Kaum Probleme durch Hochwasser

Schutzmaßnahmen der Kommunen an der Murr greifen größtenteils – Deutscher Wetterdienst: Diese Woche nur wenig Regen

Strömender Regen und Tauwetter: Seit Freitag stieg der Pegel der Murr immer weiter an. So weit wie beim Jahrhunderthochwasser 2011, als Teile der Backnanger Innenstadt überflutet wurden, kam es an diesem Wochenende jedoch nicht. Und auch andere Kommunen an der Murr hatten keine großen Probleme. Die Wetterprognosen für die nächsten Tage sehen gut aus: Wenig Regen und dieser wird den Wasserstand der Flüsse kaum mehr beeinflussen.

Sah schlimmer aus, als es am Ende war: Der Pegel der Murr stieg, wie hier an der Backnanger Bleichwiese, zwar an, wurde aber kaum gefährlich.Fotos: A. Becher (1), Y. Weirauch (1), J. Fiedler (2)

Von Silke Latzel

BACKNANG/MURRHARDT. Sonntag auf Montag, um kurz nach Mitternacht, hatte die Murr ihren Höchststand erreicht: Der Pegel an der Messstelle Oppenweiler zeigt knapp drei Meter an. Mehr wurde es dann aber zum Glück nicht und das Wasser fließt seitdem kontinuierlich wieder ab. Vielen Menschen in Backnang und Umgebung wurden an das Jahrhunderthochwasser 2011 erinnert und haben die Situation dementsprechend angespannt verfolgt. Doch sie mussten sich keine Sorgen machen: Die Kommunen waren vorbereitet und bis auf ein paar kleinere Zwischenfälle ist nichts passiert.

In Backnang wurden die Gäste des Wonnemars am Sonntag gegen 17 Uhr vorsorglich gebeten, das Bad zu verlassen, neue Gäste wurden nicht mehr eingelassen. Centermanager Ricardo Haas: „Die Polizei kam bei einem Pegelstand von 2,48 Meter bei uns vorbei und hat uns darauf hingewiesen, dass die Zufahrtsstraße zum Wonnemar ab einem Pegelstand von 2,50 Meter gesperrt wird. Wir haben die Badegäste dann gebeten, nach Hause zu gehen. Und die meisten hatten auch volles Verständnis, nachdem wir ihnen die Situation erklärt hatten. Denn die Alternative wäre gewesen, im Falle einer Sperrung, im Bad zu übernachten, und das wollte dann doch keiner“, so Haas lachend. Hans Bruss, Leiter des Stadtbauamts, war ebenfalls im Einsatz und hatte mit seinen Kollegen die Lage ständig im Blick. „Wir mussten den Radweg unter der Annonay-Brücke absperren, dort tritt die Murr immer als erstes über die Ufer“, sagt er. Auch der Geh- und Radweg hinter dem Freibad Richtung Plattenwald musste gesperrt werden. „Dann haben wir uns noch um eine Hofentwässerung in der Gerberstraße gekümmert und dort Schieber angebracht.“ Das Hochwasserpumpwerk am Kalten Wasser, das erst kurz vor Weihnachten in Betrieb genommen wurde, hat laut Bruss „den ersten Praxistest bestanden. Das Regenüberlaufbecken hat seinen Dienst getan und wenn es voll war, wurde das Wasser abgepumpt und in die Murr geleitet.“ Er bezeichnet die Situation als „nicht ganz harmlos, aber so etwas geht vorüber. Es war gut, dass es nicht noch weiter geregnet hat, denn es gibt in Backnang immer noch einige Stellen, die noch nicht so vor Hochwasser geschützt sind, wie sie es sein sollten. Aber das, was bislang gebaut wurde, hat gut funktioniert.“ Und auch die Backnanger Feuerwehr hatte die Lage jederzeit im Griff, behielt die Pegelstände im Auge und gab um 21.30 Uhr fast schon eine Entwarnung auf Facebook, indem sie die Backnager informierte, dass sie nicht damit rechnet, dass der Pegel die drei Meter übersteigen wird. Und sie hatte recht.

