In der Küche wird geschnippelt und gekocht

Paulinenpflege Winnenden begleitet in ihren Förder- und Betreuungsgruppen in Backnang Menschen mit Behinderung

Die Mitarbeit in der Küche ist für die Klienten in den Förder- und Betreuungsgruppen der Paulinenpflege ein Highlight. Jeder kann nach seinen Fähigkeiten und Interessen helfen. Foto: privat

BACKNANG (pm). Es riecht schon gegen 10Uhr sehr verführerisch, wenn man die Räume der Förder- und Betreuungsgruppen (FuBs) in den Backnanger Werkstätten betritt. In der großen Küche wird fleißig geschnippelt, gebraten und gekocht. „Wir kochen jeden Tag gemeinsam mit unseren Klienten Mittagessen. Jeden Tag ist eine andere Gruppe dran“, erzählt Heilerziehungspfleger Hannes Klahn.

Heute hat er Küchendienst gemeinsam mit Kollegin Georgia Fitsiou, die ebenfalls Heilerziehungspflegerin ist. Selbstverständlich wird gemeinsam mit den Klienten gekocht. Jeder Klient und jede Klientin darf mithelfen, und oft sind die beiden nur die Assistenten. „Wir schauen genau, wer welche Fähigkeiten und Interessen hat, dementsprechend hilft er oder sie mit“, erklärt Georgia Fitsiou. Insgesamt wird für 20 Personen gekocht.

Für die Klienten scheint das Mithelfen in der Küche ein echtes Highlight zu sein. Egal, ob Tomaten für den Salat geschnitten, Toasts für Sandwiches in der Pfanne geschwenkt oder Teller und Besteck auf dem Tisch verteilt werden: alle sind eifrig bei der Sache. „Wir versuchen, unsere Klienten zu motivieren und aus ihnen rauszukitzeln, was sie trotz ihrer Behinderung können. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und lässt sie über sich selbst hinauswachsen“, sagt Hannes Klahn. Empathie ist in seinem Job sehr wichtig, denn oft spielt auch die Tagesform der Klienten eine wichtige Rolle.

„Unsere Klienten sollen sich in den FuBs der Paulinenpflege Winnenden wohlfühlen. Sie werden bei uns gefördert und gefordert, aber sie dürfen nicht überfordert werden“, erklärt Georgia Fitsiou. Bei den FuB-Klienten handelt es sich um Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht oder nicht mehr in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten können. Darunter sind Menschen aus dem Großraum Backnang und Winnenden mit geistiger oder körperlicher Behinderung ebenso wie mit einer Hörbehinderung oder psychischer Beeinträchtigung.

Wichtig ist für alle Klienten ein fester Tagesablauf, an dem sie sich orientieren können. Morgens wird mit einer Ankommen-Runde gestartet, bei der alle von ihren Erlebnissen zu Hause oder in der Wohngruppe berichten können. Danach starten Einzelangebote, die auf jeden einzelnen Klienten zugeschnitten sind oder auch Gruppenangebote wie das gemeinsame Kochen. Oft wird auch gruppenübergreifend gearbeitet, das heißt, es gibt zum Beispiel Ausflüge, Spaziergänge oder Sportangebote. Um 12 Uhr wird das Mittagessen genossen, und nach der Mittagspause gibt es noch mal verschiedene Gruppen- oder Einzelangebote. Auch Pflege spielt bei vielen der Klientinnen und Klienten eine wichtige Rolle.

Georgia Fitsiou macht ihre Arbeit in den Förder- und Betreuungsgruppen Spaß. Sie hat schon im Freiwilligendienst hier reingeschnuppert: „Danach war für mich klar, dass ich auch hier meine Heilerziehungspfleger-Ausbildung machen will. Nun ist es für mich ein Glücksfall, dass ich auch nach meiner Ausbildung in den FuBs arbeiten kann. Ich konnte in all den Jahren die Entwicklung der Gruppen erleben. Inzwischen hat sich der Förder- und Betreuungsbereich in Backnang verdreifacht.“ Auch Hannes Klahn hat als FSJler in den Förder- und Betreuungsgruppen angefangen, seine Ausbildung hat er dann in einer Wohngruppe für behinderte Menschen in Winnenden absolviert. Seit er Heilerziehungspfleger ist, arbeitet er wieder in den FuBs.

Auf die Frage, was das Besondere an der Arbeit in den Förder- und Betreuungsgruppen ist, antworten beide fast wortgleich: „Unsere Arbeit ist total abwechslungsreich, jeder Tag hier ist anders. Wir werden von unseren Klienten sehr geschätzt und bekommen hier sehr viel zurück.“