Zweites Eisschwimmen für den guten Zweck

Hartgesottene schwimmen zugunsten des Erhalts des Bädles in Erbstetten – Buchautor und Vizemeister Martin Tschepe mit dabei

Auch wenn die Temperaturen aktuell wieder leicht ansteigen, das Wasser im Freibad Erbstetten fühlt sich derzeit eiskalt an. So muss es sein, denn der Freibadförderverein ruft zum zweiten „Eisschwimmen im Bädle“ auf. Gesucht werden Mutige, die sich von den Wassertemperaturen nicht abschrecken lassen und sich in die Fluten stürzen wollen.

Bei der Eisschwimmpremiere im vergangenen Jahr trauten sich knapp 40 Mutige bei Schneefall ins eiskalte Nass. Foto: T. Sellmaier

BURGSTETTEN (flo). Jeder geschwommene Meter zählt. Denn bei dieser Benefizveranstaltung kommen alle Einnahmen der Sanierung des Familienbads zugute. Viele Schwimmer werden durch Firmen und Privatpersonen oder Familien gesponsert, die das Bädle erhalten möchten.

Mit dabei ist wieder der deutsche Vizemeister im Eisschwimmen Martin Tschepe. Ab 12 Uhr gibt es einen Wettkampf, denn der 53-Jährige aus Korb wird von einigen seiner Eisschwimmfreunde begleitet. Der Langstreckenschwimmer hat jetzt seine Schwimmgeschichten in dem Buch „Im Element“ zusammengetragen. Zum Preis von zehn Euro ist es am Sonntag zu haben. Der in Berlin geborene Redakteur erzählt in seinem Buch von Abenteuern wie der 300 Kilometer langen Tour durch den Neckar, von Seequerungen, von der Umrundung der Insel St. Mary’s im Atlantik, vom Kraulen in der Nordsee von Föhr bis nach Sylt und von Pellworm bis nach Hooge.

„Notfalls werfen wir halt

ein paar Eiswürfel ins Becken“

Auch der Eisschwimmpremiere in Erbstetten im vergangenen Jahr hat er ein Kapitel gewidmet. Aus seiner Feder liest sich das so: „Ersttäter im Eiswasser. Gut drei Dutzend unverfrorene Frauen und Männer stehen im Dezember bei etwa null Grad Lufttemperatur am Rande des Beckens des alten Freibads in Erbstetten in der Nähe von Stuttgart. Sie tragen nur Badehose oder Badeanzug, Badekappe und Schwimmbrille, und sie wollen gleich im gut sechs Grad kalten Wasser ein bisschen schwimmen. Was für eine Schnapsidee, mögen sich manche Zuschauer denken und bibbern.

Dieses Eisschwimmen ist kein knallharter Wettbewerb, sondern eine Aktion, bei der Geld zusammenkommen soll für die dringend notwendige Sanierung des rund 70 Jahre alten Bads. Sponsoren bezahlen dafür, dass sich andere ins Eiswasser wagen. Gekommen sind einige routinierte Eisschwimmer, sie nutzen den Termin in Erbstetten als Training für die German Open im Eisschwimmen, die Anfang Januar in Veitsbronn ausgetragen werden. Gekommen sind indes auch ein paar Ersttäter, Leute, die nie zuvor in so kaltem Wasser waren.

Und alle werden von den Zuschauern frenetisch angefeuert, ganz egal, ob sie eine Bahn schwimmen, also 33 Meter weit oder – wie ich – 1000 Meter, 30 Bahnen. Die Sponsoren lassen pro Schwimmer 50 Euro springen, manche auch 100 Euro. Und einer bezahlt sogar 1000 Euro für meine 1000 Meter. Vielen Dank dafür, Herr Wiesheu. Im Laufe des Nachmittags kommen rund 5000 Euro zusammen. Die Damen und Herren vom Bad-Förderverein sind zufrieden – und alle Schwimmer, die soeben den eigenen Schweinehund überwunden haben, sowieso. Als ich meine 1000 Meter nach gut einer Viertelstunde beende, steigt tatsächlich Florian Muhl ins Wasser, der Mann, der das erste (aber sicherlich nicht letzte) Eisschwimmen in Erbstetten angestoßen hat, damals im Sommer bei gut 25 Grad im Schatten. Muhl ist Redakteur der Backnanger Kreiszeitung. Wir beide waren zu einem Pressetermin der Gemeinde und des Vereins gekommen. Gesprochen wurde über Aktionen, die Geld in die Kasse bringen könnten für die Sanierung. Und der Kollege hat dann feixend auf mich gezeigt und erklärt: Wie wäre es mit einem Schwimmen im Winter, der Herr Tschepe von der Stuttgarter Zeitung ist doch deutscher Meister im Eisschwimmen. Stimmt gar nicht, hab ich gesagt, bin nur Vizemeister, aber ich bin aus der Nummer nicht mehr rausgekommen, wollte ich auch gar nicht.

Das war mal eine coole Veranstaltung in Erbstetten, haben alle gesagt, die dann da waren. Auch ein paar Schwimmroutiniers, etwa Bruno Dobelmann, der Mann, der die Doppel-Beltquerung geschwommen ist, und Oliver Halder, der Veranstalter der Bodenseequerung. Schnell war man sich einig: Im nächsten Winter soll das zweite Eisschwimmen in Erbstetten steigen. Vermutlich mit einem kleinen Wettbewerb über 33 Meter oder über 100 Meter, und dann womöglich auch bei echten Wettbewerbsbedingungen, denn fürs Eisschwimmen muss das Wasser eigentlich weniger als fünf Grad haben. Wer diesmal bei sechs Grad gekrault ist, der kann das ganz bestimmt auch bei noch mal ein, zwei Grad weniger. Notfalls werfen wir halt ein paar Eiswürfel ins Becken.“

  Das Eisschwimmen im Freibad Erbstetten findet am Sonntag, 9. Dezember, von 11 bis 15 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Für warme Speisen und heiße Getränke ist gesorgt. Ab 12 Uhr gibt es einen Wettkampf mit Martin Tschepe. Der deutsche Vizemeister im Eisschwimmen verkauft auch sein Buch „Im Element“ (zehn Euro). Gestern betrug die Wassertemperatur übrigens 7,9 Grad Celsius.