Die Pegel fallen, die Lage
hat sich wieder entspannt

Glücklich über den Ausgang der Lage ist auch Oppenweilers Bürgermeister Bernhard Bühler: „Alles hat recht gut funktioniert. Wir hatten nur relativ früh mit dem Übertritt eines kleinen Baches zu tun, die Feuerwehr hat die Straße dann abgesperrt.“ Feuerwehr und Schultes hatten sich zweimal getroffen, die Pegelstände abgerufen und dann bei einem Pegelstand von 2,60 Meter beschlossen, den innerörtlichen Hochwasserschutz aufzubauen. „Um 19 Uhr waren wir fertig und haben gemerkt, dass das auch ausreicht. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt im Teilbereich Aichelbach schon eine Straße gesperrt, ebenso die Zufahrt zum Schützenhaus.“ Bühler sagt, man habe durch das verhältnismäßig geringe Hochwasser allerdings wichtige Erkenntnisse gewonnen: „Die Straße zum Schützenhaus läuft beispielsweise nicht wie im Hochwasseralarmplan vermerkt, erst ab drei Meter voll, sondern schon ab 2,60 Meter. Und auch, dass die Lauter ein relativ relevanter Bereich für Oppenweiler ist – wenn von dort Wasser kommt, dann wird es brenzlig.“ Bühler war in der Nacht nicht mehr draußen unterwegs, er habe sich aber sagen lassen, „dass wir noch gut 20 Zentimeter Luft nach oben hatten.“ Bemerkenswert ist seiner Ansicht nach übrigens: „Uns wurde nicht ein überschwemmter Keller gemeldet.“

Nicht ganz so glimpflich, aber auch nicht wirklich dramatisch, war die Lage derweil in Murrhardt. Bereits am Freitag hatten sich Stadtverwaltung und Bauhof auf ein mögliches Hochwasser vorbereitet, waren in Bereitschaft. Auch die Feuerwehr war sensibilisiert. „Am Sonntagvormittag wurde die Ortszufahrt Hausen an der L1066 wegen Überschwemmung gesperrt. Die Murr uferte zwischen Hausen und der Wahlenmühle aus und überflutete die Felder. In Fornsbach musste eine Straße im Neuhauser Tal wegen Überschwemmung gesperrt werden. In der Ortsmitte war der Fornsbach stark angestiegen, sodass veranlasst wurde, durch die Feuerwehr-Abteilung Fornsbach die Dielen an den Staustufen im Bach zu ziehen. Das brachte Entspannung. In Murrhardt setzte die Feuerwehr vorbeugend Dielen an den neuen Murrtreppen. Der Bauhof wurde ebenfalls mobilisiert und kontrollierte die Einlaufschächte und Bauwerke“, so Bürgermeister Armin Mößner. „Am späteren Abend war die Feuerwehr bei zwei Einsätzen nochmals gefordert: An einem Haus in der Karlstraße war Wasser eingetreten, ebenso an einem gewerblichen Gebäude in der Wilhelm-Soehnle-Straße. Die Feuerwehr pumpte das Wasser ab.“ Für Mößner besonders wichtig: „Der Einsatz zeigt, wie wichtig die Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen, gerade das Hochwasserrückhaltebecken Gaab, ist. Die Stadtverwaltung hofft, dass das 2018 eingeleitete Planfeststellungsverfahren zeitnah Fortschritte macht und die Maßnahme planfestgestellt wird, um den Bau vorbereiten zu können.“

Auch in Sulzbach war Bürgermeister Dieter Zahn gemeinsam mit der Feuerwehr im Einsatz: „Wir haben die in der Vergangenheit kritischen Punkte bei uns im Ort kontrolliert, also das kleine Pumpwerk, die Fischbachmündung und den Kindergarten. Um 16.30 Uhr haben wir beschlossen, an der Bachmündung Paneele aufzustellen, drei Mitarbeiter des Bauhofs haben das erledigt. Das war allerdings eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Später am Nachmittag habe man noch eine zweite Kontrollfahrt unternommen, „das wäre nicht nötig gewesen, aber es beruhigt einfach“, so Zahn.

Während man in den Kommunen froh ist, alles gut und ohne größere Schäden überstanden zu haben, kommen von der Hochwasserzentrale Baden-Württemberg weitere gute Neuigkeiten: „Die Murr ist wieder runter auf knapp über einem Meter. Und der Trend des Fallens wird auch durch große oder kleine Schauer in den nächsten Tagen nicht mehr aufgehalten“, so ein Sprecher und ergänzt: „Die Lage hat sich wieder entspannt.“

Und auch Wetterexperte Marco Puckert vom Deutschen Wetterdienst gibt für die kommenden Tage Entwarnung: „Im Augenblick haben wir hier zwar hin und wieder Regen und Graupel, in den höheren Lagen auch etwas Schneefall und Sturm, aber ab heute Nachmittag wird es keinen Niederschlag mehr geben, der Mittwoch soll ebenfalls trocken bleiben. Erst ab Donnerstag regnet es wieder und die Nacht auf Freitag bringt kalte Polarluft, es wird kälter und im Bergland gibt es dann auch wieder Schnee.“