Ein ausdrucksstarkes Duo

Im Rahmen der Reihe „Kunst im Rathaus“ stellen Andrea und Lisa Wörner in Großerlach aus

Immer zum Jahreswechsel wird in Großerlach die Reihe „Kunst im Rathaus“ präsentiert. Dieses Mal sind Malerei, Zeichnungen, Drucke und Scherenschnitte von Andrea Wörner aus Sulzbach an der Murr und ihrer Tochter Lisa Wörner zu sehen. Die gemeinsame Ausstellung steht unter dem Motto „Du und ich – was uns verbindet“.

Mutter und Tochter eint die Liebe zum kreativen Gestalten. Deshalb stellen Andrea (links) und Lisa Wörner nun auch gemeinsam aus. Fotos: A: Becher

Von Claudia Ackermann

GROSSERLACH. Was Mutter und Tochter verbindet, ist ihre Liebe zum kreativen Gestalten. Schon früh wurde Lisa Wörner herangeführt, wenn ihre Mutter an der Staffelei stand, und die Tochter malte mit. Auch Musik und Literatur spielen in der Familie eine große Rolle. So stehen Worte oftmals bei den Bildern von Andrea Wörner im Mittelpunkt. Wie ein Zitat von Martin Luther: „Musica habe ich allezeit lieb gehabt, wer diese Kunst kann, ist guter Art zu allem geschickt.“ Den Schriftzug ergänzt sie mit aufgesprühten Scherenschnitten, die sie aus Zeitungspapier gefertigt hat. In einer anderen Arbeit sind auf vier quadratischen Bildern Worte aneinandergefügt und farbig übermalt. Der Titel der Ausstellung bezieht sich nicht nur darauf, was Mutter und Tochter verbindet, sondern auch häufig auf Beziehungen von Menschen zueinander im Allgemeinen. Etwa in der Kohlezeichnung mit Aquarell „Begegnung – Paar“, auf der sich zwei Personen ohne Gesichter einander zuwenden. „Du und ich dicht bei einander. Ich und du weiter weg“ lautet der Schriftzug auf einer Collage aus Zeitungspapier.

Ein zentraler Satz für sie erscheint auf einem Scherenschnitt: „Du bist mir gut“, der laut Andrea Wörner sowohl die Mutter-Tochter-Beziehung als auch die Beziehung zwischen Menschen beschreiben sollte. Bei einem Acrylbild ist die Weihnachtsgeschichte mit dem Kind in der Krippe ein Thema, bei dem es darum geht, jemanden in Schutz zu nehmen. Vielfältig ist das Spektrum an Techniken in der Ausstellung im Eingangsbereich, Treppenhaus und Besprechungszimmer des Rathauses Großerlach.

Mutter und Tochter lassen sich gerne von Worten inspirieren

Bilder von Mutter und Tochter sind bunt gemischt. Auch Lisa Wörner stellt Arbeiten in verschiedenen Techniken aus. „Hoch hinauf“ ist der Titel eines Ölbildes auf Papier, auf dem eine Frau nach oben greift. Das Thema hat sie in einem weiteren Bild mit anderem Hintergrund nochmals aufgenommen mit dem Titel „Hoch hinaus“. Es geht darum, auch etwas zu wagen, das nicht so leicht zu greifen ist, beschreibt sie den Grundgedanken. Kohlezeichnungen von Menschen in Bewegung sind dabei. Die schnellen Zeichnungen sind aus der Beobachtung heraus bei einer Theaterprobe entstanden. Beim Ölbild „Blumenkringel“ bricht sie aus der Beobachtung aus und greift Kreisformen bei den Blüten auf. Neonfarben sind eingearbeitet.

„Hilde“ ist der Titel eines Selbstporträts der 28-Jährigen. Expressiv hat sie das Bild in Öl nach ihrem Spiegelbild gemalt. Entschlossen ist der Gesichtsausdruck der Frau mit der Pudelmütze. „Wilde Hilde“ habe sie früher eine Tante genannt, was sie zu dem Titel inspiriert hat, erläutert Lisa Wörner.

Verschiedene Drucke von ihr sind ausgestellt, wie der Schablonendruck „Schubladendenken“, der Kommoden im Raum zeigt. Einen Linoldruck kombiniert sie mit Malerei, wobei das Bild eines Hockers in Neonfarben mit grafischen Elementen ergänzt wird. Werkzeuge aus der Druckerwerkstatt, wie Druckerwalze oder Bunsenbrenner, hat sie in Eitempera gemalt. Wie ihre Mutter lässt sich auch Lisa Wörner von Worten inspirieren. Gestempelt ist ein Zitat der Schriftstellerin Christa Schyboll: „Manchmal ist die Wahrheit so beeindruckend schlicht, dass diese Schlichtheit wahrhaft beeindruckt.“ Die Bewegungen der Hand beim Stempelvorgang hat die Sulzbacherin, die inzwischen in Schwäbisch Hall lebt, in einer Fotoserie mit Langzeitbelichtung festgehalten. Vielseitig und abwechslungsreich sind die Exponate im Rathaus Großerlach.

  Die Ausstellung kann noch bis Freitag, 1.Februar 2019, besichtigt werden. Öffnungszeiten des Rathauses Großerlach, Stuttgarter Straße 18, sind: montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 19 Uhr.