Viele Ideen für das Backnang von morgen

Kritik, Verbesserungen und ein offenes Ohr: Die neuen Backnanger Jugendvertreterinnen gehen motiviert ans Werk

Selina Häußer und Natalia Grabke sind die neuen Jugendvertreterinnen der Stadt Backnang. Während ihrer zweijährigen Amtszeit wollen sie den Jugendlichen Politik näherbringen, mit ihrer Arbeit mehr Aufmerksamkeit erlangen und sich vor allem für die Interessen und Belange der Jugend einsetzen.

Natalia Grabke (links) und Selina Häußer vertreten seit Kurzem die Backnanger Jugend im Gemeinderat. Foto: T. Sellmaier

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Ab diesem Monat beginnt ihre Arbeit, die Liste der Aufgaben ist lang, die Motivation hoch: Selina Häußer und Natalia Grabke sind die neuen Jugendvertreter der Stadt Backnang. Sie wurden Ende des vergangenen Jahres von der Jugend gewählt und bereits im Gemeinderat vereidigt.

Nun sitzen sie in einer Backnanger Eisdiele, bestellen sich Tee und Milchshake und sprechen über das, was sie in ihrer Stadt anstoßen wollen. Auch wenn jede ihre Schwerpunktthemen hat, bei einem Thema sind sie sich einig: Es gibt zu wenig Möglichkeiten für Jugendliche, sich zu treffen. „Die Jugendumfrage hat gezeigt, dass die jungen Backnanger sehr gerne Sport machen“, weiß Selina Häußer, die im Vorstand des Stadtjugendrings bei der Erstellung und auch der Auswertung der Fragebögen beteiligt war. „Genau deshalb ist ein Skatepark so wichtig“, stimmt Natalia Grabke zu, „auch ein Streetbasketballfeld wäre eine Idee.“ Man hat einen Treffpunkt, kann gemeinsam Sport machen, ist draußen an der frischen Luft, kommt in Kontakt mit anderen.

Mehr Veranstaltungen,

die auch die Jugend locken

„Backnang braucht mehr Events“, findet Häußer. Denn Veranstaltungen wie beispielsweise die Livenacht kommen sehr gut an, sind auch gut besucht. „Wie wäre es zum Beispiel mal mit Freilichtkino im Plattenwald? Oder wo ist eigentlich die Eisbahn hin, die früher immer am Willy-Brandt-Platz aufgebaut war?“ Auch auf dem Festplatz in Steinbach ist den Jugendvertreterinnen zu wenig los. Aber sie sind sich auch den Anforderungen bewusst, die man erfüllen muss, um den Platz benutzen zu können. Und er hat ein ganz bestimmtes Manko: Dort gibt es keine Hütte und keinen Unterschlupf. Bei Regen waren jegliche Mühen umsonst, die Veranstaltungen fallen schlichtweg ins Wasser.

Das Wetter ist nicht nur auf der Festwiese ein Problem, sondern vor allem im Winter. „Im Sommer kann man viel draußen sitzen, sich an den Stufen zur Murr treffen“, so Häußer. Doch sobald es kalt wird, fehlen die Möglichkeiten. Da stimmt Grabke zu: „Treffpunkt 44, das Juze – wo geht man als Jugendlicher noch hin?“ Gerade für unter 18-Jährige fehle das Angebot. Ein Abend in den Kneipen Backnangs sei zwar nett, aber zum einen gehen sie doch ins Geld und zum anderen sind sie eben keine Treffpunkte, sondern Lokale. In Sachen Nachtleben müsse sich einiges tun: „Das kam auch immer wieder in der Jugendumfrage vor, das Nachtleben muss sich verbessern. Und damit verbunden auch der Nachtverkehr“, erzählt Häußer.

An Themen, Vorschlägen und Ideen mangelt es den beiden nicht. Doch welches Thema die Jugendvertreter zuerst angehen wollen, das steht noch nicht fest. Ihr erstes Treffen mit den Stellvertretern Anna Stubert und Paul Jerusalem steht für diesen Monat noch aus. Jeden Monat wollen sich die vier nun in den kommenden zwei Jahren ihrer Amtszeit zusammensetzen. Ihnen ist vor allem wichtig, dass man sich für die Jugend einsetzt und sie wollen den Jugendlichen in Backnang zeigen, dass es da jemanden gibt, der ihnen zuhört und sich für ihre Interessen starkmacht. Denn die Beteiligung an der Jugendvertreterwahl war gering, lag bei etwas mehr als zwei Prozent. Von 6172 wahlberechtigten Jugendlichen haben gerade einmal 153 Stimmen abgegeben. Zu ihrem Auftrag gehört auch, den Jugendlichen die Politik ein Stück weit näherzubringen. Den beiden ist klar, dass das kein einfaches Unterfangen werden wird.

„Wir brauchen auf jeden Fall einen offiziellen Infokanal, auf dem wir in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und so posten“, erklärt Häußer. Und da soll dann viel passieren, auch was Veranstaltungen, Umfragen oder Stellenangebote betrifft. Mit ihrem Account wollen sie die Jugendlichen besser vernetzen, ihnen zeigen, dass sich Einsatz lohnt, und ihre Arbeit und Fortschritte publik machen.

Sie wollen mit Schulen und Vereinen eng zusammenarbeiten

Zu einem verbesserten Netzwerk gehört ebenfalls die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Schulen. „Über Vereine können wir an noch mehr Jugendliche kommen“, meint Grabke. Die Vereinsverantwortlichen könnten, wenn es so weit ist, auch den Jugendlichen von der Vertreterwahl erzählen und sie animieren. „Wir wollen in Zukunft auch mit den Schulen sprechen“, so Grabke weiter. Vielleicht lässt sich da durch Flyer und Poster etwas Werbung für Aktionen machen. Politische Werbung ist an Schulen zwar nicht üblich, doch sind die Jugendvertreter parteipolitisch neutral.

Kontakt mit Politik hatten die beiden bereits, doch das ist nun das erste offizielle politische Amt. Durch ihren Papa kam Selina Häußer bereits früh mit Politik in Berührung, auch ihre Brüder interessieren sich dafür. „Wir sprechen am Tisch oft über politische Themen.“ Sie trat in die Junge Union ein, hat mit ihrer Arbeit im Vorstand des Stadtjugendrings viel Kontakt zu den Mitgliedsvereinen. So kam es, dass ihr jemand die Bewerbung zur Jugendvertreterin ans Herz legte. Sie war sofort überzeugt.

Bei Natalia Grabke war es der Kontakt mit anderen Interessierten, der vor etwa vier Jahren ihr politisches Interesse weckte. Über ihr Engagement im Juze kam sie zum Stadtjugendring. Ihr macht die Arbeit im Juze viel Spaß, sie mag es, zu organisieren und etwas zu tun. Sie ließ sich zur Wahl aufstellen: „Ich finde es eine gute Idee, sich in der Stadt einzusetzen.“