Aspach holt Kai Brünker aus Bradford

Stürmer wechselt vom englischen zum deutschen Fußball-Drittligisten und unterschreibt einen Vertrag bis zum Saisonende

Von der Insel in den Fautenhau: Die SG Sonnenhof Großaspach setzt im Kampf gegen den Abstieg aus der Dritten Liga auf die Dienste von Kai Brünker, der von Bradford City kommt. Der 24-jährige Angreifer, der vor seinen knapp zwölf Monaten beim englischen Drittligisten für den FC 08 Villingen und den SC Freiburg II in der Ober- und Regionalliga auf Torejagd ging, unterschrieb zunächst nur einen Vertrag bis zum Saisonende.

Geht in der Rückrunde für Großaspach auf Torejagd: Kai Brünker (beim Schuss), der zuletzt das Trikot von Bradford City trug. Foto: Imago

Von Steffen Grün

Dass die Aspacher trotz der Verpflichtung von Dominik Martinovic vom Ligarivalen SV Wehen Wiesbaden noch einen weiteren Stürmer suchten, war bekannt. „Wir werden noch einen Stürmer holen, wenn wir davon überzeugt sind, dass er uns auch weiterbringt“, verkündete Trainer Florian Schnorrenberg. Einen solchen fanden die Verantwortlichen jetzt in der englischen League One, dem Pendant zur deutschen Dritten Liga. Dorthin, und zwar zu Bradford City, war Kai Brünker erst im Januar 2018 von der Freiburger Erstliga-Reserve gewechselt und hatte den mutigen Schritt damals so begründet: „Es ist einfach eine riesige Chance. England ist das Mutterland des Fußballs und ich will dort hart um meinen Platz kämpfen. Die Leute sollen mich als German Beast kennenlernen.“

Auch wenn das vielleicht nicht zu 100 Prozent geklappt hat und der 24-Jährige ohne Punktspieltreffer blieb, war dieses Jahr auf der Insel keine verlorene Zeit. Brünker absolvierte immerhin 26 Partien in der League One, in der es schon einmal 46000 Zuschauer sein können wie zuletzt am sogenannten Boxing Day beim 0:1 in Sunderland. Es war die einzige Niederlage zwischen vier Siegen aus den vergangenen fünf Spielen, trotzdem belegt Bradford als 21. unter den 24 Teams noch einen Abstiegsplatz. Nun geht’s für den Stürmer also vom englischen in den deutschen Tabellenkeller der dritthöchsten Spielklasse.

Seine neuen Kollegen wird Kai Brünker sofort intensiv kennenlernen, denn er war gestern Vormittag bereits an Bord, als der SG-Tross ins Trainingslager nach Spanien reiste. Was die Mitspieler von dem Neuen erwarten dürfen, verrät Joannis Koukoutrigas: „Kai ist ein Spieler, der extrem viel Mentalität mitbringt. Er ackert, arbeitet und reißt die Mannschaft mit.“ Mit seinen 1,90 Metern komme der Stürmer über die Körperlichkeit, ergänzt Aspachs Sportdirektor. „Er passt optimal zu uns und ich bin überzeugt, dass er uns weiterhilft.“

Dass der gebürtige Villinger seine Unterschrift zunächst einmal nur unter einen Vertrag bis zum 30. Juni dieses Jahres gesetzt hat, erklärt Koukoutrigas vor allem mit dem Zeitdruck, der deshalb herrschte, weil Brünker unbedingt bereits im Trainingslager dabei sein sollte, um den Integrationsprozess zu beschleunigen. Erst am Montag setzte sich der Spieler im Norden Englands ins Auto und düste in den Süden Deutschlands, um die letzten Details seines Wechsels nach Aspach zu klären. „Wir setzen uns im März noch einmal zusammen und schauen, ob eine längerfristige Zusammenarbeit Sinn macht“, kündigt Koukoutrigas an. Das bietet beiden Seiten die Zeit, sich ein wenig zu beschnuppern.

Der in der Jugend für Kappel, Zimmern und Villingen kickende Angreifer bewies vor allem im Trikot des FC 08 Villingen und des SC Freiburg II, dass er weiß, wo das Tor steht. 18-mal traf er in 42 Oberliga-Partien für den Verein aus der Doppelstadt zwischen 2013 und 2015 und machte damit die Breisgauer auf ihn aufmerksam, die ihn für ihre Regionalliga-Truppe holten. 2015/2016 steuerte Brünker bei 15 Einsätzen nur einen Treffer bei, die Freiburger stiegen ab. Mit 17 Toren in 33 Spielen hatte der Stürmer großen Anteil am direkten Wiederaufstieg, im zweiten Anlauf in der Regionalliga gelangen ihm in 20 Duellen 8 Treffer. Für den Traum von der Bundesliga reichte das zwar nicht, doch es ermöglichte Brünker das Abenteuer in England. Nun also der Wechsel in den Fautenhau, wo er die Rückennummer 13 erhält: „Ich kenne die SG gut und freue mich sehr auf die Zeit in Aspach. Mein Ziel ist es, meine Stärken hier optimal einzubringen und die Ziele mit dem Team zu erreichen.“ Seine Tore und seine Spielweise sollen zum Klassenverbleib beitragen.