Aspach rutscht auf einen Abstiegsplatz ab

Beim 0:0 gegen den direkten Rivalen aus Jena steht die SG Sonnenhof hinten stabil, aber vorne fehlt wieder die Durchschlagskraft

Das 0:0 im Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena war für die SG Sonnenhof Großaspach zu wenig, um über dem ominösen Strich zu bleiben. Weil Cottbus, Köln und Meppen gewannen, stürzten die Fußballer aus dem Fautenhau vom 14. auf den 17. Rang und feiern Weihnachten wie auch die Gäste auf einem Abstiegsplatz. Für Trainer Florian Schnorrenberg ist das jedoch kein Drama: „Wer die Dritte Liga verfolgt, weiß, wie eng alles ist.“ Das rettende Ufer ist nur einen Zähler entfernt.

Auf dem vom Dauerregen aufgeweichten Rasen entwickelte sich ein Kampfspiel, in dem die Aspacher um Dominik Pelivan (am Boden) und Sebastian Bösel großes Engagement zeigten.Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Kevin Broll hatte angesichts des Dauerregens und des aufgeweichten Rasens schon vor dem Anpfiff den richtigen Riecher. Er habe sich mit seinem Torwartkollegen Raphael Koczor darüber unterhalten, „dass es ein klares 0:0-Spiel sein könnte – und so sah es dann auch aus: Kaum große Torchancen, viel Geacker im Mittelfeld“. Das Fazit des 23-Jährigen: „Mit diesem Remis können wir leben, das nehmen wir mit.“

Broll erntete keinen Widerspruch, für SG-Mittelfeldspieler Sebastian Bösel war es „unter dem Strich ein gerechtes Unentschieden, auch wenn wir vielleicht etwas mehr vom Spiel hatten. Klare Torchancen waren hüben wie drüben Mangelware, der Platz hat auch nicht viel mehr hergegeben“. Damit konfrontiert, dass es für die Aspacher mittlerweile bereits die zwölfte Punkteteilung im 20. Saisonspiel war, gab der 24-Jährige zwar zu, dass die Häufung nervt. Er wandte sich aber auch in aller Deutlichkeit gegen Harakiri-Aktionen in der Schlussphase: „Wenn es in der 85. Minute 0:0 steht, wäre es das Dümmste, was man machen kann, dass alle nach vorne rennen und man dann das Gegentor kassiert.“ Lieber also den Punkt nach Hause retten, als mit leeren Händen dazustehen.

Eine Sichtweise, die sein Trainer teilt, zumal „wir einen Riesenrespekt vor Jenas Umschaltmomenten hatten, bei denen sie schwer zu kontrollieren sind“. Schnorrenberg verband dies mit einem dicken Kompliment für das disziplinierte Verhalten seiner Truppe: „Wir haben es beinahe die ganze Zeit geschafft, den ballbesitzenden Spieler unter Druck zu setzen.“ Ohnehin gab es an der Defensivarbeit der Einheimischen überhaupt nichts zu mäkeln, das betonte auch Innenverteidiger Kai Gehring: „Es war ein Kampfspiel, wir haben alles rausgehauen. Der eine entscheidende Moment in der Offensive hat leider gefehlt, aber wir haben defensiv sehr gut gearbeitet.“ Einmal mehr zeigte sich, warum Großaspach mit lediglich 20 Gegentoren zusammen mit Karlsruhe und Unterhaching die drittbeste Abwehrreihe der Dritten Liga hinter Tabellenführer Osnabrück (15) und dem Vierten aus Halle (19) hat. Das könnte ein wichtiger Trumpf im Kampf gegen den Abstieg werden, wenn die SG diese Qualität bewahren kann.

Nur 16 erzielte Tore sind zu wenig, die Abteilung Attacke der Aspacher soll Verstärkung bekommen

Die Kehrseite der Medaille: Mit nur 16 erzielten Toren weisen die Schwaben die mit Abstand schwächste Offensive der Liga auf. Dieses Manko offenbarte sich auch gegen Jena, wie Schnorrenberg bemängelte. „Es fehlte die letzte Konsequenz oder auch mal der Durchbruch auf dem Flügel, um torgefährlich zu werden.“ Vieles hängt an Routinier Timo Röttger, der im Sturm zu oft auf sich alleine gestellt ist und daraus noch erstaunlich viel macht. Verstärkungen für den Angriff sind angedacht, bei der Verpflichtung von Niklas Sommer vom VfB Stuttgart II für die Rechtsverteidigerposition wird es kaum bleiben.

Unter den momentanen Bedingungen konnte Aspachs Trainer mit dem Punkt leben. „Wir wollten gewinnen, sind jetzt aber auch nicht total enttäuscht“, betonte Schnorrenberg, der sich gegen allzu laute Kritik an der mageren Ausbeute von zwei Punkten aus den drei Spielen gegen die direkten Rivalen im Abstiegskampf aus Zwickau, Köln und Jena wehrte. „Beim 0:3 in Zwickau war die zweite Halbzeit nicht gut, beim 1:1 gegen Fortuna Köln hatten wir eine Vielzahl an Torchancen und das heutige Spiel haben wir bereits ausführlich analysiert“, sagte Schnorrenberg: „Klar hätten wir gerne ein paar Tore mehr erzielt und ein paar Punkte mehr geholt, aber man muss die Spiele fair bewerten und die Ergebnisse sind nach den Spielverläufen in Ordnung.“

Dem Fakt, zum ersten Mal seit Anfang Oktober wieder auf einen Abstiegsplatz abgerutscht zu sein, begegneten die Aspacher mit betonter Gelassenheit. „Jeder sieht die Tabelle und weiß, wie eng es ist, deshalb machen wir uns da keinen Kopf“, erklärte Innenverteidiger Gehring. Tatsächlich ist Meppen auf dem rettenden 16. Platz nur einen Zähler entfernt, drei weitere Teams (Köln, Cottbus, Lotte) haben nur zwei Punkte mehr. Das hintere Mittelfeld ist auch noch in Sichtweite, zur Panik besteht also tatsächlich kein Anlass. „Wir sind froh, dass jetzt Winterpause ist“, räumte Gehring ein, um kampfeslustig nachzuschieben: „Im neuen Jahr greifen wird dann wieder richtig an.“