Alten Bäumen droht die Säge

Weil ihre Wurzeln Straßenbelag und Kanalrohre beschädigen, werden die Ulmen und Linden an der Röntgenstraße zum Problem

Die Röntgenstraße im Backnanger Norden ist eine Allee mit schönen alten Bäumen. Doch die Wurzeln der mächtigen Ulmen und Linden verursachen im Untergrund große Schäden. Deshalb denkt man bei der Stadt jetzt über eine radikale Lösung nach.

Die Bäume an der Röntgenstraße sind imposant, haben aber zu wenig Platz. Durch ihre Wurzeln entstehen größere Schäden im Untergrund. Foto: T. Sellmaier

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Etwa 20 hohe Bäume säumen die rund 350 Meter lange Röntgenstraße zwischen Rietenauer Weg und Größeweg. Hans Bruss schätzt ihr Alter auf 40 bis 50 Jahre. Als die Ulmen und Linden gepflanzt wurden, hat man offenbar noch nicht so weit in die Zukunft geblickt, denn der Leiter des Backnanger Stadtbauamtes sagt: „Diese Bäume würde man heute nicht mehr pflanzen, sie sind nicht standortgerecht.“ Das Problem: Sie werden sehr groß und haben ausladende Kronen, entsprechend raumgreifend ist auch ihr Wurzelwerk. Die schmalen Baumbeete sind dafür viel zu klein.

Die Folgen lassen sich an einigen Stellen mit bloßem Auge erkennen. Wegen der Wurzeln wölbt sich im Bereich des Gehwegs an mehreren Stellen der Boden, der Asphalt platzt auf. Deutlich größer sind allerdings die Schäden, die man von außen nicht erkennen kann. Im Untergrund sind die Wurzeln nämlich durch die Dichtungen in die Rohre hineingewachsen und verstopfen Kanalisation und Hausanschlüsse. In mehreren Häusern habe sich dadurch schon Wasser im Keller zurückgestaut, berichtet Bruss.

Kanalsanierung kostet

eine halbe Million Euro

Die Stadt beziehungsweise ihr Eigenbetrieb Stadtentwässerung muss deshalb handeln: „Uns drohen sonst Regressansprüche, wenn weitere Schäden entstehen“, macht der Amtsleiter deutlich. 2020 soll deshalb die Kanalisation zwischen Röntgenplatz und Größeweg erneuert werden, 520000 Euro sind dafür eingeplant. Die Frage ist, was dann mit den Bäumen passiert, denn die Wurzeln wären auch den neuen Rohren im Weg. Natürlich könnte man die Wurzeln kappen, aber das bringe nicht viel, erklärt Bruss. Denn entweder würden sie wieder nachwachsen oder die Bäume würden eingehen, was auch ihre Standsicherheit gefährden würde. Bliebe als letztes Mittel nur die Säge, auch wenn der Stadtbauamtsleiter einräumt: „Das tut natürlich schon weh.“

Die Röntgenstraße ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall. In Baugebieten, die in den 70er- und 80er-Jahren entstanden sind, gebe es immer wieder Probleme durch Bäume, die zu groß geworden sind, berichtet Bruss. Heute würde man in Wohngebieten deshalb Arten pflanzen, die weniger ausladend sind, wie zum Beispiel Kugelahorn, Wildkirsche oder Säulenakazie. Außerdem achte man beim Anlegen der Baumbeete darauf, dass sich Wurzeln und Kanalrohre nicht in die Quere kommen können.

Jan Schwarting wohnt in der Röntgenstraße und kennt Vor- und Nachteile der großen Bäume. Neben den Schäden, die die Wurzeln anrichten, haben seine Nachbarn und er auch mit herabfallenden Blüten und Laub zu kämpfen. „Bei uns ist regelmäßig die Dachrinne verstopft“, erzählt der Anwohner. Trotzdem lehnt Schwarting eine Abholzung der Bäume ab: Nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch wegen des Mikroklimas: An heißen Tagen sei es in der Röntgenstraße dank der Schatten spendenden Bäume nämlich deutlich angenehmer als anderswo. Schwarting hofft deshalb, dass zumindest ein Teil des alten Baumbestands erhalten bleibt: „Ein Radikalschnitt wäre schlecht.“

Unterstützung bekommt er von den Grünen im Backnanger Gemeinderat: „Wir lehnen eine Abholzung grundsätzlich ab. In anderen Städten würde man eine solche Allee hegen und pflegen“, sagt Fraktionschef Willy Härtner. Er fordert, dass die Stadt einen unabhängigen Experten einschaltet, der ein Konzept entwickelt, wie zumindest ein Großteil des Baumbestands erhalten bleiben kann. In den vergangenen Jahren sind in Backnang an verschiedenen Stellen Bäume abgesägt worden, die man nach Ansicht der Grünen hätte erhalten können. „Da muss man schonender vorgehen“, fordert der Fraktionsvorsitzende.

Auch Hans Bruss wäre es lieber, wenn die Fällaktion nicht nötig wäre, und er verspricht, dass man sich jeden Baum einzeln anschauen werde. „Wenn etwas zu erhalten ist, dann werden wir das natürlich tun“, sagt der Amtsleiter. Allerdings müsse man auch das Gesamtbild im Auge behalten: „Wenn von 20 Bäumen am Ende nur 5 stehen bleiben, muss man sich fragen, wie das dann aussieht.“ Wenn die Voruntersuchungen abgeschlossen sind, will die Verwaltung dem Gemeinderat einen Vorschlag machen.