolge und hat noch eine Menge vor: Trainer Jörg Scheifele. Foto: T. Sellmaier

Von Steffen Grün

Er selbst, so Jörg Scheifele, sei ein „relativ schlechter Schwimmer“ gewesen und habe schon mit 18 Jahren als Coach angefangen. „Da war ich etwas erfolgreicher. Ich habe alle Lizenzen bis zum Diplom-Trainer.“ Er begann als Assistenzcoach beim SV Cannstatt, der damals zu den besten Vereinen in Deutschland gehörte, und lernte vieles von Peter Dlucik, den er als seinen „Ziehvater“ am Beckenrand bezeichnet. Stolz erinnert sich Scheifele dran, dass er laut der „Bild-Zeitung“ der jüngste A-Lizenz-Trainer im ganzen Bundesgebiet gewesen ist.

Die nächste Station war der SV Schwäbisch Gmünd. „Da war ich bis 1995 erster hauptamtlicher Trainer.“ Als er dort aufhörte, schlug er einen anderen Berufsweg ein, der jedoch auch Schwimmbezug hatte, und engagierte sich zudem als Abteilungsleiter beim SV Waiblingen. 2005 zog es den Korber wieder direkt ans Wasser, in Gmünd übernahm er die Nachwuchsgruppe. Aus zwei Einheiten pro Woche wurden mit der Zeit deren sechs, seiner Frau zuliebe hörte er vier Jahre später wieder auf.

2013 wagte der umtriebige Macher den Abstecher in den Handball, unter seiner Regie als Abteilungsleiter schafften Korbs Frauen den Durchmarsch in Liga drei und waren drauf und dran, noch eine Etage höher zu klettern. Es wurden intern aber auch Stimmen laut, die finanzielle Risiken befürchteten. Als der VfL Waiblingen eine Spielgemeinschaft zunächst ablehnte und der Korber Hauptverein das Team gegen Scheifeles Willen aus der Dritten Liga abmeldete, trat er zurück. Nach einer zweijährigen sportlichen Auszeit trainierte er zweimal pro Woche die jüngsten Gmünder Schwimmer, ehe er zum 1. September dieses Jahres in Backnang anheuerte: „Die TSG hat einen Trainer gesucht, ich hatte Bock – die Rahmenbedingungen passten.“

Mit seinen ersten drei Monaten ist der Coach zufrieden. „Das Team zieht gut mit.“ Die Basis für die Saison wurde im Trainingslager in Breitenbrunn gelegt, Krafttraining hat einen höheren Stellenwert als früher. „Das ist ein Mosaikstein, auf den wir stärker setzen“, sagt Marcel Hänsch. Der 48-jährige Backnanger, der einst auch für die TSG schwamm und für die Footballer der Stuttgart Scorpions in der Bundesliga spielte, zählt seit November 2017 als Athletikcoach und als Physiotherapeut zum Trainerteam. „Es passt gut zwischen uns“, sagt Scheifele, „ich bin froh, dass er da ist, sonst müsste ich es selbst machen.“

Die Ergebnisse stimmten bislang, auch bei den württembergischen Kurzbahntitelkämpfen sprangen Titel heraus, zudem purzelten die persönlichen Bestzeiten nur so. Auch Vereinsrekorde gab es bereits zu verzeichnen. Nächstes Ziel ist die deutsche Mannschaftsmeisterschaft Anfang Februar. „Da wollen wir schauen, ob wir um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga mitschwimmen können.“ Im Sommer 2019 gilt die Konzentration dann den süddeutschen und den deutschen Meisterschaften in den Jahrgängen sowie in der offenen Klasse.

16 Talente umfasst die TSG-Leistungsgruppe. „Ich möchte aber auch im Nachwuchsbereich etwas machen“, betont Jörg Scheifele und kündigt an, die Übungsleiter zu unterstützen: „Wir wollen etwas anschieben.“ Für einen wie ihn, der schon eine Olympiastarterin wie Marion Zoller unter seinen Fittichen hatte, ist es immer das Ziel, den Eigengewächsen und eventuellen Zugängen eine möglichst gute Perspektive zu bieten. Ihm sei aber klar, dass es für kleinere Vereine heutzutage schwieriger sei, Athleten nach ganz oben zu bringen. Er will daher Schritt für Schritt vorgehen. Und ein Ansatz ist es, sich zu überlegen, „wie wir die Trainingsbedingungen noch verbessern können“. Es gebietet ihm sein Ehrgeiz, nicht locker zu lassen.