Tiefe Blicke in die Seele des VfB Stuttgart

BKZ-Podium: Autor Michael Ohnewald und VfB-Präsident Wolfgang Dietrich am Donnerstag, 20. Dezember, in Backnang zu Gast

Eine Backnanger Vergangenheit haben beide. Zusammen waren der frühere BKZ-Redakteur Michael Ohnewald und der in Steinbach aufgewachsene VfB-Präsident Wolfgang Dietrich in der Murr-Metropole jedoch noch nicht zugange. Damit ist die Lesung mit Gesprächsrunde beim BKZ-Podium am Donnerstag, 20. Dezember, ab 19.30 Uhr ihr erster gemeinsamer Backnang-Auftritt.

Steht beim BKZ-Podium mit Lesung und Gesprächsrunde Rede und Antwort: Wolfgang Dietrich, aus Steinbach stammender VfB-Präsident. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

In den Neunzigern war Michael Ohnewald Redakteur bei unserer Zeitung. Mittlerweile arbeitet er als freier Journalist sowie als Buchautor und ist für seine Zeitungsreportagen mit den renommiertesten Preisen ausgezeichnet worden, die im deutschen Journalismus vergeben werden. Den Draht zur BKZ hat er trotzdem nie ganz verloren. Das macht nun für unsere Leser ein Weihnachtsschmankerl möglich, das eine Mischung aus Sport und Literatur präsentiert. Denn in seinem neuesten Werk hat sich Ohnewald mit dem Fußball-Erstligisten aus Stuttgart beschäftigt. „Mensch VfB. Annäherung an die Seele des Stuttgarter Fußballclubs“ heißt das vor wenigen Tagen erschienene Buch, aus dem der Autor liest und das unsere Zeitung gleich mit einer Gesprächsrunde mit dem Präsidenten des VfB Stuttgart, Wolfgang Dietrich, verbindet, der zu den 16 Personen gehört, die Ohnewald porträtiert und von denen der ehemalige BKZ-Redakteur bei der Lesung in der Druckerei der Backnanger Kreiszeitung auszugsweise berichtet. Die Zuhörer dürfen sich auf spannende Einblicke ins Innerste der VfB-Seele freuen.

„Der VfB Stuttgart gehört nicht nur zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga, er ist auch der mit Abstand größte Sportverein in Baden-Württemberg. Der Klub aus Cannstatt ist mehr als es der aktuelle Tabellenstand spiegelt, mehr als ein bloßer Wirtschaftsbetrieb und mehr als ein traditionsreicher Hüter von Geschichten, die vom Gestern ins Morgen reichen“, sagt Ohnewald über den Verein, mit dem er sich intensiv beschäftigt hat. Der aus Ludwigsburg stammende Autor erklärt: „Der VfB ist vor allem eine feste Größe im Leben vieler Fußballfans, ein Verein mit Seele, der für innere Identität bei den Schwaben im In- und Ausland sorgt und sich in ihrer DNA verhakt hat. Die Seele, die den persönlichen VfB-Kick ausmacht, hat viele Gesichter.“ Als Beispiel nennt Ohnewald die junge Frau, die von Kindesbeinen an ins Stadion geht. Sie stürzt bei einem Ausritt, ist querschnittsgelähmt und kehrt im Rollstuhl in die Arena zurück. Plötzlich steht da ein Mann ein paar Ränge weiter oben und schickt ihr einen Gruß. Mittlerweile sind sie ein Paar, das es ohne diesen Klub nicht geben würde. Sie verbringen fast jede freie Minute miteinander und sehen die VfB-Spiele gemeinsam. Eine der berührenden Geschichten in dem Buch, das in Kooperation mit dem Verein entstand.

Michael Ohnewald hat bei seiner Spurensuche bekannte und weniger bekannte Aushängeschilder des Vereins besucht. Für den renommierten Journalisten wohnt die Seele des Klubs in Spielern wie Karl Allgöwer, Mario Gómez oder Cacau, von denen jeder für sich eine ganz eigene Beziehung zum Klub hat und zu den Menschen, die ihn tragen. Manche in diesem Verein sind besonders treu wie die Zeugwartlegende Jochen Seitz, die langjährige Chefsekretärin Loni Braun oder der ehemalige VfB-Profi und heutige Physiotherapeut des Erstligisten Gerhard Wörn, der sagt: „Die Leute draußen haben ein Gefühl dafür, ob wir ein Söldnerklub sind oder ob wir hier unsere rote Seele bewahren. Spieler kommen, Spieler gehen. Aber die Seele, die muss bleiben.“

Andere begleiten den Klub aus der Nahdistanz wie Historiker Florian Gauß oder Kolumnist Oskar Beck. Und wieder andere sind auf ihre Art leidenschaftliche Botschafter für den Brustring wie die „Kurvenfrau“ Ramona Bräunig, der behinderte Musiker Ralf Dinter, der seine VfB-Tüte selbst an der chinesischen Mauer nicht aus der Hand gibt und der aus Steinbach stammende Wolfgang Dietrich. Für den Präsidenten ist es selbstverständlich, dass er am Ball ist, wenn das neueste Buch über seinen Verein in der alten Heimat präsentiert wird. Dabei belässt es Dietrich aber nicht bei der Zuhörerrolle. In einer Gesprächsrunde steht er BKZ-Redaktionsleiter Kornelius Fritz Rede und Antwort. Und vielleicht lässt sich der VfB-Boss sogar das eine oder andere entlocken, das er selbst Michael Ohnewald nicht erzählt hat.

  Das Buch „Mensch VfB. Annäherung an die Seele des Stuttgarter Fußballclubs“ kann bei der Lesung bei der BKZ erstanden und signiert werden. Es hat 148 Seiten mit Fotos von Reiner Pfisterer, kostet 19.90 Euro und ist im Handel sowie beim VfB erhältlich.