Emotional, ehrgeizig und oft erfolgreich

Eckehardt Stecher prägte als Trainer der Wasserballer der TSG Backnang seit 1987 eine Ära, morgen wird der 69-Jährige verabschiedet

Ein brodelnder Vulkan am Beckenrand, der ab und zu auch ausbrach: Wird Eckehardt Stecher so beschrieben, schmunzelt er und widerspricht nicht. Hätte sich der Backnanger in seinen 31 Jahren als Trainer der TSG-Wasserballer stets gezügelt, „wäre das nicht ich gewesen. Ich habe mich nie verbiegen lassen“. Mit seinem Ehrgeiz führte Stecher das Team zu vielen Erfolgen, nun ist Schluss: Zu seinem Abschied am Samstag werden viele Wegbegleiter im Wonnemar erwartet.

Anspornend, aufbrausend, applaudierend: Bei Eckehardt Stecher war in 31 Jahren als TSG-Trainer die ganze Bandbreite der Emotionen zu erleben.Archivfotos: M. Melchert, A. Wahl, B. Strohmaier (2)

Von Steffen Grün

Es war ein erfahrener Torwart, den Backnangs Wasserballer 1986 in ihren Reihen begrüßen konnten. Für den SV Ludwigsburg hatte Eckehardt Stecher vier Erstliga- sowie zwölf Regionalliga-Spielzeiten auf dem Buckel, nun wollte er den Kasten der Murrtaler sauber halten – mit weniger als den gewohnten vier Trainingseinheiten pro Woche, aber demselben Siegeswillen.

Als nach seiner ersten Saison der damalige Trainer Michael Kaesz das Amt niederlegte, „habe ich mir das zugetraut“, erinnert sich der mittlerweile 69-Jährige daran, wie die gut drei Jahrzehnte dauernde Ära begann. Auf Anhieb führte Eckehardt Stecher die TSG-Truppe von der A-Klasse in die Bezirksliga, „aber das schönste Erlebnis war 1989 der Aufstieg von der Bezirks- in die Verbandsliga und dass wir uns dort gehalten haben“. Für den Trainer hat das einen speziellen Stellenwert, „weil die Trainingsmöglichkeiten damals noch stark eingeschränkt waren“. Anfangs standen lediglich das Sprungbecken im Freibad und das alte Hallenbad zur Verfügung, später durften die Wasserballer im Freibad auch mal die eine oder andere Bahn im 50-Meter-Becken nutzen und vor einigen Jahren baute die Stadt das neue Hallenbad.

Den Beginn der stärksten Phase unter seiner Regie datiert Eckehardt Stecher auf Mitte der Neunziger, als eine ganze Generation ins Team drängte. „Wir waren mit Talenten gesegnet“, sagt der Coach und ist sichtlich bemüht, niemand zu vergessen: Sven und Sascha Rehm, Mark und Christian Daynes, seine eigenen Söhne Mark und Alexander Stecher, Markus Mögel, Julian Müller, Christian Dlouhy, Andreas Bartsch und später noch Spieler wie Rafael Theiss oder Florian Illek – „das war eine richtige Clique, da ging’s zum Teil auch zusammen in den Urlaub“. Er erinnert sich aber vor allem auch gerne an die Ernsthaftigkeit, mit der diese Spieler den Sport betrieben, „die Mannschaft hat im Training viel verlangt“. Das passte zum ehrgeizigen Mann am Beckenrand, für den Wasserball „eine sehr komplexe Sportart ist, die viel Training erfordert“. Um für alle Spielsituationen gewappnet zu sein, sei es zum Beispiel wünschenswert, alle vier Schwimmstile zu beherrschen, was neben Einheiten mit Ball eben auch viele Kilometer erfordert.

Für ihren Einsatz wurde die TSG-Truppe 2003 mit ihrem erstmaligen Aufstieg in die Oberliga belohnt, für den Trainer war’s die Krönung seiner langen Aufbauarbeit. Backnang hielt sich zunächst sechs Spielzeiten in der höchsten Liga im Ländle, die durch die Streichung von Liga zwei 2006 sogar zur dritthöchsten deutschen Klasse mutierte und verpasste den Durchmarsch in die Regionalliga im ersten Jahr erst als Vierter beim Aufstiegsturnier. 2009 und 2011 ging es in die Verbandsliga runter, 2010 und 2014 jeweils wieder hoch – erst nach dem Abstieg vor dreieinhalb Jahren klappte es mit der Rückkehr nicht mehr.

Die Erfolge in der Liga waren für Eckehardt Stecher aber ohnehin nicht alles. Er denkt beispielsweise oft ans Millenniumsturnier in der Partnerstadt Annonay zurück, bei dem auch die Chelmsforder Wasserballer mitmischten und das Regionalfernsehen berichtete. Oder an den Turniersieg in Konstanz mit dem 3:2-Erfolg gegen Cannstatt. „Da gab es sogar eine Schlagzeile in der Bild: Deutscher Wasserball-Vizemeister blamiert sich gegen Verbandsligisten“, erzählt Stecher und lacht. Ein besonderes Erlebnis war es für ihn, irgendwann Mitte der Neunziger ein Punktspiel mit beiden Söhnen bestritten zu haben, als er selbst noch TSG-Stammkeeper war und die Jungs langsam nachrückten. Als sich Mark Stecher, sein Nachfolger im Kasten, später mal verletzte, absolvierte Eckehardt Stecher mit 57 noch ein Oberligaspiel.

Zur Bilanz nach 31 Jahren gehören aber auch die Rückschläge, und die setzte es ausgerechnet gegen Ende seiner Amtszeit. „Die größte Enttäuschung war der Abstieg in die Bezirksliga“, verrät der Trainer. Damit war das Team wieder dort angekommen, wo es letztmals 1989 gespielt hatte. In dem Moment einfach hinzuwerfen, war jedoch keine Option, „ich wollte nicht nur da sein, wenn es gut läuft“. Dass es dann aber sogar noch eine Spielabsage wegen Personalmangels gab, machte es nicht besser, „das hat mich brutal gewurmt“. Einen nachhaltigen Schatten auf seine Ära wirft es aber nicht, „es war eine tolle Zeit, meine Frau und die Familie haben es immer mitgemacht“. Dass er mit seiner mitunter aufbrausenden Art die Spieler auch mal sauer machte, „kann natürlich sein, aber das gehört dazu“. Der Vulkan beruhigte sich nach einem Ausbruch auch schnell wieder, „die Jungs sind mir ans Herz gewachsen“.

Trotzdem war es nun an der Zeit, loszulassen, denn „wenn ich etwas mache, mache ich es richtig“. Beim Training und erst recht bei Spielen fehlte er sehr selten, nun sind die Dienstag- und Donnerstagabende und das Wochenende anders zu verplanen. „Ich habe es schon verschmeckt“, gibt Stecher zu, „jetzt kann ich dienstags mal in Ruhe die Champions League gucken, der nächste Urlaub ist auch schon gebucht“. Den Nachfolgern wünscht er, dass der allgemeine Abwärtstrend im Wasserball mit immer weniger Teams gestoppt wird und dass sie mit der TSG Erfolg haben. Selbst bei Spielen auftauchen wird er aber erst, wenn er etwas Abstand gewonnen hat.